Prognose für 2011

Es wird wieder mehr gebaut

In Deutschland werden wieder deutlich mehr Wohnungen und Häuser gebaut. Nach der jüngsten Hochrechnung der Landesbausparkassen (LBS) ist die Zahl der Baugenehmigungen schon 2010 am Ende einer dreijährigen Talsohle um acht Prozent auf 192 000 neue Einheiten gestiegen - und für 2011 erwarten die Bausparkassen nun eine weitere Steigerung um zwölf Prozent auf 215 000 Genehmigungen.

Den Grund für den Anstieg sehen die Experten nicht nur in der guten Wirtschaftslage, sondern auch im knapperen Angebot gebrauchter Immobilien. Trotzdem liege die Zahl der Genehmigungen noch unter dem Niveau von 2006.

Nicht in Mietshäuser wird investiert, die meisten Neubauten dienen der Bildung von Eigentum: "Mehr als zwei Drittel der zusätzlich auf den Markt kommenden Wohneinheiten sind Eigenheime und Eigentumswohnungen", weiß LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm. Die höheren Genehmigungszahlen seien "auch dringend nötig, denn bei den Gebrauchtobjekten sind die Zeiten des üppigen Angebots zu Ende", sagt Hamm. Zumal die Nachfrage zuletzt deutlich größer geworden ist: Viele nutzten deshalb noch die günstigen Preise und Zinsen.

Im Neubau folgen die Fertigstellungszahlen nach Angaben der LBS der Entwicklung bei den Genehmigungen traditionell erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Deshalb sei nach dem absoluten Tiefpunkt im Jahre 2009 mit 159 000 fertiggestellten Wohneinheiten jetzt noch nicht mit Zahlen oberhalb der Marke von 200 000 Fertigstellungen zu rechnen. Dieses Ziel werde erst ab 2012 erreichbar.

Eigenheime werden teurer

Der LBS-Sprecher verweist als Beleg für den beginnenden Aufschwung auf die zunehmenden Signale, dass an vielen Stellen bereits heute Eigenheim- und Eigentumswohnungsangebote knapper werden - und teurer. Jetzt, da die Wirtschaft auf einem klaren Wachstumskurs sei und sich die Beschäftigungsperspektiven deutlich aufhellen, mache sich die wachsende Nachfrage nicht nur in den wirtschaftsstärksten süddeutschen Ballungsräumen, sondern auch anderswo bemerkbar.

Dass der Wohnungsbau in Deutschland in den vergangenen Jahren weit unter die "Normallinie" gefallen und der Bedarf deutlich höher ist, zeigt laut LBS-Untersuchung nicht nur der Blick auf Faktoren wie den wachsenden Ersatzbedarf und die immer noch steigende Zahl von Privathaushalten in Deutschland, sondern auch der internationale Vergleich: So lag die Bundesrepublik im Jahre 2010 mit weniger als zwei neu gebauten Wohnungen pro 1000 Einwohner in Europa ganz am Tabellenende. In der Schweiz hingegen entstünden fast viermal so viele neue Wohnungen. Abgesehen von Tschechien und Dänemark, wo "nur" 75 Prozent mehr Neubauten geschaffen werden als hierzulande, haben auch alle anderen Nachbarländer eine mindestens doppelt so hohe Neubau-Intensität wie Deutschland.

Erschwingliches Eigentum

Dabei fänden die Menschen hier immer noch historisch günstige Bedingungen für den Erwerb eigener vier Wände vor. Nach LBS-Berechnungen müssen Familien mit einem Kind für eine typische Finanzierung im Herbst 2010 nur noch 13 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens aufwenden - vor 15 Jahren waren dies 38 Prozent und vor acht Jahren immerhin 21 Prozent. Doch diese Erschwinglichkeit erkennen anscheinend viele Immobilieninteressenten - und die jetzt steigenden Baugeldkonditionen machen sie besorgt und eilig: "Sobald die Zinsen merklich steigen, gibt es erfahrungsgemäß einen Ansturm von Interessenten auf Immobilienangebote", prognostiziert Hamm.