Nachhaltigkeit

Öko-Design im Wohnzimmer

Recycelbare Sofas, Gartenmöbel aus heimischem Holz, Gläser aus Altglas: Auch im Wohnbereich gibt es kaum einen Hersteller, der nicht zumindest ein paar seiner Produkte mit dem Label "Nachhaltigkeit" schmücken möchte. Der Begriff mag manchem zwar schon abgenutzt erscheinen - doch der Umweltgedanke zieht.

Waren es vor Jahren vor allem gehobene Design-Marken, die mit grünen Möbeln um Kundschaft warben, finden sich entsprechende Produkte inzwischen auch bei günstigeren Anbietern. "Nachhaltigkeit hat sich zum Hype entwickelt", hieß es etwa bei der Möbelmesse "Imm Cologne", nicht zum ersten Mal. Immer mehr Konsumenten wünschten sich ökologisch hergestellte Lifestyle-Produkte. Und diese gibt es in der Einrichtungswelt - anders als in anderen Branchen - bereits in Hülle und Fülle.

Wo kommt das Produkt her?

Dabei beschränkt sich nachhaltiges Design nicht allein auf recycelbare Materialien. Eine zweite Stufe des Nachhaltigkeitsgedankens sieht die Kölner Online-Plattform designspotter.com mittlerweile erreicht: Es gehe sowohl um die Auswirkungen auf künftige Generationen wie auch um den Hintergrund eines Produkts, also auch um Verantwortungsbewusstsein: "Wer hat dieses Produkt gemacht, und wo kommt es her?"

Regionale Bezüge würden ebenso wichtiger wie das Schaffen von Verbindlichkeiten. Das neue Öko-Bewusstsein habe die Realität bereits verändert, bestätigt die Dekorations- und Trendexpertin Eva Barth-Gillhaus (Meerbusch). Sie sieht auch, dass Bewährtes wieder aufgegriffen wird. Langlebigkeit und Solidität seien die wichtigsten Voraussetzungen für nachhaltige Produkte. Daneben sei eine gute Verarbeitung genauso wichtig wie schadstofffreie Materialien und ein ansprechendes Design.

Doch gerade an Letzterem hat es lange gefehlt. Gewachste Bio-Möbel oder auch mit Naturfarben gefärbte Textilien gebe es in Deutschland bereits seit den 80er-Jahren, so die Fachleute der Imm Cologne. Doch "Bio" sei bei der Inneneinrichtung ein Nischenmarkt mit oft hausbackenem Design oder idealistischen Recycling-Konzepten geblieben. Erst die neu entfachte Nachhaltigkeitsdiskussion habe "Öko" entstaubt. Hightech und hochwertiges Design bestimmen die neue Generation grüner Möbel.

Als "Hightech zur Rettung des Planeten" bezeichnet Prof. Peter Wippermann vom Beratungsunternehmen Trendbüro (Hamburg) das moderne "Green Design". Er selbst hat sich dafür den Begriff "Eco Pop" ausgedacht: "Es wird bunt, rund und smart." Denn auch wenn Massivholzmöbel derzeit weiterhin einen Boom erleben, gibt es nachhaltiges Design durchaus auch mit anderen Materialien - zum Beispiel mit Kunststoff. "Plastik stand in den vergangenen Jahren unter Hausarrest, jetzt aber feiert es wieder Triumphe".

Kunststoff ist erlaubt

Möglich wurde diese Kehrtwende durch neue Techniken. Kunststoff-Stühle können heute am PC entworfen und mit Hilfe von Computern hergestellt werden. Das erlaubt einen äußerst sparsamen Umgang mit Materialien und schont auf diese Weise auch die natürlichen Ressourcen. Fast egal aus welchem Material: Wirklich ökologisch wird ein Möbelstück erst dann, wenn es lange genutzt werden kann und nicht - wie derzeit oft noch verbreitet - als Modeartikel gesehen wird, der nach kurzer Zeit wieder entsorgt wird. Für Erwachsene sollte Design deshalb möglichst zeitlos sein, so dass man es auch nach Jahren noch gerne ansieht.

Bei Kindern sind zusätzlich technische Lösungen gefragt, die ein gemeinsames Großwerden ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist der "Growing Table", den Designer Olaf Schroeder (Stuttgart) für sein Label "Pure Position" entworfen hat. Tisch und Bank können schon von Kleinkindern genutzt werden und wachsen dann durch das Anschrauben von zusätzlichen Beinelementen in Zehn-Zentimeter-Schritten langsam in die Höhe. "Die Nutzungsdauer beträgt acht bis zehn Jahre", schätzt Schroeder. Optisch habe er seinen Entwurf bewusst schlicht gehalten, er erinnere ein wenig an ein Küchenmöbel. "Viele Kindermöbel sind ja völlig überladen." Gleichzeitig fehlt der technische Charakter, den viele mitwachsende Kindermöbel sonst haben. Wird der Tisch irgendwann nicht mehr genutzt, sieht ihn der Designer als Erbstück für die nächste Generation.

"Die erste Öko-Welle wurde von der Jugend getragen", sagt Barth-Gillhaus. Inzwischen habe sich das umgekehrt: "Je reifer, desto eher ist man geneigt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen." Unter älteren Paaren fänden sich derzeit besonders viele nachhaltig orientierte Kunden. Einerseits spiele für diese Zielgruppe der gesundheitliche Aspekt eine ganz wichtige Rolle, andererseits sei oft einfach mehr Geld da. "Nachhaltigkeit ist erwachsen geworden."