Inflation

Zinsen werden teurer - wie lange noch?

Die Zinsen steigen wieder: Um 0,25 Prozentpunkte hat die Europäische Zentralbank kürzlich den Leitzins auf 1,25 Prozent angehoben. Die Währungshüter wollen dadurch die Inflationsrate stabil halten.

Diese wenn auch geringere Zinserhöhung hat auch Folgen für Anleger - und Baufinanzierer. Die deutschen Verbraucher müssen sich langfristig auf ein steigendes Zinsniveau einstellen, sind sich die Experten einig. Die Leitzinserhöhung dürfte erst der Anfang gewesen sein.

"Die Zinsen waren historisch niedrig", erklärt Volker Hofmann, Volkswirt beim Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Grund dafür waren die internationale Finanzkrise und die tiefe Rezession vor zwei Jahren. Doch inzwischen erholt sich die Wirtschaft. "Wir brauchen eine gewisse Normalisierung des Zinsniveaus", sagt Hofmann. Auf Baukreditkunden wirkt sich das auch aus.

Ausgehen muss man das Kreditthema dabei von der Anlegerseite: Für alle, die ihr Geld auf Tagesgeldkonten anlegen, ist die Zinserhöhung eine gute Nachricht. Zwar gibt es laut Finanzberatung FMH in Frankfurt schon jetzt Angebote einzelner Banken von bis zu 2,81 Prozent für eine Anlage von 10 000 Euro. Der durchschnittliche Zinssatz für Tagesgeldanlagen von 5000 Euro liegt aber noch etwa auf Höhe der erhöhten EZB-Leitzinsen - und damit unterhalb der Inflationsrate von derzeit 2,1 Prozent.

Erst steigen Tagesgeld-Zinsen

Mittelfristig werden auch die Tagesgeld-Zinssätze nach der Leitzinserhöhung steigen, ist FMH-Inhaber Max Herbst überzeugt. Bei einigen Angeboten werde es bald die "Drei vor dem Komma" geben, prognostiziert er. Doch ob und wann - und wenn ja, um wie viel - die Banken ihre Zinssätze anheben werden, ist noch nicht klar. "Das unterliegt der Geschäftspolitik der einzelnen Häuser", sagt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken: "Das ist auch eine Frage des Wettbewerbs."

Hauskäufer müssen mittelfristig tiefer in die Tasche greifen, denn mit den Guthabenzinsen werden auch die Hypothekenzinsen steigen. "Die Kreditzinsen haben seit ihrem Tiefstand im Spätsommer 2010 einen kräftigen Satz nach oben gemacht", sagt Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen in Berlin: "Trotzdem liegen sie immer noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von mehr als sechs Prozent bei Darlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung."

Wer konkrete Pläne hat, sich ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, sei nun gut beraten, diese Gedanken in die Tat umzusetzen. Erste Wahl sind dabei laut einer aktuellen Studie der von der Stiftung Warentest herausgegebenen Zeitschrift "Finanztest" Riester-geförderte Kombikredite der Bausparkassen. "Sie sind derzeit deutlich günstiger als klassische Bankdarlehen", sagt auch Nothaft: "Mit ihnen kann man sich monatliche Raten und Zinsen bis zu 28 Jahre lang sichern."

Allerdings sollten sich die Haus- oder Wohnungsinteressenten nicht unter hohen Kaufvertrags-Abschlussdruck setzen. Die Hypothekenzinsen würden nach der Zinserhöhung nicht sofort stark ansteigen, sagt etwa Herbst. Laut FMH liegt der durchschnittliche Zinssatz für einen Hypothekenkredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 4,22 Prozent. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren müssen im Durchschnitt 3,77 Prozent Zinsen gezahlt werden (siehe Grafik).