Einrichtung

Neue Möbel für das Wohnzimmer im Freien

| Lesedauer: 4 Minuten
Stephanie Hoenig

Die Terrassentür auf und raus aus dem Winter-Mief: Der Sommer kommt und damit die langen Stunden im Garten oder auf dem Balkon. Dort soll es genauso gemütlich sein wie drinnen. Die Hersteller stellen daher vermehrt einst klassische Wohnzimmer-Möbel einfach nach draußen.

Ob für das Frühstück im Freien, das Sonnenbad oder das Genießen der letzten Sonnenstrahlen am Abend: Wie immer kann derjenige den größten Komfort bekommen, der viel Platz hat. Denn viele Hersteller bieten opulente Sofas, breite Liegen und Lounge-Möbel für draußen an.

"Der Trend geht zum Wohnzimmer im Freien - egal bei welcher Witterung", sagt die Trendexpertin Henriette Preiß von Veranstalter Kölnmesse. Garten, Balkon und Terrasse werden nach ihren Erkenntnissen mit immer hochwertigeren Möbeln ausgestattet. "Diese Modelle lassen sich dank innovativer Hightech-Materialien dort auch ganzjährig nutzen", sagt Preiß.

Um selbst bei durchwachsenem Wetter draußen relaxen oder feiern zu können, hat die Branche diese Möbel wetterfest gemacht. Die Gewebe sind laut Preiß wasserabweisend, schimmelresistent und außerdem noch leicht zu reinigen. Daneben gibt es Extras für Hundstage im Frühling: So zeigten Hersteller auf der Gartenmesse Spoga+Gafa in Köln zum Beispiel einen Tisch mit Heizung im Standbein.

Wie die Möbel im Haus werden auch Gartenmöbel gemäß dem Motto "Zurück zur Natürlichkeit" von den Herstellern absichtlich mit Gebrauchsspuren, Unebenheiten oder auch Rissen versehen, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef.

Angesagter Gebraucht-Look

Laut Trendanalysen der Kölnmesse dominieren Weiß sowie eine Vielzahl an Beige- und Brauntönen die Farbpalette der Möbel. Akzente würden jeweils Kissen, Kerzen und Leuchten setzen. Aber auch die Natur liefert einen Kontrast: Der Hersteller Gloster etwa zeigt vor grünem Gras eine weiße Couch und das Unternehmen Solpuri dunkle Flechtsessel am blauen Wasser.

Das Spiel der Designer mit Gegensätzlichem zeigt sich auch in einem Mix der Materialien. Gefragt seien Kombination aus Edelstahl, Holz und Textilien, sagt Geismann. Der Hersteller Weishäupl kombiniert weiß lackiertes Metall und Holz für eine Sitzecke mit Stühlen. In Liegen und Stühlen finde man oft sogar einen Dreifach-Mix, der mit einem Glastisch als Beisteller vervollständigt werde.

Weiterhin beliebt sind Geflechtmöbel aus Naturmaterialien wie Rattan oder aus Kunststoff. Neu sind hier Kombinationen von zwei oder drei Farben sowie Lackierungen in schimmernden Metallictönen wie Bronze und Kupfer. Angesagt sollen jetzt auch Gartenmöbel mit Aluminiumrahmen und straff gebundenen Auflagen aus gewebten Gurten sein. Die Gurte bilden mit dem Gestell "eine harmonische Gesamteinheit", sagt Geismann. Daneben setzen Hersteller auch auf traditionelle Stücke, denen sie eine moderne Optik verpasst haben. Ein Beispiel hierfür ist Kettlers Biergarten-Garnitur in modernem Lounge-Design.

Selbst auf kleinstem Raum wollten Freiluftfanatiker den größtmöglichen Komfort haben, sagt Preiß: "Schöne, teure Möbel gehören heute auch zur Grundausstattung eines Balkons." Grund dafür sei die wachsende Zahl gut verdienender Verbraucher, die in einer Wohnung und nicht in einem Haus wohnen. Für sie kreierten die Unternehmen designorientierte Gestaltungskonzepte, die den begrenzten Platz eines Balkons nutzen.

Bistrotisch für den Balkon

"Bei großen Gärten kann man Möbel in nahezu beliebiger Menge und Größe kaufen. Bei engen Balkonen oder kleinen Terrassen aber muss vorab der Stellplatz berechnet werden", rät Möbelexpertin Doris Haselmann, die für die Stiftung Warentest ein Buch über Möbelkauf geschrieben hat. Für jeden Stuhl sollte man eine Stellfläche von 50 mal 65 Zentimetern plus 20 bis 30 Zentimeter fürs Wegschieben des Stuhls beim Aufstehen einplanen. Auch für Stühle an einem Tisch sollte man 20 Zentimeter Bewegungsfreiheit nach hinten bedenken.

Wer abends nur für ein Glas Wein oder für den Morgenkaffee auf dem Balkon sitzen will, dem könne auch ein kleiner Bistrotisch reichen. Wer aber hier richtig essen will, sollte einen Tisch mit mindestens einem Meter Durchmesser einplanen.

Neben der guten Planung rät Haselmann beim Kauf auch auf die Stabilität der Möbel zu achten: "Nicht alles, was gut aussieht, muss von guter Qualität sein." Denn manche Kunststoff-Rückenlehne biege sich beim Sitzen nach hinten durch, oder Armlehnen ließen sich zur Seite wegdrücken. Im schlimmsten Fall würden sogar Tisch- und Stuhlbeine bei Belastung nachgeben. Geachtet werden sollte etwa auf das GS-Sicherheitszeichen, das auf Standsicherheit, Stabilität, Tragfähigkeit und mögliche Klemmstellen geprüfte Möbel kennzeichnet.