Mieter und Käufer

Wenig Interesse am Energieausweis

Seit fast drei Jahren ist der Energieausweis Pflicht bei Vermietung, Verkauf und Bau von Häusern. Das Papier zeigt an, wie hoch die Energiekosten der Immobilie sind. Mieter könnten zwar so die Höhe ihrer Heizkosten abschätzen - sie verlangen die Vorlage des Passes aber trotzdem kaum. Energieausweise sollen allen helfen, Energie zu sparen.

Neue Mieter können ihre Kosten kalkulieren, und Eigentümer bekommen Tipps, in welchen Bereichen eine Modernisierung nötig ist. So weit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Architekt Achim Linhardt (Stuttgart) bescheinigt zwar vielen Mietern und Käufern Sensibilität im Umgang mit Energie, aber nach dem Energieausweis fragen die wenigsten: "In der Verkaufspraxis spielt der Energieausweis keine Rolle."

Er habe in seiner Beratungstätigkeit das Papier noch nie gesehen. Ansonsten korrigiert Linhardt eine verbreitete Fehleinschätzung: "Der Ausweis liefert keine Angaben zum tatsächlichen Energieverbrauch." Der hängt auch von den Gewohnheiten der Bewohner ab. Ist der Kühlschrank vereist, steigen die Kosten. Wer auf Mallorca überwintert, verbraucht weniger Heizenergie. Und ein Ein-Personen-Haushalt benötigt weniger als eine vierköpfige Familie.

Solche Zahlen gibt der verbrauchsorientierte Energiepass wieder, dem es deshalb an Aussagekraft fehlt. Er basiert auf dem Verbrauch der vergangenen drei Jahre und ist in der Wohnungswirtschaft gängig, weil preiswert zu haben.

Für 20 oder für 1500 Euro

Der Deutsche Mieterbund (Berlin) tritt für den bedarfsorientierten Ausweis ein, der alle Zufälligkeiten unberücksichtigt lässt und auf den Zustand des gesamten Hauses abstellt. "Dieser Ausweis liefert zuverlässige Werte", sagt Sprecher Ulrich Ropertz. Die Angaben beruhen auf einem vom Vermieter oder Verkäufer beauftragten Gutachten. Schummeleien kamen dem Mieterbund bislang nicht unter. "Wenn dem so wäre, könnte der Vermieter in Regress genommen werden."

Es gibt aber auch qualitative Unterschiede unter den billigeren Verbrauchs-Ausweisen. Als "schlecht und wenig aussagekräftig" gelten über Online-Portale erstellte Pässe. Dazu gibt der Eigentümer bestimmte Kennzahlen ein und bekommt - teilweise schon für 20 Euro - einen Beleg. Der Griff zum Taschenrechner ist eine andere preiswerte Do-it-yourself-Methode, die Vermieter für die verbrauchsorientierte Variante nutzen können.

Ein professionell erstellter Energieausweis in der Bedarfsvariante dagegen kann bis zu 1500 Euro kosten, weil dahinter aufwendige Berechnungen stehen. Eine besonders gute Qualität bescheinigen Fachleute generell den im Rahmen eines Bauantrags erstellten Energieausweisen.

Im Allgemeinen könne der Verbraucher für bare Münze nehmen, was über die Gebäudedaten im Energieausweis steht. Welche Daten im Einzelnen dafür wichtig sind, das steht in der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009). Deren Anlage 3 nennt Anhaltspunkte für Gebäudeteile, sagt Thomas Penningh vom Verband Privater Bauherren.

Die Ratschläge im Energiepass sollten allerdings hinterfragt werden. So nutzt etwa eine neue Decken-Dämmung nichts, wenn eine offene Treppe in den Keller führt. Interessenten sollten sich von Vermieter, Verkäufer oder Makler den kompletten Ausweis zeigen zu lassen, um Wesentliches wie Heiz- und Stromkosten im Detail zu prüfen. Auf dem üblicherweise ausgehändigten Deckblatt sind nur Angaben in den von Haushaltsgeräten vertrauten Skalen ohne konkrete Werte ablesbar.

Einen Energieausweis ausstellen "darf im Grunde genommen jeder vom Schornsteinfeger bis zum Architekten", sagt Linhardt. Da setzt seine Kritik an: Weil der Ausweis Einspar- und Modernisierungsvorschläge machen soll, sei "dem Geschäft Tür und Tor geöffnet". Der Dachdecker rate zum neuen Dach, der Heizungsbauer zur neuen Heizung. Penningh berichtet von einem allein wohnenden Hausbesitzer, dem der Elektriker ein kleines Blockheizkraftwerk aufschwatzte: "Das lohnte sich wegen seines sowieso geringen Energieverbrauchs nicht." Eigens geschulte Handwerker übrigens dürfen Energiepässe nur für bestehende Gebäude ausstellen.