Holzhäuser

Vom Blockhaus zum Hightech-Modell

Wer an Holzhäuser denkt, hat meist ein typisches Bild vor Augen: "Die Leute sehen in erster Linie das schnuckelige rote Schwedenhaus", sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Aber was heute als Holzhaus errichtet wird, ähnelt oft kaum noch den romantisch verklärten skandinavischen Blockhäusern.

Die Konstruktion hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert, und auch bei der Gestaltung haben Architekten heute deutlich mehr Freiheiten.

Hintergrund neuer Konstruktionsverfahren sind die strengeren Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009), erläutert Angelika Rösner, Diplom-Ingenieurin und Holzbau-Sachverständige im VPB. Neubauten müssen aus Wärmeschutzgründen luftdicht sein. "Es ist daher eine raumseitige Luftdichtschicht nötig", erläutert die Expertin. Man sehe zwar von außen noch oft die Holzbohlen oder -bretter. Dahinter aber steckten oft mehrere Dämmungen.

Errichtet werden Holzhäuser entweder in der sogenannten Blockbohlen- oder in der Ständerbauweise, erläutert Rösner. Bei der ersten Variante bestehen die Wände aus übereinanderliegenden Bohlen.

Bei der zweiten werden - ähnlich wie bei einem Fachwerkhaus - in regelmäßigen Abständen senkrechte Ständer aus stabilem Holz aufgestellt und die Zwischenräume dann mit Dämmmaterial ausgefüllt.

Im Fertigbau erprobt

Schließlich kann ein Holzhaus auch als Fertighaus errichtet werden, bei dem ganze Bauteile - etwa Wände oder Decken - im Herstellerwerk vorgefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Die beschriebene Ständerbauweise ist bei vielen Fertighausherstellern seit Jahrzehnten erprobte Bautechnik.

Ein Fertighaus hat laut Rösner den Vorteil, dass sich die Bauteile sehr präzise anfertigen lassen. Und vor allem ist es schnell errichtet: "Das steht an einem Tag", sagt die Sachverständige. Allerdings dauern die Vorbereitungen doch etwas länger. Denn auf der Baustelle muss zunächst die Bodenplatte oder auch der Keller hergestellt sein. Und diese Betonarbeiten muss der Bauherr in manchen Fällen separat in Auftrag geben, da sie bei manchen Holzhausherstellern nicht Bestandteil des Bauvertrages sind. Das allerdings schafft eine Gefahrenquelle für den Bauherrn, wenn die Bodenarbeiten nicht zur Zufriedenheit des Holzhausbauers ausgefallen sind.

Nach Angaben des Deutschen Massivholz- und Blockhausverbands (DMBV, München) erfüllen aber auch Blockhäuser die strengen Vorgaben der EnEV. Erreicht wird dies bei einschaligen Wänden durch eine entsprechende Wandstärke: Mindestens 20 Zentimeter dick müssen die Blockbohlen sein. Konstruktionen mit Zusatzdämmung oder zweischalige Wände mit Kerndämmung dazwischen brächten so hohe Wärmedämmwerte, dass diese Holzhäuser sogar als Energieeffizienzhäuser gelten.

Laut Verband stehen Holzhäuser nach wie vor für ein "Wohlfühlklima": Der organische Baustoff Holz besitze die Fähigkeit, Wasser in der Zellstruktur zu puffern und so das Raumklima angenehm zu regulieren. Außerdem biete Holz eine angenehme Oberflächentemperatur. Ein weiterer Vorteil von Holzfertighäusern besteht laut Deutschen Holzfertigbau-Verband (DHV, Stuttgart) in der "trockenen Bauweise": Während Bauherren, die ihren Neubau in Massivbauweise errichten lassen, oft noch längere Zeit mit Baufeuchte zu kämpfen haben, heiße es beim Holzfertighaus: "Haus bauen, einziehen und sofort gesund wohnen".

Außerdem trägt das Bauen mit Holz zum Klimaschutz bei. Denn Bäume binden während ihres Wachstums die dreifache Menge an Kohlendioxid, die bei ihrer späteren Verarbeitung zum Baustoff freigesetzt wird. Damit hat Holz laut DMBV "als einziger unter den gängigen Baustoffen eine positive CO2-Bilanz".

Bei der Wärmedämmung hält auch Angelika Rösner Holzhäuser in der Ständerbauweise für eine gute Sache. Allerdings sollten Bauherren bedenken, dass Holzhäuser Wärme schlechter speichern als Massivbauten. Auch der Schallschutz sei weniger gut. Das kann zum Problem werden, wenn das Haus in lärmbelasteten Gegenden entsteht.

Viele Fehler bei Luftdichtheit

Ein weiterer Nachteil, den Rösner bei ihrer Arbeit als Sachverständige immer wieder feststellt: "Es schleichen sich mehr Fehler ein." Holzhäuser wirklich luftdicht zu errichten, "geht am häufigsten schief".

Der Holzschutz selbst bereitet hingegen weniger Sorgen. Imprägnierung schützt vor Schädlingen und Pilzen. Und schräge Oberflächen, Dachüberstände oder eine Bodenschwelle schützen vor Regen. Denn Wasserschäden sollten Holzhausbesitzer vermeiden, weil die Sanierung schwierig ist, sagt Johannes Kottjé, Architekt, Sachverständiger und Architekturpublizist, der mehrere Bücher über Holzhäuser veröffentlicht hat: "Man sollte daher kein Holzhaus in Gegenden stellen, in denen man mit Überflutungen rechnen muss."

Früher mussten Holzhaus-Bauherren oft zwischen wenigen vorgegebenen Haustypen wählen. Heute aber schaffen die modernen Fertigungsverfahren ihnen und den Architekten größere Freiräume, sagt Kottjé. Der Trend gehe zu Standardhäusern, die nach eigenen Vorstellungen abgewandelt werden.