Ökologisches Bauen

Wenn Häuser das Klima schonen

Von außen ist es ein dunkler, glänzender Glasquader. Innen dominieren Licht, Holz und klare Formen auf 80 Quadratmetern Wohnfläche. Das "Plus-Energie-Haus" (Foto unten rechts) erzeugt doppelt so viel Energie, wie es selbst verbraucht. Nicht alle modernen Hausmodelle sind so perfekt, aber Energiesparer sind sie heutzutage fast alle.

Seit den 70er-Jahren setzen Haushersteller auf dichte Gebäudehülle, Wärmedämmung und moderne Haustechnik. Erst gab es Niedrigenergiehäuser, dann Passiv- und Drei-Liter-Häuser. Und nun liefern Plus-Energie-Modelle wie das der TU Darmstadt sogar Energiegewinne.

Ökologisches Bauen liegt im Trend. Kein Wunder - denn mehr noch als Autos sind Häuser am Klimawandel beteiligt. Hier müssen Baufirmen und Bauherren umdenken. Viele tun das: Immer mehr Bauherren wollen mehr Unabhängigkeit von Öl oder Gas.

Hightech aus der Natur

Dabei entscheiden nicht nur Wärmedämmung, Heizung oder Solaranlage über die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Bereits bei der Herstellung von Baumaterialien sollte nur wenig Primärenergie benötigt werden. Werden Häuser aus nachwachsenden Naturstoffen gebaut und mit Naturdämmung versehen, speichern sie viel klimaschädliches Treibhausgas.

Eine optimale Wärmedämmung sorgt für geringsten Energieverbrauch, schont so den Geldbeutel der Hausbesitzer und verringert den CO2-Ausstoß. "Die besten Lösungen stammen aus der Natur selbst", so Dagmar Fritz-Kramer, Geschäftsführerin von Baufritz. Das Allgäuer Holzhausunternehmen setzt auf Hightech aus der Natur.

Die effiziente Bereitstellung von Heizwärme, Warmwasser und Strom durch Mini-Blockheizkraftwerk, Wärmepumpe und Fotovoltaik-Solaranlage sind keine Zukunftsmusik mehr. Moderne Häuser sind atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und durch die hohe Kohlendioxid-Speicherkapazität klimaschonend. Modernste Heiz- und Klimatechnik sorgen dafür, dass die natürliche Energie aus Sonne und Erdwärme genutzt wird.

Baufritz hat eine Biodämmung aus Holzspänen entwickelt und patentieren lassen, empfohlen von der Zeitschrift "Ökotest". Sie trägt nicht bei zu niedrigen Heizkosten und sorgt zusammen mit den schadstoffgeprüften, natürlichen Baumaterialien für ein angenehmes Raumklima - im Sommer wie im Winter. Die Häuser des Allgäuer Unternehmens entstehen in Fertigbauweise, genau wie bei den Konkurrenten von Kitzlinger Haus und Archy Nova.

Archy Nova setzt auf sein "Sol Arc Erdhügelhaus", das an Höhlenwohnungen amerikanischer Ureinwohner erinnern soll. Der halbrunde Holzbau ist nur an Vorder- und Rückseite offen, das Tonnendach ist von einer meterdicken, begrünten Erdschicht verdeckt. Solch ein Dach soll 20 Prozent weniger Wärmeverlustfläche haben als ein Satteldach-Haus. Die schützende Erdschicht sowie die winddichten und doch dampfoffenen Wandaufbauten sorgen für ein zu allen Jahreszeiten angenehmes Raumklima. Passivhausfenster und eine dicke Dämmschicht schützen vor Wärmeverlusten an den Wandseiten.

E-Auto vom Dach "betanken"

Hinzu kommen eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Solarkollektoren für das Brauchwasser. Dadurch soll sich die Heizkostenrechnung auf nur noch 200 Euro im Jahr belaufen. Das Erdhügelhaus kostet in der Basisversion mit 120 Quadratmetern Wohnfläche ab 136 000 Euro. Schlüsselfertig wäre es ab 205 000 Euro zu haben - derzeit aber nur im Raum Stuttgart.

"Energiesparsamkeit ist der Standard, Energieplus der neue Trend", weiß auch Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband Deutscher Fertigbau. Ein Beispiel dafür sei das neue Hausmodell "Generation 5.0" der Firma Weberhaus aus Rheinau-Linx. Das Gebäude produziert 50 Prozent mehr Energie, als es verbraucht. Die fünf Röhrenkollektoren steuern bis zu 6000 Kilowattstunden aus Sonnenlicht zum Heizwärme- und Warmwasserbedarf bei. Ein großer Wasser-Pufferspeicher sorgt dafür, dass Energie dann verfügbar ist, wenn sie benötigt wird. Eine Fotovoltaik-Anlage erzeugt mit 60 Modulen bis zu 11 000 Kilowattstunden Strom.

Selbst erzeugte Energie kann als Haushaltsstrom genutzt, gegen Vergütung ins Stromnetz eingespeist werden - oder für die Strom-"Betankung" eines Elektroautos in der hauseigenen Ladestation dienen. Der Hersteller Bien-Zenker (Schlüchtern) rechnet für sein erstes "Plus-Energie-Haus mit E-Mobilität" vor, dass die überschüssigen Stromenergie des Hauses reicht, um zwei Elektroautos 23 000 Kilometer im Jahr fahren zu lassen.