Immobilien-Telefon

Nichts eingezahlt, aber 700 Euro Zulage

| Lesedauer: 6 Minuten

Thema: Wohn-Riester und Bausparen

Die Riester-Förderung ist auch für Menschen ohne Einkommen lukrativ, wenn sie "mittelbar Zulageberechtigte" sind. Man muss keinen Cent einzahlen, bekommt aber reichlich Zulage für sich und die Kinder. Auch dazu wurde Gudrun Gaebel im "Immobilien-Telefon" mit dem Verband der privaten Bausparkassen gefragt. Hier die Antworten der Wüstenrot-Finanzierungsexpertin:

Mein Ehepartner ist bei uns der unmittelbar Riester-Berechtigte, ich hänge mit meinem Vertrag nur mittelbar "hintendran". Auf meinem Riester-Konto landen jedes Jahr meine Zahlung von 60 Euro sowie Zulagen für mich (154 Euro) und meine drei Kinder (je 185 Euro). Ist es im Riester-Recht erlaubt, mich unabhängig zu machen, meinen Banksparvertrag zu kündigen und allein einen Wohn-Riester-Bausparvertrag abzuschließen?

Ja - falls Sie "nicht dauernd vom Partner getrennt" leben.

Sie dürfen übrigens nebeneinander auch zwei Riester-Verträge fördern lassen, natürlich nur bis zur Förderobergrenze. Sie könnten also Ihren Mindesteigenbeitrag splitten und in zwei Verträge je 30 Euro einzahlen, um dann jeweils halbe Zulagen für sich (72 Euro) und die Kinder (92,50 Euro - 150 Euro bei Geburt ab 2008) auf beide Verträge zu erhalten.

Ihren alten Vertrag würde ich aber nicht kündigen, sondern stehen lassen. "Beitragsfrei stellen" kann man Verträge jederzeit ohne Fristen und ohne Begründung- oder die Beiträge senken.

Wohn-Riester- und Riester-Renten-Vertrag sind von der Art und Weise der Besparung her flexibel. Das hat der Gesetzgeber so eingerichtet, damit die Altersvorsorge nicht aufgelöst wird, wenn jemand mal in Geldnot ist.

Bei Kündigungen aber gehen alle Zulagen verloren, erhaltene Steuervorteile werden zurückgezahlt. Auch können je nach Institut und Vertragsform Kündigungsabzüge anfallen.

Ich würde dann schon lieber alles nur auf den neuen, den Wohn-Riester-Vertrag einzahlen, also alle Zulagen und meine Mindesteinzahlung.

Letztere müssten Sie übrigens auch gar nicht zahlen, das ist eine Sicherheitsabbuchung Ihres Riester-Anbieters.

Denn: Wenn für Ihr jüngstes Kind die höhere Zulage gezahlt wird, es also 2008 oder später geboren ist, dann sollten Sie bei Ihren Zulageanträgen eins beachten. Sie waren zuletzt nicht "mittelbar zulageberechtigt", sondern "unmittelbar" - für die drei Jahre, die Ihnen als Kindererziehungszeit anzurechnen sind. Dabei zählt immer das ganze Jahr, selbst wenn Ihr Kind am 1. Januar Geburtstag haben sollte - für Ihr jüngstes Kind also 2008, 09 und 10.

Was ändert sich damit für mich?

In der Sache eigentlich gar nichts. Ist von beiden Ehegatten nur einer unmittelbar zulageberechtigt, so ist für die Förderung beider Personen nur wichtig, dass der unmittelbar zulageberechtigte Ehepartner seine Eigenbeiträge in seinen Riester-Vertrag einzahlt. Erhält er dann die volle (oder vielleicht eine gekürzte) Zulage, so bekommt sein mittelbar förderfähiger Ehepartner für seinen Vertrag gleich viel Förderung, also auch die volle (oder eben nur eine gekürzte) Zulage. Und das gilt auch für die Kinderzulage(n).

Diese Detail ist nicht ganz unwichtig: Durch Kindererziehungszeiten ändert sich der Status der vorher nur mittelbar berechtigten Ehefrau plötzlich zu "unmittelbar berechtigt". Als mittelbar Zulageberechtigte müsste sie gar keinen Euro einzahlen, wenn ihr Mann in seinen Vertrag korrekt einzahlt. Doch als nun unmittelbar Zulageberechtigte muss sie den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro im Jahr erfüllen - dann erweist es sich als vorausschauend, dass Bausparkasse, Bank oder Versicherer zur Sicherheit immer 60 Euro abbuchen. Denn nur so bleiben die Zulagen des jeweiligen Jahres erhalten. Es gibt Fälle, in denen die Zentrale Zulagestelle bei solch einer plötzlichen Änderung später die Zulagen wieder abbucht.

Hört sich ziemlich kompliziert an.

Ist es auch. Aber man muss dies nun einmal beachten, wenn man die Förderung bekommen will.

Deshalb, auch zur Information für andere Leser: "Unmittelbar Zulageberechtigter" wird man als rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer, als Selbstständiger, der beispielsweise als Kunstschaffender oder Journalist per Künstlersozialkasse versichert ist, oder als Pflichtversicherter laut Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte - aber eben auch als geringfügig Beschäftigter, der auf seine Rentenversicherungsfreiheit verzichtet und den Beitrag des Arbeitgebers (pauschal 15 Prozent) selbst um 4,9 Prozent auf den vollen Rentenversicherungs-Beitrag aufstockt.

Ebenfalls "unmittelbar berechtigt" sind die Bezieher von Kranken-, Verletzten-, Versorgungskranken-, Übergangs- oder Arbeitslosengeld, wenn sie im letzten Jahr vor Beginn der Leistung versicherungspflichtig waren. Aber auch nicht erwerbstätige Mitbürger, die Angehörige in ihrem Haushalt pflegen. Ferner derjenige, der Vorruhestandsgeld bezieht, wenn er vorher versicherungspflichtig war, und zudem vollständig erwerbsgeminderte oder dienstunfähige Menschen. In die Gruppe der "unmittelbar Berechtigten" gehören auch Beamte, Richter und Soldaten und "Gleichgestellte", die in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungsfrei oder von der Versicherungspflicht befreit sind, weil ihnen eine beamtenrechtliche oder beamtenähnliche Versorgung gewährleistet wird.

Gar nicht zulagenberechtigt sind Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig sind, und Pflichtversicherte, die schon in berufsständischen Versorgungseinrichtungen abgesichert sind (z.B. Apotheker, Ärzte, Architekten). Sie dürfen Riester-Verträge abschließen, bekommen aber keine Förderung, da ihre Sonderversorgung bei der späteren Rente bevorzugt wird - sie müssen keine Rentenlücken mit Riester-Verträgen füllen.

Auch Altersrentner und Studenten dürfen nicht mehr riestern. Allerdings wird dies für einen Studenten doch möglich, wenn er ein x-beliebiges sozialversicherungspflichtiges Einkommen erzielt hat - egal wie lange er arbeitet.

Mehr Tipps folgen hier am kommenden Sonnabend

Jeder darf nebeneinander auch zwei Riester-Verträge fördern lassen

Gudrun Gaebel, Bauspar- und Vorsorge-Expertin

( tr )