Immobilienkauf

Traumhaus ohne Trauschein

Viele Paare träumen vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung - ob gekauft oder selbst gebaut. Doch diese eigenen vier Wände müssen auch finanziert werden. Paare ohne Trauschein sollten dabei klare Vorkehrungen treffen.

Denn das Haus und all seine Folgefragen von Grundbuch bis Hypothekendarlehen stehen noch da, auch wenn die Beziehung längst in die Brüche gegangen ist.

Aber Bauen ist auch Belastung: Was passiert, wenn beide "Bauherr" sind und eine andere Meinung zur Baufirma haben? Wenn ein Partner Ankündigungen des Bauleiters auf der Baustelle als ernst zu nehmendes Versprechen ansieht, während der stets kritisch denkende Partner dies eher für Versprecher hält und sich nur auf schriftliche Äußerungen verlassen will? Die gesamte Bauphase ist für die meisten Menschen extrem belastend. "Entweder er hat eine Neue oder sie hat einen Neuen - oder die beiden haben gebaut", ist nicht umsonst eine Standardaussage von Partnerschafts-Psychologen.

Schon bei der Frage, welche Summe man für Hausbau oder -kauf benötigt und ob man sich das Traumhaus überhaupt leisten kann, sollten Paare offen miteinander reden. Und dazu gehört auch die Klärung, wie beide die Finanzierung sichern können, falls einer der Partner arbeitslos wird oder wegen der Kindererziehung ausfällt. Denn Darlehensnehmer haften gesamtschuldnerisch. "Beim Ausfall eines Zahlers kann der Partner in finanzielle Bedrängnis geraten", warnt John Semler vom Bundesverband der Immobilienfinanzierer in Hamburg.

Nebenkosten nicht vergessen

"Zunächst einmal sollten Bau- und Kaufwillige sich Klarheit darüber verschaffen, wie viel eigenes Geld sie schon angespart haben und wie hoch die Kreditsumme ist", erklärt Alexander Wiech, Sprecher des Eigentümerverbandes Haus & Grund (Berlin). In die Berechnung sollte die Summe einfließen, die die Paare monatlich für die Baufinanzierung zur Verfügung haben. "Anhaltspunkt hierfür kann ihre heutige Kaltmiete zuzüglich weiterer, nicht für die Lebensführung oder den Konsum benötigtes Einkommen sein."

Daneben sollten Kaufwillige die Nebenkosten beim Immobilienkauf nicht vergessen. Dazu gehören Maklerkosten von bis zu sieben Prozent, die Grunderwerbsteuer von 4,5 oder fünf Prozent in Berlin und Brandenburg, weiterhin Kosten für die Grundbuchumschreibung sowie Notarkosten für die Beurkundung der Kaufverträge. "Das macht schnell mehr als zehn Prozent des Preises einer Immobilie aus", warnt Wiech.

Besonders wichtig für Paare ohne Trauschein ist, bei der Finanzierung schriftlich festzuhalten, wer welches Geld in den Bau oder Kauf des gemeinsamen Hauses einbringt. Dabei müssen die Partner sich nicht zwingend die monatliche Rate für die Abbezahlung des Kredits teilen. Sie könnten es auch so regeln, dass der eine Partner Eigenkapital einbringt und der andere allein die Tilgung stemmt. "Das sollte man aber, solange man sich noch verträgt, vertraglich festhalten", rät Dirk Scobel (Verbraucherzentrale Hamburg).

Beteiligen sich beide Partner finanziell an der Immobilie, dann sollten die Partner "gemeinsam in das Grundbuch eingetragen werden, damit beide auch das hälftige Eigentum an der Immobilie erwerben", empfiehlt Wiech. Zahlt ein Partner die Zins- und Tilgungsleistungen, wird aber nicht Eigentümer der Immobilie, sollte er ein Rückforderungsrecht bei einer möglichen Trennung vertraglich vereinbaren, rät die Bundesnotarkammer.

Denn auch an eine mögliche Trennung sollten unverheiratete Paare beim Hausbau denken. Auch wenn die Welt gerade rosig aussieht, wenn man sich für ein gemeinsames Haus oder eine große Eigentumswohnung entscheidet, kann sich dies rasch ändern. Paare sollten daher schriftlich festhalten, wer das Haus im Falle einer Trennung bekommt und wer ausbezahlt wird, rät Scobel. Um sich abzusichern, können unverheiratete Paare auch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gründen, heißt es bei der Bundesnotarkammer. "Gesellschaftszweck" wäre dann der gemeinsame Erwerb einer Immobilie.

Und auch wenn beim Hausbau kein Partner gerne an den möglichen Tod des Lebensgefährten denken mag, so sollten sich Paare ohne Trauschein darüber Gedanken machen. "Denn ledige Partner sind nicht erbberechtigt, anders als dies bei Ehegatten der Fall ist", warnt Wiech. Folglich erben die Verwandten des Partners. Daher sollten beide Partner jeweils ein Testament abfassen, das die Vermögensnachfolge regelt.

Wer den Überlebenden im Todesfall auch finanziell absichern möchte, sollte laut Semler eine Risikolebensversicherung abschließen. Die kann auch mit einer fallenden Versicherungssumme abgeschlossen werden: "Man kann die Höhe der versicherten Summe dann ganz einfach an die zu tilgende Restschuld des jeweiligen Partners anpassen."