Baumeister für Berlin und Philosoph: Ernst Moritz August Endell

Der Berliner Schriftsteller Oskar Kühl lebte sehr modern. Er bezog 1911 in seinem eigenen Haus in der Akazienallee (Charlottenburg-Westend) eine Maisonette-Wohnung. Kühl bewohnte in einem der Hausflügel zwei miteinander verbundene Etagen: Während das Erdgeschoß die Wohnung der Familie beherbergte, befanden sich im Untergeschoß die Küche, Wirtschaftsräume und der aus vier Zimmern bestehende Arbeitsbereich des Schriftstellers.

Denselben Beruf hatte auch der Planer des Hauses: Ernst Moritz August Endell war ursprünglich Schriftsteller, Philosoph und Kunstgewerbler, ehe er zur Architektur umsattelte und Anhänger des Jugendstils wurde. Riesenhafte Landhäuser wie dieses Mehrfamilienhaus mit rechtwinkligem Grundriß und mächtigem Satteldach waren eine seiner Spezialitäten, und der Zaun zeigt Endells Jugendstil-Vorliebe.

Selbst Sohn eines Architekten, gründete August Endell in Berlin eine Schule für Formkunst, später wurde er Professor an der Kunstakademie in Breslau. Ab 1901 baute er in Berlin mehrere (Miet-)Villen, einer der Hackeschen Höfe ist aus seiner Feder oder auch die Trabrennbahn Mariendorf. Endell wurde am 12. April 1871 in Berlin geboren, wo er gestern vor 80 Jahren auch gestorben ist.