Immobilien-Telefon

So funktioniert Wohn-Riester

Thema: Wohn-Riester und Bausparen

Seit einigen Jahren ist das Steuerspar- und Immobilienfinanz-Programm namens "Wohn-Riester" schon am Markt, doch das Wissen um diese staatliche Bauförderung ist immer noch gering. Weil ja auch noch kein Verbraucher endgültige Erfahrungen mit diesem Modell schildern kann, spielte Gudrun Gaebel, Telefonexpertin vom Verband der Privaten Bausparkassen und zertifizierte Vorsorge-Spezialistin bei Wüstenrot, mit einem unsicheren Anrufer das Wohn-Riester-Modell am "Immobilien-Telefon" einmal von Anfang bis Ende durch:

Wenn ich beispielsweise nach zehn Jahren mit Einzahlungen auf einen Wohn-Riester-Bausparvertrag 50 000 Euro für meine Immobilienfinanzierung ausgezahlt bekomme, wie geht das Riester-Modell dann weiter?

Wie bei jedem Bausparvertrag zahlen Sie dann den Bausparkredit zurück - mit einer Rate, die Zinsen und Tilgung enthält.

Bei meinem 50 000-Euro-Kredit ist das welche Ratenhöhe? Und wie hoch ist die Anfangstilgung?

Da müsste meine Beratung schon sehr theoretisch werden, weil wir ja noch gar keinen konkreten Bauspartarif miteinander besprochen haben. Die monatliche Rate würde sich natürlich nicht auf 50 000 Euro beziehen, wie Sie gerade sagten - denn gut 20 000 Euro sind ja schon Ihr angespartes Riester-Kapital, das Sie ins Haus fließen lassen und mit dem Sie die Immobilie entschulden.

Allgemein ist es beim Bausparen so, dass die Ratenhöhe fest liegt; beispielsweise sind es meist 200 bis 500 Euro bei einer Bausparsumme von 50 000 Euro. Darin enthalten ist ein Darlehenszins - egal ob nun 1,6 oder 2,6 oder 3,6 Prozent oder ein anderer Sollzinssatz. Über die Monatsrate ließe sich aber auch reden, falls sich der Kunde für einen flexiblen Bauspartarif entschieden hätte. Zins- und Tilgungsraten von Bausparverträgen liegen zwischen vier und zehn Promille der Bausparsumme.

Gut, nach erfolgreicher Rückzahlung wäre ich dann irgendwann mit dem Bausparkredit fertig - aber nicht mit Riester und der "nachgelagerten" Besteuerung. Wie geht das weiter?

Der normale Riester-Sparer zahlt seine Steuern, indem die im Ruhestand ausgezahlte Riester-Rente seinen Einnahmen hinzugerechnet und davon dann seine Einkommensteuer berechnet wird.

So ähnlich und doch etwas anders ist es beim Wohn-Riester-Bausparkunden - der allerdings nach seinem Rentenbeginn nichts mehr ausbezahlt bekommt, da er das Riester-Geld schon vor Jahren in seine Immobilie fließen lassen durfte. Der Staat geht dann von dem Grundsatz aus, dass der Wohn-Riester-Kunde nicht besser gestellt werden soll als jemand, der seine Riester-Rente dann erst erhält.

Dazu wurde für Wohn-Riester das fiktive "Wohnförderkonto" erfunden, auf dem eine zweiprozentige Verzinsung des geförderten Kapitals ab dem Zeitpunkt der Auszahlung verbucht wird. Wer also mit 35 Jahren Riester-Geld ausgezahlt bekommt, muss später mehr versteuern als einer, der erst mit 55 Jahren die gleiche Höhe an Riester-Kapital in sein Haus steckt.

Aber wie viel an Einkommensteuer das im Einzelnen ausmacht, kann Ihnen heute niemand genau sagen. Außerdem hat ja bis heute noch niemand diesen Fall erlebt. Schließlich gibt es die Riester-Förderung erst seit dem Jahr 2002 und noch niemand dürfte einen Betrag ausgezahlt bekommen und ihn schon wieder komplett zurückgezahlt haben plus außerdem dann auch noch in Rente gegangen sein. Außerdem kommt es dann natürlich vor allem auf den individuellen Steuersatz des Rentners an - eine Rechnung mit (zu) vielen Unbekannten also.

Man soll seine Steuer dann auch auf einen Schlag bezahlen können und bekommt dafür einen Rabatt, habe ich im Internet gelesen.

Ja, eine "Einmalbesteuerung" ist dann möglich. Nur 70 Prozent des Kontostandes vom Wohnförderkonto werden dann in einem Jahr mit dem individuellen Steuersatz belegt. Aber wir haben einmal ausgerechnet, dass sich das für die meisten Wohn-Riester-Kunden kaum lohnen dürfte. Wer stattdessen 20 Jahre lang jeweils Teilbeträge versteuert, kommt deutlich besser weg.

Sollte jemand das Geld für die gesamte Wohn-Riester-Steuerschuld bereits zusammen haben, fährt er aus heutiger Sicht deutlich günstiger, wenn er es anlegt und dann die Steuern Jahr für Jahr zahlt. Das Wohnförderkonto wird im Alter übrigens nicht mehr weiter verzinst.

Wenn ich bei der Bausparkasse den ganzen Kredit abgewickelt habe und mein Riester-Guthaben schon seit Jahrzehnten in der Immobilie steckt - wer wickelt dann Steuerzahlung und Wohnförderkonto am Ende für mich ab?

Die Steuer nach dem Wohnförderkonto wird vom Finanzamt über den Einkommensteuerbescheid erhoben.

Mehr Tipps folgen hier am kommenden Sonnabend

"Wer mit 35 Jahren Riester-Geld ausgezahlt bekommt, muss später mehr versteuern als einer, der erst mit 55 Jahren Riester-Kapital in sein Haus steckt"

Gudrun Gaebel, zertifizierte Bauspar- und Vorsorgeexpertin