Pflanzen

Tipps für den eigenen Hexengarten

Wer in alten Pflanzenbüchern stöbert, stößt auf eigenartige Begriffe. Springwurzel, Milchdieb, Teufelskirsche, Teufelskappe und Hexenmilch - das sind Zauberpflanzen, die angeblich Macht über Mensch und Tier verliehen.

Die im Mittelalter geschürten Ängste vor unheimlichen Kräften spiegeln sich noch heute in Pflanzennamen wider. Dabei waren es in Wahrheit erfahrene Heilerinnen und Kräuterfrauen, die ihr Wissen aus jahrhundertealter Überlieferung schöpften. Sie kannten die gesundmachenden Pflanzen, die wahren Hexenkräuter, aber auch die gefährlichen, die Teufelskräuter, und wussten mit ihnen umzugehen.

Zum Heilen mit den Kräutern gehörten magische Rituale und Beschwörungen. Der Trank für den Herzkranken wirkte noch einmal so gut, wenn er wusste, dass die Kräuterfrau Melisse, Herzgespann und Fingerhut bei Sonnenaufgang oder Vollmond gesammelt hatte.

Wer bei Geburt, Krankheit und Tod den Menschen beistand, der wurde auch in Liebes- und Lebensfragen zu Rate gezogen. Petersilie, Safran, Rosmarin und Thymian ins Essen gemischt galten als Liebesstimulans.

Drastischer wirkten Mittel in denen berauschende Drogen wie Bilsenkraut oder Stechapfel eine Rolle spielten. Sie stimulierten sexuelles Begehren oder betäubten gar ein Opfer.

All ihr Wissen verlieh den Hexen Stärke und Unabhängigkeit, erzeugte aber auch Neid und Missgunst. Mit sogenannten Springwurzeln - den Wurzeln der Wolfsmilch - drangen sie durch alle Schlösser, sagte man.

Giftige Tollkirschen

Sie schickten den Milchdieb auf die Weiden, der die Milch der Kühe versiegen ließ. Der kleine Halbschmarotzer lässt Wiesen tatsächlich verarmen.

Gruselige Neugier riefen die giftigen Hexenkräuter hervor, mit denen die Frauen sich in Trance versetzten, um in die Welt der Geister zu blicken. Für ihre "Grenz-Erfahrungen" nutzten die Hexen Tollkirschen, auch Schlafbeeren oder Teufelskirschen genannt, Bilsenkraut und Stechapfel. Auch Mohnsaft, Hundspetersilie und Vierzeilige Wolfsmilch mit ihrem Milchsaft ("Hexenmilch") wurden darunter gerührt.

Auch über Beimischungen von Eisenhut wird berichtet. Namen wie Teufelskappe oder Wolfsgift deuten seine Gefährlichkeit an. Unter ihrer Wirkung entstanden Halluzinationen von Exzessen, Visionen von Geistern und Dämonen, von Flügen durch die Lüfte - die magischen und heilenden Kräfte der Hexen wurden ins Dämonische verzerrt.

Mit Pflanzen, die Hexen entlarven, oder - noch besser - sie und ihren Zauber bannen, versuchte man sich vor ihnen zu schützen. Begehrt waren Berufkräuter, die dem Verzaubern, dem Berufen, entgegenwirkten. Die Feinstrahlaster galt als eines der wirksamsten und heißt bis heute in manchen Gegenden Berufkraut. Der starke Geruch des Knoblauchs und die stacheligen Blätter der Kratzdistel lösten ebenfalls den bösen Bann.

Wer Johanniskraut bei sich trug, kam gar nicht erst in Gefahr beschrieen zu werden. Die Namen Teufelsflucht und Jageteufel erläutern seine Wirkung. Andere setzten auf "Baldrian, Dost und Dill", denn dann "kann die Hex nicht wie die will".