Heimtiere

Kaninchen entzweit Hauseigentümer

Manche können nicht ohne sie, andere können sie definitiv nicht leiden: Diese Aussage passt auf Hausmusik, Gartenpartys oder Dekoration im Treppenhaus - aber ganz besonders umstritten sind in Mietshäusern und Eigentumswohnanlagen jene Mitbewohner, die keine Miete zahlen und die manchmal bellen, miauen, beißen oder eben riechen, wie ein Haustier riecht.

Deutsche Zivilrichter kennen Aktenberge voller Urteile über Vierbeiner in der Wohnung.

Kleines Hoppelgehege

Wer sich ein Grundstück mit einer Eigentümergemeinschaft teilt, kann nicht schalten und walten, wie er will. Sobald dort die Haltung von Haustieren andere belästigt, wird sie schnell untersagt. In einem Fall, der bis vors Oberlandesgericht Köln (Az. 16 Wx 58/05) ausgetragen wurde, mussten sich nach LBS-Auskunft einige Richter damit befassen, ob ein Kaninchengehege im Garten noch als genehmigungsfreies Privatvergnügen zählt oder nicht.

Eine Familie hatte in einer Eigentumsanlage einen kleinen Gartenanteil. Dorthin stellte sie ein Sechs-Quadratmeter-Gehege für vier Kaninchen - zur Freude der Kinder, zum Ärger der übrigen Eigentümer. Die verwiesen darauf, dass ein Maschendrahtgehege mit Holzverkleidung eine "bauliche Veränderung" darstelle, die nur mit Zustimmung der gesamten Gemeinschaft möglich sei. Deshalb müsse unverzüglich alles wieder abgebaut werden. Die Tierfreunde entgegneten, ihr Eigenbau befinde sich doch im Spielbereich des Gartens (neben Sandkasten und Schaukel) und falle angesichts des großen Grundstücks kaum ins Gewicht.

Grundsätzlich müsse man dort schon von einer baulichen Veränderung ausgehen, meinten die Richter. Sie ordneten aber trotzdem keine Beseitigung des "Schwarzbaus" an, denn das Gehege füge sich gut in die Umgebung ein. Angesichts des 600 Quadratmeter großen Anwesens werde der beherrschende Eindruck eines Ziergartens nicht beeinträchtigt. Auch die Haltung der Tiere selbst bringe für die Nachbarn keinerlei Nachteile, denn von ihnen gehe weder eine Geräusch- noch eine Geruchsbelästigung aus. Soweit die Tiere Gras innerhalb des Geheges abfressen, so die Richter, "kann diese kleine Gartenfläche ohne weiteres durch eine Nachsaat wiederhergestellt werden".

Hund ohne Genehmigung

Mieter brauchen die Erlaubnis ihres Vermieters, wenn sie Hunde oder Katzen in ihrer Wohnung halten wollen. Das gilt auch dann, wenn andere Mieter im Haus bereits einen Hund haben. Darauf weist der Deutsche Mieterbund in Berlin hin. Enthält der Mietvertrag keine Regelung zur Tierhaltung, sollte der Vermieter trotzdem immer um Erlaubnis gefragt werden. Das gelte insbesondere für exotische Tiere, aber auch für Hund oder Katze. Nur Kleintiere wie Vögel, Hamster oder Schildkröten dürften hingegen auch ohne Erlaubnis in der Wohnung gehalten werden, lautet dazu ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. VIII ZR 340/06).

Bellen ist artgerecht

Immer wenn von dem tierischen Hausgenossen Beeinträchtigungen ausgehen, kann selbst nachträglich noch ein Haustier-Verbot verhängt werden. Wer eine ausdrückliche Erlaubnis zur Tierhaltung im Mietvertrag verankert hat, kann dies widerrufen, wenn etwa ein Hund andere Mieter belästigt, entschied das Amtsgericht Hamburg-Altona (Az. 316a C 97/89) einen Streitfall.

Ein gelegentlich zu hörendes Bellen reicht als Belästigung aber noch nicht aus, um eine Tierhaltungserlaubnis einfach zu widerrufen. Schlägt der Hund bei einem Besucher im Treppenhaus kurz an oder begrüßt er Angehörige stürmisch, so handelt es sich um artgerechtes Verhalten, urteilte einmal das Amtsgericht Hamburg-Wandsbek (Az. 716c C 114/90). Ebenso artgerecht sei aber auch ein etwas längeres Bellen, wenn sich fremde Personen der Wohnung oder dem Hund nähern. Und alles, was artgerecht, habe ein Vermieter mit seiner Tierhaltungs-Erlaubnis akzeptiert, so das Gericht.

Erst wenn der Hund am Tag und in der Nacht stundenlang in der Wohnung bellt, kann ein Vermieter verlangen, dass der Hund abgeschafft wird, und den Mieter dazu abmahnen, entschied das Amtsgericht Bremen (Az. 7 C 240/05).