Immobilienmarkt

Viel Nachfrage bei modernen City-Wohnungen

Nur ein paar Schritte bis zum Supermarkt. Das Ärztehaus gleich um die Ecke, Boutiquen und Läden auch. Und abends? Da geht es ins Theater. Am Morgen ist es bis ins Büro auch nicht weit. Wenn doch: Bus und Bahn fahren nebenan ab. Ein solches Leben sehen viele Menschen als die Leichtigkeit des Seins schlechthin.

Wohnen in der Stadt wird Trend, prophezeite eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Köln) schon vor vier Jahren. Diese Einschätzung bestätigt sich jetzt immer mehr - auch dank der Attraktivität und Nachfrage bei neuen Stadtwohnungen.

"Viele sehen: Das Leben auf dem Land ist doch nicht so idyllisch, wie es dargestellt wird. Oft ist es unbequem", sagt die Berliner Architektin Johanne Nalbach: "Pendeln zu müssen bedeutet nicht nur, Lebenszeit zu verlieren, Pendeln ist auch ökologisch unsinnig." Liane Remmler, Architektin in Chemnitz und Vizepräsidentin der Architektenkammer Sachsen: "In der Stadt lebt man unmittelbar am Geschehen. Egal, ob zum Arzt, zur Arbeit oder zur Schule: Die Wege sind kurz."

Diese Nähe hat auch ihre Kehrseite: "Wer die Kneipe vor der Tür haben will, muss auch akzeptieren, dass sie sieben Tage in der Woche geöffnet ist", sagt Liane Remmler. Heißt im Klartext: Die Stadt pulsiert - und ist laut.

Garten oder Terrasse

Eigene vier Wände in der Stadt sind ein Kompromiss - zwischen Wohnen, Arbeiten und Freizeitvergnügen. Ein Kompromiss, den viele Menschen liebend gerne eingehen würden. Schade nur, dass in keiner Innenstadt wirklich Platz ist - jedenfalls nicht für so viel attraktiven Wohnraum, wie er gewünscht wird. Wohnraum mit genug Platz zum Leben, Arbeiten, Spielen. Mit einem eigenen Garten zum Entspannen, Grillen, Feiern und Toben.

"Die Nachfrage nach Stadthäusern mit Garten und nach geräumigen Wohnungen mit großzügigen Terrassen ist groß", berichtet Johanne Nalbach. Zwar ziehen immer mehr Firmen auf die grüne Wiese am Stadtrand und machen Platz fürs Wohnen in der Stadt. Der Bedarf wird damit aber nicht gedeckt. Und so bekommen den umworbenen Wohnraum eben diejenigen, die ihn bezahlen können. Es sind die Angehörigen der gehobenen Mittelschicht, die "immer weitere Teile der Innenstadt besetzen und damit einen allgemeinen Imagewandel des Innenstadtwohnens" einleiten, so das Deutsche Institut für Urbanistik.

Zu den Menschen, die die Stadt wollen, gehören auch immer mehr Senioren. Acht Prozent der über 50-Jährigen wollen in belebter Innenstadtlage in Großstädten leben, ergab eine Umfrage der Landesbausparkassen - oft sind das Menschen mit höheren Einkommen oder Vermögen.

Nach Umfrage des Immobilienportals Immowelt sind es 36 Prozent der 51- bis 65-Jährigen, die derzeit noch auf dem Land wohnen, für die Großstadt bereit. Besonders reizen sie die Einkaufsmöglichkeiten und das kulturelle Angebot. Konkrete Umzugsvorbereitungen träfen allerdings nur fünf Prozent - weil sie in der Großstadt einen neuen Job gefunden haben. Für die meisten "Best Ager" mit Umzugsplänen hingegen rückt der Großstadt-Umzug erst in ein paar Jahre näher - wenn ihr Arbeitsleben abgeschlossen ist und die Stadt neben Zerstreuung auch bessere Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten für das Alter bietet.

Bei den 51- bis 65-Jährigen, die bereits in der Großstadt leben, punktet ihr Wohnort vor allem wegen der Einkaufsmöglichkeiten, sagen 86 Prozent. Auch Museen, Theater und Kinos tragen zur Zufriedenheit bei: 76 Prozent der "Stadtälteren" schätzen die kulturellen Angebote und das Nachtleben der City. Ein spätes Studium an der Uni lockt immerhin 28 Prozent der Befragten.

"Immer mehr Ältere empfinden ihr Eigenheim als unbequem und verkaufen es - zugunsten einer Immobilie in der Stadt", berichtet Boris Grießhaber, Vertriebsleiter beim Projektmanagement Robiné (Düsseldorf), das Premium-Immobilien baut und vermarktet: Viele seien auch im hohen Alter fit - und reiselustig: "Sie leben nach dem Motto: Türe zu, Koffer packen, weg." Und dazu benötigen sie ein bequemes Domizil mit guter Infrastruktur, dass wenig Pflegeaufwand benötigt: etwa weil Balkon oder Terrasse kleiner sind als ein Garten.

Single gegen Senior

"Außerdem steigert auch die hohe Scheidungsquote den Wohnbedarf in Städten." Diese Erfahrung hat Dieter Munk von der "Premium-Immobilienvermittlung" Fellowhome (Sitz Berlin/Stuttgart) gemacht: "So beobachten wir vor Ort immer öfter, dass der 50-Jährige mit jungen Singles um die zentrale Zwei-Zimmer-Wohnung konkurriert.

Auch Familien träumen vom Stadtleben. Doch leisten können sie sich den Traum oft nicht, wenn die Eltern keine Doppel-Verdiener sind. "Für Familien gibt es zu wenig attraktive und bezahlbare Angebote", meint Andreas Schick, Pressesprecher des Maklerverbandes IVD (Berlin): "Käufer, die an den Stadtrand ziehen, sind gehinderte City-Käufer."