Finanzierung

Neubau-Eigenheime werden teurer

Um den Traum vom neuen eigenen Heim wahr werden zu lassen, müssen Bauherren jetzt tiefer in die Tasche greifen. Experten erwarten einen deutlichen Anstieg der Preise von Baumaterialien. Betroffen sind davon auch Eigentümer, die ihre Gebrauchtimmobilie modernisieren wollen.

"Der globale Konjunkturaufschwung treibt die Preise der für die Bauwirtschaft wichtigen Rohstoffe bereits wieder in die Höhe", sagt Heiko Stiepelmann, Chefvolkswirt des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Folker Hellmeyer, Chefökonom der Bremer Landesbank: "70 Prozent der Weltwirtschaft werden im nächsten Jahren von einem anziehenden Konjunkturzyklus profitieren." Dies werde die Nachfrage nach Rohstoffen beflügeln und für Teuerungen sorgen.

Die deutschen Bauhandwerksbetriebe hätten bei ihrer Preiskalkulation keine Möglichkeit, sich einer globalen Kostensteigerung zu entziehen, sagt Andreas Geyer, Hauptabteilungsleiter Wirtschaft beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB): "Die Rohstoffpreise werden an den internationalen Kapitalmärkten bestimmt." Verteuern sich Öl, Stahl, Holz und Kupfer, kämen die Handwerksfirmen nicht umhin, "die steigenden Kosten an die Kunden weiterzureichen". In diesem Fall würden sich auch die Materialien für Ausbauten und Modernisierungen bestehender Häuser verteuern.

China als Preistreiber

Wegen des Konjunktureinbruchs durch die Finanzkrise hatten die Baupreise zuletzt nur moderat zugelegt. Der vom Statistischen Bundesamt errechnete Kostenindex für den Neubau von Wohngebäuden stieg von Anfang September 2009 bis Ende August 2010 um nur 1,2 Prozent. In den Jahren zuvor waren die Preise deutlich stärker angezogen. Für 2007 hatte der Index sogar einen Anstieg von 6,7 Prozent verzeichnet. "Vor allem chinesische Unternehmen hatten damals die Rohstoffmärkte leergekauft und die Preise für Baumaterialien stark in die Höhe getrieben", sagt Stiepelmann.

Schon 2010 sind die Kosten für rohstoffintensive Fertigungen angezogen. "Holzbauarbeiten verteuerten sich binnen zwölf Monaten um 3,2 Prozent", sagt ein Statistikamts-Sprecher. Weil Holz nicht nur zum Bauen, sondern zunehmend auch als Brennstoff gefragt ist, sind die Preise des Naturprodukts im Jahresverlauf gestiegen. Allein Fichtenholz wurde 15 Prozent teurer.

In Deutschland selbst dürfte die Nachfrage nach Baumaterial jetzt kaum steigen, meint ZDB-Experte Geyer. Zwar gibt es mehr Baugenehmigungen im Wohnungsbau. Von Januar bis Ende Oktober 2010 wurden neue Eigenheime und Wohnungen mit 18,4 Millionen Quadratmetern Gesamtfläche genehmigt - ein Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Den Baustofffachhändlern bescherte das bereits im ersten Halbjahr 2010 ein Umsatzplus von 3,8 Prozent. "Die leichte Erholung im Wohnungsneubau hat sich positiv auf das Geschäft ausgewirkt", sagt Stefan Thurn (Bundesverband Deutscher Baustofffachhandel).

Unter dem Strich seien für das Baugewerbe in diesem Jahr aber keine großen Zuwächse zu erwarten, meint Geyer. Denn: "Im öffentlichen Bau werden das Auftragsvolumen und der Materialbedarf nun zurückgehen, weil die Konjunkturprogramme auslaufen."

Weltweit allerdings erwarten Experten einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Baumaterial und damit weitere Preissteigerungen. Nach einer neuen Studie der Deutschen Bank werde insbesondere die Nachfrage asiatischer Unternehmen Rohstoffe verteuern. Und beim Ölpreis gibt es die befürchtete Rallye schon, teilweise jetzt auch bedingt durch die revolutionären Ereignisse in der arabischen Welt, aber auch durch steigenden Energiehunger vor allem in den sogenannten Schwellenländern von Indonesien und Brasilien bis Indien und China.

"Für die Preisentwicklung in der Bauwirtschaft sind dabei besonders Rohstoffe wie Eisenerz, Kupfer und Öl entscheidend", sagt Bauindustrie-Volkswirt Stiepelmann. Aus Eisenerzen werden Stahl und andere Metalle gefertigt. Kupfer ist der primäre Rohstoff für Strom- und Wasserleitungen. Und Öl schließlich ist der Schmierstoff der Branche schlechthin. Das schwarze Gold wird nicht nur benötigt, um Bagger und Kräne zu bewegen und Baumaterialien zu transportieren. Es ist auch der wichtigste Energielieferant für die Fertigung - insbesondere für Dämmstoffe, bei deren Herstellung Glas und Stein unter großer Hitze geschmolzen werden müssen.

Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 hat die Bundesregierung die Dämmvorgaben für Neubauten um 30 Prozent verschärft und damit den Bedarf an Dämmstoffen weiter erhöht. "Die Auflagen treiben die Kosten für neue Häuser in die Höhe", kritisiert Rolf Kornemann, Präsident des Eigentümerverbandes Haus & Grund.

Verteuern sich Öl, Stahl, Holz und Kupfer, kommen Handwerksfirmen nicht umhin, die steigenden Kosten an die Kunden weiterzureichen

Andreas Geyer, Zentralverband des Deutschen Baugewerbes