Urheberschutz

Das Recht des Architekten an meinem Haus

Zwischen Architekten und Bauherren kommt es in jüngster Zeit häufiger zu Streitigkeiten um das Urheberrecht.

Das betrifft nicht nur spektakuläre Projekte wie den neuen Berliner Hauptbahnhof oder den Umbau der früheren Frankfurter Großmarkthalle zum neuen Sitz der Europäischen Zentralbank. "Selbst Eigenheimbesitzer haben mit Ansprüchen der Planer auf die Unveränderbarkeit der von ihnen entworfenen Bauten zu kämpfen", sagt Eva Reinhold-Postina, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Baurecht (ARGE) im Deutschen Anwaltverein: "Manche Architekten drohen mit ihrem Urheberrecht, um Planungsaufträge für Modernisierungsleistungen oder für Anbauten zu erhalten."

Durch die fortschreitende Alterung der Gesellschaft und die Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) "gewinnt das Urheberrecht an Bedeutung", bestätigt Tillman Prinz, Bundesgeschäftsführer der Bundesarchitektenkammer (BAK, Berlin). Denn: Viele Eigentümer älterer Immobilien wollen ihr Haus jetzt altengerecht umbauen oder energetisch modernisieren. "Bei schutzwürdigen Werken haben Architekten ein Interesse daran, dass ihr Urheberrecht dabei gewahrt und das Erscheinungsbild der Immobilie nicht verändert wird", sagt Prinz.

Keine individuelle Planung

Nach Ansicht der Baurechts-Arbeitsgemeinschaft übertreiben es einige Planer mit der Wahrung ihrer Interessen: Manche Hausbesitzer würden bei ihrem Umbau- oder Modernisierungsvorhaben von ihrem ehemaligen Architekten gestoppt, der auf sein Urheberrecht poche, sagt die Juristin Heike Rath, Vorstandsmitglied der ARGE Baurecht: "Zudem verunsichert der Trend zur allgemeinen Reklamierung des Urheberrechts auch viele Bauherren." Dieser Trend aber treffe letztendlich die Planer selbst. "Viele Familien verzichten auf ein individuell geplantes Architektenhaus, weil sie sich gar nicht erst auf Vertragsabschlüsse mit Planern einlassen wollen, die bereits im Entwurfsstadium auf ihr Urheberrecht pochen", sagt Rath.

Architekten sind nach dem Rechtsverständnis nicht nur Dienstleister, die im Auftrag des Bauherrn ein Gebäude entwerfen, die Statik berechnen und die Bauarbeiten kontrollieren. Sie gelten vielmehr als Baukünstler, weil sie planvoll Gebäude entwerfen und damit Räume für den Menschen in seiner Umwelt schaffen. Mit diesem Auftrag und dieser Arbeit sind sie anderen Künstlern wie Autoren und Komponisten gleichgestellt. Wie Romane und Musikwerke stehen die von ihnen entworfenen Bauten unter dem Schutz des deutschen Urheberrechts.

"Theoretisch darf deshalb ein Gebäude nur mit Genehmigung seines Architekten verändert werden", erläutert Reinhold-Postina. Dies gelte auch für Bauträger-Objekte, da diese ebenfalls von Planern entworfen werden. Selbst mit dessen Tod erlangt der Eigentümer nicht die volle Verfügungsgewalt über die Immobilie. Vielmehr geht das Urheberrecht mit dem Ableben des Gestalters für die nächsten 70 Jahre an dessen Erben über. Einige Architekten würden diese Rechtsgrundlage in jüngster Zeit häufiger nutzen wollen, um an Folgeaufträge bei der Modernisierung sowie bei Um- oder Anbauten von Häusern zu gelangen, sagt die ARGE-Expertin. "Sie drohen Prozesse wegen Verletzung des Urheberrechts an, sollten sie nicht mit den Arbeiten beauftragt werden."

BAK-Bundesgeschäftsführer Prinz rät Planern davon ab, auf Konfrontationskurs mit den Eigentümern zu gehen: "In einer mangelhaft informierten Öffentlichkeit wird der Architekt womöglich als egozentrischer Verhinderer dargestellt, obwohl er nur sein Recht geltend machen und das von ihm geschaffene Kulturgut erhalten will." Damit schädige ein Planer nicht nur sein eigenes Image, sondern das der ganzen Branche.

Zugleich betont Prinz, dass Eigenheime nur in den seltensten Fällen Gegenstand von Urheberrechtsstreit sind: "Nur 15 bis 20 Prozent aller Bauwerke in Deutschland sind geschützt." Gerichte würden den Planern nur dann ein Mitspracherecht bei nachträglichen Veränderungen zusprechen, wenn es sich um eine "besonders originelle Immobilie handelt, die sich vom alltäglichen Bauschaffen abhebt".

Keine Angst beim Eigenheim

Bei Eigenheimen, Mehrfamilien- und Reihenhäusern hätten Gerichte bislang kaum Veränderungen wegen des Urheberrechts untersagt, beruhigt auch Alexander Wiech vom Eigentümerverbands Haus & Grund: "Die Besitzer solcher Häuser müssen keine Einschränkungen bei der Umgestaltung ihres Eigentums fürchten." Diese Einschätzung bestätigt ein neues Urteil des Frankfurter Landgerichts (Az. 2-03 O 295/09): In der Auseinandersetzung um das Urheberrecht zwischen einem Architekten und dem Eigentümer eines Geschäftshauses verneinten die Richter die Einzigartigkeit des Gebäudes.