Immobilien-Telefon

Neue Heizung mit Testnote "gut"

Thema: Energiefragen zu Haus und Wohnung

Auch wenn der Energieexperte am "Immobilien-Telefon" dieser Zeitung neutral bleiben muss und deshalb keine Hersteller- oder gar Produktempfehlungen gibt, haben sich doch viele Anrufe der Leser gelohnt: Oft nämlich helfen auch schon allgemeine und herstellerunabhängige Auskünfte, um Hausbesitzern mit neuen Anregungen auf die Sprünge zu verhelfen. Bei den Energiefragen zu Haus und Wohnung half Andreas Becker, Energieberater für die Verbraucherzentrale Berlin:

Ich habe Fragen zu meiner Heizung der Firma X, Baujahr 1992, mit 21 bis 26 Kilowatt Leistung. Die Heizung befindet sich in einem sanierten dreistöckigen Einfamilienhaus, Baujahr 1930. Saniert heißt: Das Dach ist gedämmt, neue Fenster, Hohlraum zwischen den Mauern ausgeschäumt. Der Warmwasserspeicher ist inzwischen durchgerostet, und es stellt sich nun die Frage, ob wir einen neuen Wasserspeicher kaufen und mit der alten Heizung (mit Gusskessel) weiter betreiben - oder Heizung und Speicher zusammen neu zu kaufen.

Ihre Heizung aus dem Jahr 1992 ist wahrscheinlich ein Niedertemperaturkessel, was heute nicht mehr dem neuesten Entwicklungsstand entspricht. Immerhin schafft es dieser Kessel aber bereits, mit Warmwasser-Vorlauftemperaturen unter 60 Grad Celsius zu arbeiten.

Moderne Kessel - sogenannte Brennwertkessel - können aber noch mehr: Sie nutzen die Abwärme des Abgases, um noch effektiver, also wirtschaftlicher zu arbeiten. Längst gibt es dabei Kessel, die einen integrierten Warmwasserspeicher in ausreichender Größe beinhalten.

Von welcher Firma?

Sie verstehen, dass wir als Verbraucherzentrale hier neutral bleiben. Aber es gab beispielsweise bei der Stiftung Warentest im Mai 2009 ein Sonderheft "Energie" oder auch im Juli 2010 Tests mit vielen aktuellen Brennwertheizungen. Um es kurz zusammenzufassen: Die meisten Geräte der unterschiedlichen Hersteller haben eine etwa gleiche hohe Qualität, 2009 beispielsweise wurden alle getesteten Geräte mit "gut" bewertet.

Mein Heizinstallateur nennt mir natürlich vor allem die Marke X.

Wenn Sie mit ihrem derzeitigen Heizungshersteller zufrieden sein sollten und Ihr Heizungsmonteur Ihnen wieder ein Gerät dieser Marke anbietet, würde ich das - auch angesichts der Testberichte - nicht kritisch sehen. Das hat meist damit zu tun, dass unterschiedliche Installateure relativ fest mit Herstellern zusammenarbeiten. Was auch den Sinn hat, dass er bei Abnahme mehrerer Geräte einen besseren Rabatt eingeräumt bekommt. Aber Sie können natürlich auch andere Heizungsbauer vor Ort bitten, ein konkretes Alternativangebot erfragen und dann erst entscheiden.

Was sind denn die Vorteile des neuen Gerätes, wenn es diese Brennwerttechnik hat?

Zum einen, dass es ohnehin schon weniger verbraucht. Zum anderen aber auch, dass der neue Heizkessel wahrscheinlich mit einer deutlich geringeren Leistung konzipiert werden dürfte als der bisherige. Der Installationsbetrieb sollte den Wärmebedarf des Hauses zumindest überschläglich berechnen und dann den Kessel entsprechend auslegen.

Was übrigens auch noch gegen Ihre alte Anlage spricht, sind die üblichen Lebensdauerzeiten für technische Ausrüstungen: Bei Heizkesseln sagt man 15 bis 20 Jahre - sicherlich wird Ihr jetzt 18-jähriger Kessel noch etwas länger halten, aber er arbeitet dann schon deutlich ineffizienter, als er es als neuer Kessel getan hat. Und zwischen normaler Niedertemperaturtechnik von damals und einem Brennwertgerät von heute dürften beim Heizenergieverbrauch etwa 15 Prozent Unterschied schon zwischen den Neugeräten liegen.

Außerdem haben Sie ja von dem durchgerosteten Warmwasserspeicher berichtet, der seine theoretische Lebensdauer ja nun praktisch erfüllt hat. Hinzu kommt, dass ein neuer Kessel und eine zugehörige Warmwasserbereitung regelungstechnisch sehr gut aufeinander abgestimmt werden können.

Dann sollte ich also in Neues investieren.

Richtig. Dabei sollten Sie aber nicht davon ausgehen, durch Energieersparnis diese Investition schon in drei, vier Jahren wieder heraus zu haben. Doch denken Sie auch an die Energiepreise, die in den kommenden Jahren eigentlich nur eine Richtung kennen dürften: teurer!

Mehr Tipps folgen hier am kommenden Sonnabend

"Heizungsmonteure empfehlen eine bestimmte Marke, weil sie bei Abnahme mehrerer Geräte oft einen besseren Rabatt bekommen"

Andreas Becker, Energieberater für die Verbraucherzentrale Berlin