Ratgeber

Aus alter Pflanze eine neue züchten

Schon eine Triebspitze kann ausreichen. Aber auch mit einem Stängelabschnitt klappt es, mit einem Blatt oder einem Blattstück: Die Regenerationskraft der Natur lässt aus einem Pflanzenteil eine neue, lebensfähige Pflanze heranwachsen. Manchmal ist dafür allerdings ein wenig gärtnerisches Können nötig.

Aber bei vielen Arten funktioniert die Vermehrung durch Stecklinge problemlos. Einige Voraussetzungen müssen für das Trennen des Triebes von der Pflanze aber erfüllt sein.

Bei einer Geranie zum Beispiel wird die Spitze des Triebs abgetrennt. Der neue Trieb sollte rund fünf Zentimeter lang und fest sein, aber noch nicht verholzt. Zu junge Stecklinge faulen leicht, zu alte brauchen sehr lange, um Wurzeln zu bilden. Pflanzen, die trocken gestanden haben, müssen sich daher erst wieder mit Wasser vollsaugen, bevor Stecklinge geschnitten werden können. Kränkliche Pflanzen eignen sich meist nicht als Mutterpflanzen.

Damit über die Blattmasse nicht zu viel Wasser verdunstet und keine Fäulnis durch mit Erde bedeckte Blattteile entsteht, werden die untersten Blätter des Stecklings entfernt. Dazu greift eine Hand den Steckling dicht über den untersten Blättern und spreizt sie ein wenig ab. So kann die andere Hand sie dicht am Stängel abtrennen, ohne Blattansätze - Knoten - zu verletzen.

Danach wird das Ende des Stängels bei drei bis vier Millimetern unter dem letzten Knoten gerade abgeschnitten. Auch jetzt darf der Knoten selbst nicht verletzt werden, denn in ihm konzentrieren sich später die Wachstumshormone, die die Wurzelbildung des Stecklings stimulieren.

Gesteckt wird in einen Topf oder eine Kiste mit feuchter, aber auf keinen Fall nasser Anzucht-Erde. Eine dünne Schicht Sand als oberste Lage verhindert Fäulnis. Die Stecklinge wandern etwa ein bis zwei Zentimeter tief in die Erde. Der fertig besteckte Topf oder die Kiste bekommt eine gut abschließende Plastikhaube und wird an einen warmen, hellen - aber nicht sonnigen - Platz gestellt. Dank der feuchten Erde bildet sich eine "gespannte Atmosphäre", wie Gärtner sagen. Das heißt: Die Luft ist mit Feuchtigkeit gesättigt. Die Stecklinge verdunsten kaum und bleiben auch ohne Wurzeln prall.

Von Zeit zu Zeit werden Kiste oder Topf kontrolliert. Sind sie zu trocken, hilft eine Sprühflasche, Luft und Erde behutsam zu befeuchten. Gibt es Faulstellen, war das Substrat zu feucht? Dann muss die Folie herunter, bis das Zuviel an Feuchtigkeit verdunstet ist. Befallenen Erd- und Pflanzenteile werden entfernt. Zur Desinfektion wird Holzkohlepulver über die befallenen Stellen gestäubt.

Dass sich Wurzeln gebildet haben, zeigen die Stecklinge nach zwei bis drei Wochen mit einer straffen Haltung und einsetzendem Wachstum. Sie brauchen dann keine Folie mehr. Bald setzt dann ein zügiges Wachstum ein. Damit sich nun bewurzelte Stecklinge gut verzweigen, wird gestutzt. Das heißt: Triebspitzen werden abgeschnitten. Wer will, zieht aus ihnen die nächste Stecklingsgeneration.

Sortenechte Nachkommen

Bei vielen Pflanzen ist diese Vermehrung über Triebspitzen - sogenannte Kopfstecklinge - Standard. Millionenfach werden Pelargonien, Fuchsien, Strauchmargeriten, Astern, Chrysanthemen und vieles andere so vermehrt. Der Vorteil sind sortenechte Nachkommen, also genetisch mit der Mutterpflanze identische.

Erfolg verspricht bei vielen Arten das Stecken von Teilstücken, die aus den Stängeln geschnitten wurden. Clematis lassen sich so vermehren, Wachsblumen, buntblättrige Taubnesseln oder Pfahlrohr. Was aus Stängelteilen klappt, funktioniert auch bei Wurzelstücken. Dazu werden kräftige Wurzeln von Mohn, Herbstanemonen oder Phlox in rund fünf Zentimeter lange Stücke geschnitten und so tief in Erde gesteckt, dass sie gerade eben bedeckt sind. Wichtig ist, die Wurzelstücke richtig herum zu stecken. Das obere Ende muss immer nach oben, das untere nach unten zeigen, sonst können sie keine neuen Triebe bilden.

Begabten Gärtnern gelingt die Vermehrung durch Blattstecklinge oder Blattstücke. Ersteres gilt als gängige Vermehrungsmethode bei Usambaraveilchen und Sedum-Arten. Aus sauber und vollständig abgezupften Blättern kann sich eine neue Pflanze entwickeln. Die Blattstängel werden lediglich leicht schräg in das Substrat gesteckt. Da Usambaraveilchen mit ihrem saftigen Gewebe leicht zu Fäulnis neigen, wird das Substrat trockener gehalten als bei normalen Stecklingen.

Begonien lassen sich willig aus Blattstücken vermehren. Dazu wird das Blatt mit einem scharfen Messer quer zur Hauptader in rund zwei Zentimeter breite Stücke zerschnitten. Die Teilstücke werden mit dem unteren Ende der Hauptader in das Substrat gesteckt. Notfalls helfen ein paar Hölzchen dabei, sie zu fixieren.