Studie

Abriss und Neubau sind oft so teuer wie Sanierung

Mehr als jedes zehnte Wohnhaus in Deutschland ist nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren. Abriss und Neubau sind oft günstiger als Umbau und Modernisierung. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Kampagne "Impulse für den Wohnungsbau" in Berlin vorgestellt hat.

In dem Bündnis sind Verbände der Bau- und Immobilienbranche, Gewerkschaft IG BAU und Deutscher Mieterbund zusammengeschlossen.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, Hans-Hartwig Loewenstein, erläutert: Die Sanierung eines Mietshauses aus den 50er-Jahren liege zwischen 990 und 1475 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. "Für Abriss plus Neubau muss man hingegen nur mit Kosten von 1000 bis 1465 Euro rechnen. "Dann macht Sanieren wenig Sinn", so Loewenstein.

In ihrer Studie bekommt die deutsche Altbausubstanz aber auch ein ordentliches "Energiezeugnis" ausgestellt: Jede sechste Wohnung, die bis Ende der 70er-Jahre gebaut wurde, sei weitgehend saniert; nur vier Prozent der Altbauten seien noch nicht energetisch modernisiert.

Damit seien die Wohnungsbestände besser als ihr Ruf, betont der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen: "In den letzten Jahren wurden in den meisten Beständen bereits wichtige Teilsanierungen vorgenommen." Weitere Energiesparmaßnahmen seien mit viel höherem Aufwand verbunden, der sich allein aus der Energieeinsparung nicht rechne, so BFW-Präsident Walter Rasch.

Neben der energetischen Gebäudesanierung stehen Seniorenwohnungen im Fokus der Kampagne. Bis 2025 brauche Deutschland knapp zwei Millionen altersgerechte Wohnungen - nur ein Bruchteil sei bisher gebaut, sagt Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten. Er warnt vor einer "Grauen Wohnungsnot": "Wir brauchen barrierearme Wohnungen, die es Menschen bis ins hohe Alter ermöglichen, in den eigenen vier Wänden zu leben."

Die Wohnungsbaupolitik der Bundesregierung sei immer auch ein "Sozial-Barometer", sagt der Präsident vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), Stefan Thurn. "Wohnungsbau in Deutschland war immer ein soziales Gut. Wir brauchen - neben seniorengerechten Wohnungen - deutlich mehr kostengünstigen Wohnraum in guter Qualität. Und das insbesondere auch für Singles und junge Familien, damit sie da wohnen können, wo sie wohnen wollen und wegen der Arbeit wohnen müssen", so Thurn.

In Deutschland müssten jährlich rund 250 000 Wohnungen neu gebaut werden, sagt Hans Georg Leuck. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau kritisiert, dass der Wohnungsneubau seit Jahren unter dem tatsächlich nötigen Bedarf liege. Es sei falsch, die KfW-Förderprogramme stark auf das energetische oder altersgerechte Sanieren auszurichten. "Wer abreißt und neu baut, hat die Chance, eine verbesserte Wärmedämmung und Schallschutz sowie eine ideale Raumaufteilung zu bekommen", sagt Leuck.

Die Untersuchung gibt Auskunft über die Bausubstanz von 36,2 Millionen Wohnungen in Ein-/Zweifamilienhäusern sowie kleineren Mehrfamilienhäusern. Kriterien des "Gebäude-Checks" waren insbesondere flexible Grundrisse, Barrierefreiheit und der Energieverbrauch.