Immobilien-Telefon

Mit Wohn-Riester die Rente sichern

Thema: Wohn-Riester und Bausparen

Weit vorausdenkend für ihren 17-jährigen Enkel schloss eine Berlinerin einen Wohn-Riester-Bausparvertrag ab, doch später kamen ihr die Zweifel: Taugt dieses auf zehn Jahre abgeschlossene Ansparmodell wirklich für die Zukunftssicherung des jungen Mannes? Die Leserin wandte sich am "Immobilien-Telefon" unserer Zeitung an Gudrun Gaebel, zertifizierte Vorsorge-Spezialistin vom Verband der Privaten Bausparkassen und Finanzierungsfachfrau bei der Bausparkasse Wüstenrot:

Ich habe vor ein paar Monaten für meinen Enkel (inzwischen 18, Azubi) einen Wohn-Riester-Bausparvertrag abgeschlossen. Doch jetzt habe ich gelesen, dass dieses Modell wegen seiner extrem langen Laufzeit bis zum 65. Lebensjahr oder noch länger vielleicht doch nicht so lukrativ ist. Kann man sich das Geld auch früher auszahlen lassen, mit allen Zulagen oder ohne? Oder kündigen?

Erst einmal finde ich es lobenswert, dass Sie sich Gedanken um seine Zukunft machen.

Ich denke, dass sich das Modell doch lohnt. Zum einen bekommt Ihr Enkel jedes Jahr die Zulage von 154 Euro, wenn er vier Prozent seines Brutto-Vorjahreseinkommen als Eigenbeitrag abzüglich der Zulage selbst in seinen Riester-Vertrag einzahlt.

Bekommt er als Azubi beispielsweise 750 Euro Bruttogehalt im Monat (bzw. 9000 Euro im Jahr), so wären die vier Prozent schon mit 360 Euro erreicht, und davon werden auch noch 154 Euro abgezogen. Mit 206 Euro Eigenanteil baut er sich also eine Zukunftssicherung auf, die pro Jahr schon 360 Euro Einzahlung wert ist.

Im ersten Jahr ist dies für ihn noch ein ganzes Stück günstiger. Da er bei Abschluss seines Riester-Vertrages unter 25 Jahre alt war, bekommt er im ersten Vertragsjahr eine um 200 Euro erhöhte Grundzulage.

Aber läuft das nicht alles viel zu lange? Ich habe allerdings auch den Vermerk gefunden, dass der Wohn-Riester-Vertrag auf zehn Jahre konzipiert ist, wobei er übrigens mehr Zinsen bekommen wird, wenn er später mal auf einen Bausparkredit verzichtet.

Das Langfristige ist ja auch gerade der Sinn aller Riester- und Wohn-Riester-Verträge - dass sie dem Einzahler finanziell genau dann unter die Arme greifen sollen, wenn er später einmal vom gut verdienenden Arbeitnehmer zum Rentner wird. Die Rente dürfte bei Ihrem Enkel dann voraussichtlich etwa 60 Prozent unter seinem letzten Arbeitsentgelt liegen. Diese Lücke kleiner zu machen und sich im Ruhestand mehr leisten zu können, dazu dienen doch (Wohn-)Riester-Verträge.

Und wenn ein Bausparvertrag abgeschlossen wurde, hält sich Ihr Enkel neben der auch bei einer Bausparkasse möglichen Riester-Rente ab 67 Jahren auch die Option offen, mit dem Geld dann später mal eine Immobilie abzuzahlen.

Und wenn er aber nicht bauen oder kaufen will?

Dann sollte er nach den zehn Jahren das Geld entweder in einen weiteren Wohn-Riester-Bausparvertrag - vielleicht erneut ein höher verzinstes Renditemodell - einzahlen. Oder er könnte das Geld auch in jeden anderen zertifizierten Riester-Vertrag eines anderen Anbieters stecken.

Was sagen sie zu meiner Überlegung der Kündigung des Riester-Bausparvertrages?

Die Idee finde ich nicht gut. Denn alle erhaltenen Zulagen gehen verloren, und ein eventuell zusätzlich erzielter Steuervorteil muss zurückgezahlt werden. Alle Gebühren wären dann auch umsonst bezahlt worden - also auch die Kontoführungs- und Abschlussgebühren. Nur am Rande: Die Abschlussgebühren werden nicht auf einmal kassiert, sondern auf fünf Jahre verteilt.

Eine Kündigung in einem so frühen Stadium lohnt sich also gar nicht. Dahinter steckt natürlich auch Absicht - denn eine Kündigung sollte nicht leichtfertig erfolgen, schließlich ist die Altersvorsorge durch kapitalgedeckte Rentenprodukte heutzutage dringend erforderlich geworden. Schließlich wird die Altersabsicherung mittels Rente & Generationenvertrag nicht mehr ausreichend sein: Es wird einfach nicht mehr genug jüngere Beitragszahler geben, die die hohe Renten der vielen Älteren weiter zahlen können.

Riester- und Rürup-Renten sollen die Rentenversorgung durch kapitalgedeckte Verfahren ergänzen. Zudem wurde der "Riesterfaktor" in die Rentenformal eingebaut, um Renten langsamer steigen zu lassen. Gleichzeitig ist die Riester- und die Rürup-Förderung entwickelt worden, damit die Bürger die größere Lücke durch kapitalgedeckte Verfahren schließen können.

Weil dann aber hohe Stornoquoten nicht im Interesse der Bürger und des Staates wären, wurden unbürokratische Wechselmöglichkeiten und die beliebige Änderung der Beitragshöhe eingebaut - damit sind Riester-Verträge viel flexibler als beispielsweise herkömmlichen Kapitallebensversicherungen.

Mit diesen Antworten der Expertin endet das Thema "Bausapren und Wohn-Riester" mit Gudrun Gaebel. In der nächsten Woche folgen die Fragen an und Antworten von Rechtsanwalt Kai-Peter Breiholdt; er wurde konfrontiert mit "Problemen mit der Eigentumswohnung".

"Die Renten-Lücke kleiner zu machen und sich im Ruhestand mehr leisten zu können, dazu dienen Wohn-Riester-Verträge"

Gudrun Gaebel, Bauspar- und Vorsorgespezialistin