Altbau

Jedes Jahr 2000 Liter Heizöl sparen

Wenn Jörg Klauck vom Ölpreis redet, kommt er ins Schwärmen. Der Mann ist kein Brennstoffhändler. Ganz im Gegenteil, er muss die schwarze Flüssigkeit einkaufen wie viele Hausbesitzer. Nur wird es bald eben nicht mehr so viel sein: Statt mit fast 3000 Litern rechnet er ab kommendem Herbst nur noch mit 800 bis 900 Litern, die seine Heizung brauchen wird. Denn Klauck packt seine fast 60 Jahre alte Doppelhaushälfte ganz dick ein.

In einer kleinen Siedlung im südlichen Tegel wurde Anfang der 50er-Jahre viel gebaut. Hier wohnten französische Alliierte ganz nah am Flughafen Tegel. Als deren Soldaten nach der Wiedervereinigung zurück nach Frankreich gingen, zogen viele neue Eigentümer in die Mehrfamilienhäuser und Doppelhaushälften ein. Auch Bundeswehrsoldat Jörg Klauck leistete sich vor vier Jahren hier Eigentum, das energetisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit war. Dann aber päppelten Architektin Gabriele Fink und Energieberaterin Claudia Funk eines der Häuser energetisch auf und stellte dieses Sparprojekt auch anderen Familien der Siedlung vor. Klauck, der sich zuvor schon darüber geärgert hatte, dass es in der Gaube des Dachzimmers seiner Tochter hineingeregnet hatte, wollte jetzt Nägel mit Köpfen machen und seine Heizkostenrechnung reduzieren.

Fink & Funk rechneten, und heraus kam eine rundum in modernstes Wärmedämmmaterial eingepackte Haushälfte, die der Berliner Initiative "Stadtvertrag Klimaschutz" so beispielhaft schien, dass man Klaucks Haus öffentlich präsentierte.

Grün im Energieausweis

Am Haus selbst wird noch gearbeitet, vor drei Wochen kamen die ersten Handwerker, in sechs Wochen soll ein "Kfw Effizienzhaus 115" fertig sein. Die Zahl hat Erklärungsbedarf: 115 stehen für "Prozent Energieverbrauch", und ein derzeit aktueller Neubau, wie ihn die strenge Energieeinsparverordnung einem Bauherrn des Jahres 2011 vorgibt, zählt mit dem Wert von 100 als Referenzmodell. Im Energieausweis, den der Bauherr nach Ende der Arbeiten überreicht bekommen wird, liegt sein Haus damit ziemlich weit links auf der Skala - mitten im grünen Bereich.

Was diese Verbesserung ganz konkret für diesen Altbau bedeuten, darauf freut sich der Tegeler schon: "Statt 29 Liter pro Quadratmeter und Jahr dürfte meine Familie dann nur noch sechs Liter verbrauchen."

Das wird er auch im Geldbeutel merken - in einer lupenreinen Fremdfinanzierung. 90 000 Euro wird ihn die energetische Aufrüstung des Hauses kosten, neben einem Bankkredit hat er Anspruch auf 75 000 Euro von der KfW Förderbank. Dass er dabei mit mehrmals veränderten Finanzierungsanträgen etwas Papierkrieg hinter sich hat, bis nach mehr als einem halben Jahr alles genehmigt worden war, kann er heute verschmerzen - schließlich bekommt er die 75 000 KfW-Euro für ganze 2,2 Prozent Zinsen, und das 15 Jahre lang. Drei Jahre sind tilgungsfrei, danach zahlt er pro Jahr vier Prozent zurück und wird dann nach den 15 Jahren nur noch rund 35 000 Euro zu dann marktüblichen Kreditkonditionen verlängern müssen.

Binnen 22 Jahren soll sich die Wärmeschutzinvestition amortisiert haben. Reine Theorie, denn statt dass die Energiepreise sich wie vorausberechnet um sechs Prozent pro Jahr verteuern sollen, hat Klaucks Heizöl in weniger als einem Jahr schon um 25 Prozent im Preis zugelegt. Wenn er dann im ersten Jahr wirklich gut 2000 Liter Öl eingespart haben sollte, dann hat er schon allein wegen der unerwarteten Ölpreisexplosion fast 500 Euro mehr in der Tasche, als er eigentlich einsparen sollte.

Mit Sonne im Winter heizen

Möglich wird das Einsparpotenzial nicht nur durch die bessere Dämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke, sondern auch durch eine Solaranlage, bei der sich der Soldat nicht mit 4,5 Quadratmetern Kollektorenfläche für kostenlos erhitztes Warmwasser im Sommer zufrieden gibt - stattdessen lässt er sich 27 Quadratmeter Solarthermie aufs perfekt gen Süden ausgerichtete 45-Grad-Dach legen. Damit nutzt er die Solarkollektoren und die Sonnenstrahlen ganzjährig, und ab Herbst muss seine Ölheizung nicht mehr so viel feuern wie sonst, um das 135-Quadratmeter-Haus warm zu bekommen.

Weit ist es nicht mehr bis zum Modellhaus, und Jörg Klauck hat schon die Zielvorstellung, irgendwann "von fossilen Energien ganz weg" zu kommen, beispielsweise mit einer Erdwärmepumpe, wenn seine Heizung einmal veraltet sein wird.

An den Arbeiten beteiligt er sich auch selbst, um einige Euro zu sparen. Aber nicht beim Zusägen, Einbauen und Verkleben der Styropor- und Styrodur-Dämmblöcke und anderen hochtechnischen Angelegenheiten. Seine Eigenleistung beschränkt sich auf einen Teilabbau der Veranda oder beim Ausheben von Gräben für die letzten Dämmarbeiten am Kellersockel seines Hauses. Und die einfachsten Dämmarbeiten an der Kellerdecke will er selbst realisieren - falls er dazu kommt und nicht die Nachbarn jetzt alle von ihm erzählt bekommen wollen, wie man das Thema "Die Energiezukunft meines Hauses" erfolgreich absolviert.