Preise

123 Euro: Berlins Bauland wird teurer

Mit Schwung sind die Preise für Berlins Eigenheim-Bauland ins Jahr gestartet. Zeigten sich bei Recherchen in der Kaufpreissammlung des Berliner "Gutachterausschusses für Grundstückswerte" früher oft nur Veränderungen um ein oder zwei Euro, so hat sich 2010 mehr getan: Um deutliche sieben Prozent wurde Bauland teurer.

Einen leicht ansteigenden, stabilen Trend sieht auch der Gutachterausschuss nach Ende seiner Bodenrichtwert-Beratungen.

Regional sieht die Lage wieder "sehr differenziert" aus, wie Statistiker sagen würden - kleinere Schwankungen sind noch kein großer Trend. Die Kaufpreissammlung ist zwar die einzige Berliner Statistik, die allein auf realen Preisen und nicht auf Schätzungen von Experten beruht. Das aber bedeutet auch, dass jedes Jahr andere Bauland-Stücke in die Wertung kommen als jene aus dem Vorjahr.

Beim nur scheinbaren Bauland-Preissieger 2010 - dem Bezirk Lichtenberg - ist dies am augenfälligsten. 44 Prozent Preisplus (auf 118 Euro/qm) gegenüber dem Vorjahr haben auch damit zu tun, dass dort relativ wenige Baugrundstücke verkauft werden. Und wenn dann in den weniger gefragten und besonders preiswerten Stadtteilen wie Falkenberg, Hohenschönhausen oder Wartenberg weniger und dafür in der besseren Lage Karlshorst mehr Baugrund verkauft wird, so wirkt sich dies etwas verzerrend auf die Statistik aus.

Gefragte Wasserlagen

Nicht unerwartet liegt Spandau wie zuletzt wieder weit vorn: 137 Euro/qm bedeuten ein Preisplus von 17 Prozent im Jahr 2010. Kladow mauserte sich dabei fast zum Spitzenreiter unserer "Bezirks-Top"-Liste mit 23 Prozent höheren Baulandpreisen. Übrigens: Von den sechs besten Kiezen sind immerhin vier Orte, die viele Wasserlagen haben.

Pankow rangiert auf Platz 3 der Berliner Bezirke. Hier nahm besonders Französisch-Buchholz (plus 24 Prozent auf 143 Euro/qm) einen kräftigen Aufschwung, dagegen gaben Niederschönhausen (132) und Rosenthal (136 Euro/qm) preislich etwas nach.

Treptow-Köpenick erlebte 2009 sein absolutes Preistal mit nur 82 Euro - und steigt jetzt bis fast auf 90 Euro. Allerdings wurden 1998 fast 150 Euro für jeden einzelnen Quadratmeter erschlossenes Bauland bezahlt. Außer in Schmöckwitz wurde hier zuletzt mehr für Baugrund gezahlt als im Vorjahr. Allerdings sind die Zahlen der Verkaufsfälle in den meisten Bezirksteilen so gering, dass wir exorbitante Steigerungen nicht in die Bezirks-Tabelle übernommen haben.

Gleich links neben dem südöstlichsten Bezirk liegt Neukölln , dessen Eigenheim-Gebiete sich gut entwickeln, von 136 auf 144 Euro/qm. Dabei liegt derzeit Buckow (178 Euro/qm) vor Britz (156) und Rudow (137).

Der hohe Norden hat viele Gebiete der "offenen Bauweise" - zu sehr unterschiedlichen Tarifen. Der Bezirk Reinickendorf selbst kommt auf 186 Euro/qm. Über diesem Durchschnitt rangieren Frohnau (254 Euro/qm), Konradshöhe (197), Heiligensee und Tegel (je 192), unter dieser Linie Hermsdorf (165), Waidmannslust (150) und Lübars (120 Euro).

In Marzahn-Hellersdorf finden Bauherren besonders viele Baugebiete. Die Preise liegen seit Jahren zwischen 90 und 100 Euro/qm, derzeit genau in der Mitte. Alle Bezirksteile liegen nur um wenige Euro auseinander.

Die Minuszahlen von Tempelhof-Schöneberg haben vor allem mit Lichtenrade zu tun, einem der wenigen Bereiche mit deutlichen Preisabschlägen - daher ein Platz unter der "Bezirke-Flop"-Liste. Das deckt sich mit den Expertenerkenntnissen im Gutachterausschuss. Laut Chef Reiner Rössler wurden die Lichtenrader Bodenrichtwerte gerade um fünf Prozent herabgestuft.

Die Letzten bei der Bauland-Entwicklung in den Bezirken sind die, in denen die höchsten Preise gezahlt werden. Dass in Steglitz-Zehlendorf Eigenheim-Bauland um 21 Prozent nachgab, dürfte eher der geringen Zahl von Verkäufen am falschen Ort geschuldet sein: Wenn in Dahlem (gut 600 Euro/qm) nur wenige Villengrundstücke auf dem Markt sind und dafür mehr Bauland in Lichterfelde (250 Euro) oder Zehlendorf (310 Euro/qm) verkauft wird, sieht die Durchschnittszahl für den Bezirk schlecht aus. Noch extremer gilt dies für Charlottenburg-Wilmersdorf , dort gibt es außer Westend und Grunewald fast keine Ecke, in der überhaupt noch Eigenheime gebaut werden.

Nachfragen beim Ausschuss

Wer Baugrund kaufen will, sollte nicht nur unserer Tabelle folgen, sondern sich beim Gutachterausschuss nach dem 2011er-Bodenrichtwert für sein Traumland erkundigen. Die neuen Werte sind ermittelt, jeder kann sie erfahren, indem er in der GAA-Geschäftsstelle am Fehrbelliner Platz 1 vorbeischaut und dort nach einzelnen Bodenrichtwerten fragt - der Service ist kostenlos. Die gedruckten Bodenrichtwert-Karten und die Internet-Aktualisierung für die Online-Suche werden erst in circa drei bis fünf Wochen bereitstehen.