Wohnzimmer

Etwas Cooles und etwas Verspieltes

Gibt es überhaupt noch Trends? Im Zuge der diesjährigen Möbelmesse "IMM Cologne" sprachen die Veranstalter von einer großen "gestalterischen und geschmacklichen Freiheit", und die Angebote der Möbelindustrie seien "weg von der Einheitlichkeit".

Es entstehe immer ausgeprägter ein Wohnstil, der von vielen als "neue deutsche Gemütlichkeit" bezeichnet wird. Im Charakter dieses Stils sind Cooles und Verspieltes vereint. Zu Hilfe komme dabei in der kommenden Saison der große Leitgedanke des "Pimp my Home". Das "Aufmotzen" der eigenen vier Wände sei nicht nur schick, sondern durch die vielfältigen Möglichkeiten auch angesagt.

Früher gab es für die Wand des Wohnzimmers nur die Kuckucksuhr, heute ist sie eine von 30 verschiedenen Uhr-Varianten. Die sogenannten Einrichtungsrandbereiche spielen für das Wohnen und im Möbelhandel eine immer wichtigere Rolle. Kissen, Tapeten, Accessoires, Teppiche in nie da gewesener Vielfalt unterstützen den Trend zum "Aufmotzen". Immerhin heißt es dort noch: "Möbel sind und bleiben die wahren Helden der Wohnung."

Deutlicher Rückzugstrend

Menschen verbringen heute 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen. Neue Studien belegen, dass das eigene Zuhause zum sozialen Mittelpunkt avanciert und den früher beliebten Kneipen- oder Restaurantbesuche immer mehr ersetzt. Smartphones, Netbooks oder Tablet-Computer tragen als Kommunikationsmittel auch zu diesem Rückzugstrend bei.

Aber ganz ohne zwischenmenschliche Kontakte, ganz ohne den Besuch von Freunden zu einem leckeren Essen oder das gemeinsame Fußballgucken funktioniert das heutige gesellschaftliche Leben nicht. Aber wenn man schon viel Zeit zuhause verbringt, dann soll es in einer Wohnung sein, "die der Seele gut tut", heißt es bei der Kölner Messe.

Zu Beginn der Saison hat der Verband der Deutschen Möbelindustrie Aussteller über ihre An- und Aussichten befragt. Einer der 2011er-Trends: Polstermöbel werden wieder kleiner, ihre Funktionen wie Umklapp-Möglichkeiten bleiben aber. Zwar sind auch große Wohnlandschaften noch im Angebot, aber die Industrie will auch Menschen mit begrenztem Platzangebot bedienen können - vor allem die kleineren Single-Haushalte.

Wohnwände sind Standard. Individuell zusammenstellbare Highboards, Lowboards oder Vitrinen gibt es für jeden Geschmack und Geldbeutel. Der Flachbildschirm findet vorwiegend hier seinen Standort. Und deshalb sind Wohnwände eher schmal, so dass ein weites Raumgefühl entsteht. Brauchen die Menschen keine Bücher mehr?

Die Megatrendfarbe Weiß bei Möbeln bleibt. Denn Weiß könne mit jeder anderen Farbe kombiniert werden. Starke Farbakzente setzen einfarbige Zierkissen, Accessoires oder kräftig gestrichene Wände. Ebenso passen auch die Retro-Muster der Tapeten-Designer gut zu weißen Möbeln.

Mehr Mut zur Farbe

Das Motto lautet: Mehr Mut zur Farbe, aber bitte in einer angenehmen Kombination. Bei den Uni-Farben der Bezugsstoffe sind Blautöne - von Petrol bis Mint - ebenso wie das große Spektrum der Naturtöne gefragt. Sie finden sich auch bei den Oberflächen von Kastenmöbeln oder im modernen Küchenfront-Bereich wieder. In Anlehnung an die 70er-Jahre spielen vereinzelt auch Orange und Apfelgrün wieder eine Rolle. Aber auch der Klassiker der 80er-Jahre, die Farbe Schwarz, kommt im Polsterbereich, aber auch bei Kastenmöbelfronten zurück.

Streifen, florale Stoffe, abstrakte Grafik oder auch das Thema Muster bei Bezugsstoffen ist sehr vielfältig. Auch das Ornament bleibt ein beliebtes Thema. Bei allen Stoffen spielt das Anfassen und Erleben eine große Rolle. Viele Stoffe sind deshalb nicht mehr glatt, sondern haben eine reliefartige Struktur, die zum Sitzen einlädt und anschmiegend wirkt. Man soll quasi eins werden mit dem Möbel, auf dem man gerade sitzt oder liegt.