Immobilien-Telefon

Eigenes Kraftwerk im Keller

Thema: Energiefragen zu Haus und Wohnung

Das Kürzel "Mini-BHKW" sagt den meisten Menschen gar nichts. Wer aber in seinem Keller ein defekte oder altersschwache Heizung stehen hat und modern denkt, der weiß, was ein Mini-Blockheizkraftwerk ist. Ob sich die Heizung, die nicht nur Wärme, sondern auch Strom produziert, lohnt, wurde Andreas Becker, Energieberater für die Verbraucherzentrale Berlin, am "Immobilien-Telefon" zu Thema Energiesparen gefragt:

Was halten Sie von Mini-Heizkraftanlagen, mit denen ich zugleich Wärme und Strom erzeuge?

Mini-Blockheizkraftwerke sind vor allem immer wärmegeführt. Das heißt. Sie sind immer dann in Betrieb, wenn Wärme gebraucht wird - nur dann wird nebenbei auch Strom erzeugt. Weil solch eine Anlage teuer ist, macht sie vor allem dann Sinn, wenn sie viel in Benutzung ist und viele Betriebsstunden hat - das gilt für Standorte, an denen man auch im Sommer Wärme braucht, wie vielleicht in Gewerbebetrieben oder Krankenhäusern.

Ich habe natürlich nur ein Einfamilienhaus.

Im Eigenheim sehe ich einen wirtschaftlichen Einsatz nur, wenn Sie beispielsweise einen Swimmingpool mit ständig warmem Wasser betreiben. In einem normalen Einfamilienhaus aber brauchen Sie Wärme vor allem im Winter und noch ein wenig zur ganzjährigen Warmwassererzeugung. Aber damit verkaufen und speisen Sie übers Jahr gesehen doch relativ wenig Strom ein.

Schade. Dann lohnt das bei mir wohl weniger.

Trotzdem ist dieses Modell im Kommen, hat aber noch einige Nachteile. Zum einen brauchen Sie natürlich einen Raum für die Anlage, in der die Anlage - ein "kleiner Automotor" - laufen kann. Wegen dieser Maschine ist diese Anlage auch bei recht guter Schalldämmung relativ laut und sollte ganz abgeschieden im Haus eingebaut werden. Der Einbau selbst ist auch nicht ganz unkompliziert, weil die Hersteller ihre Geräte auch wegen der Lärmminderung sehr schwer konzipieren. 400 Kilogramm kann so ein Mini-BHKW schon wiegen.

Die Leistung einer solchen Anlage würde für ein Eigenheim sicherlich locker ausreichen, und zusätzlich kann man Strom einsparen - am effektivsten in einer Größenordnung, die der ganze Haushalt auch selbst an Strom verbraucht. Leider sind die Geräte noch ziemlich teuer, mindestens 22 000 Euro sollte man dafür schon mitbringen. Außerdem müssten Sie auch elektrisch ein paar Vorarbeiten erledigen lassen.

Wer sich trotzdem dafür interessiert: Die Laufzeit dieser Anlagen ist wegen des integrierten Automotors etwas begrenzter als bei normalen Heizungen. Mehr als acht Jahre Garantie wird man dort kaum bekommen. Derzeit in der Entwicklung sind Mini-BHKWs mit Stirling-Motoren, die viel leiser und verschleißfreier arbeiten sollen. Aber das wird noch einige Jahre dauern, bis das System für Verbraucher lukrativ wird.

Ich stehe vor der Entscheidung für eine neue Gas-Brennwerttherme. Bisher hatte ich eine Heizung von 1993, die dadurch ausfiel, dass in der Regelung eine Heizungspumpe kaputt ging, die der Hersteller nicht mehr anbietet. Jetzt kann ich also die ganze Regelungstechnik wegwerfen - eine neue würde 2000 Euro kosten. Ich habe 150 qm Fußbodenheizung mit der Heizung zu versorgen, etwa zwölf Kilowatt wurden als Bedarf schon ausgerechnet. Ein Warmwasser-Speicher wird von der Therme mitbetrieben.

Eine Brennwerttherme ist schon mal eine gute Entscheidung. Sie werden dann aber sicher Ihren alten Schornstein auch neu berohren müssen. Da muss ein kleineres Rohr von vielleicht acht bis zehn Zentimetern Durchmesser eingebaut werden, das meist in den alten Schornstein eingezogen werden kann. Fragen Sie dazu aber bitte Ihren Bezirksschornsteinfeger etwas genauer.

Außerdem wird Kondensat abgeleitet werden müssen. Dieses Kondensat fällt beim Abkühlen des im Abgas enthaltenen Wasserdampfes an. Das können in einem kalten Winter pro Tag schon ein paar volle Wassereimer werden; rechnen Sie mit etwa einem Liter pro Kubikmeter Erdgas. Beim Kondensat-Ableiten gibt es verschiedene Alternativen: Vielleicht lässt es sich gleich im Heizungskeller direkt in das Abwasser einleiten. Das dürfen Sie bei Heizanlagen bis 50 Kilowatt Leistung. Oder Sie brauchen eine kleine Hebeanlage, um Kondensat immer abzupumpen.

Mehr Tipps folgen hier am kommenden Sonnabend

"Die Laufzeit von kleinen Blockheizkraftwerken ist wegen des integrierten Automotors etwas begrenzter als bei normalen Heizsystemen"

Andreas Becker, Energieberater für die Verbraucherzentrale Berlin