Interview

Neue Reihenhäuser sind besonders gefragt

Über einen Berliner Immobilienmarkt im Aufwind, weit gehend stabile Preise und ein paar Bodenpreis-Gewinner freut sich der Vorsitzende des Berliner Gutachterausschusses für Grundstückswerte, Reiner Rössler: Die Bodenrichtwerte für den Bewertungstermin 1. Januar 2011 stehen fest, für kauf- oder verkaufswillige Berliner Bauherren hat der Experte gute Nachrichten.

Berliner Morgenpost: Bei Recherchen in Ihrer Kaufpreissammlung verblüfft der Trend für Lichtenberg. Haben Sie eine Erklärung, Herr Rössler?

Reiner Rössler: Auch der Gutachterausschuss hat bei seinen Beratungen über die Bodenrichtwerte dort steigende Tendenzen festgestellt. Sicher wirkt Ihre Lichtenberger Zahl sehr hoch, aber tatsächlich: Bei den Bodenrichtwertzonen steht ein Lichtenberger Bereich ganz oben. Im Bereich "Karlshorst-Römerweg" haben wir einen Bodenrichtwert wegen positiver Entwicklung um 15 Prozent höher angesetzt.

Reiner Rössler: Im Unterschied zu Ihrer Recherche differenziert der Gutachterausschuss kleinteiliger und bereinigt Kaufpreise um ihre jeweiligen individuellen Besonderheiten. Unsere Experten beraten Bodenrichtwerte als gebietstypische Durchschnittswerte auch für Gebiete, in denen kein einziger Bauplatz verkauft wurde.

Berliner Morgenpost: Aber wie kann ein Bereich so unterbewertet sein?

Reiner Rössler: Ganz einfach - und das würde auch erklären, warum Sie fürs Vorjahr einen ziemlich niedrigen Bauland-Quadratmeterpreis (82 Euro) ermittelt hatten: Stellen Sie sich vor, ein Projektentwickler hat die Chance, mehrere größere Flächen günstig aufkaufen zu können, die heute eher unattraktiv sind. Wird das Land nun neu erschlossen und dort eine interessante Lage für neue Stadthäuser geschaffen, so lassen sich für dasselbe Land nunmehr deutlich höhere Preise erzielen.

Ich kenne Quadratmeterpreise von bis zu 450 Euro für lukratives Bauland, weil es mit den derzeit besonders gefragten Townhouses bebaut wird. Diese neue Art Reihenhäuser ist so gefragt, da werden für ein kleines 250-Quadratmeter-Stück Bauland schon mehr als 110 000 Euro verlangt - und bezahlt.