Immobilien-Telefon

Streit um vier Meter hohe Hecke

Thema: Was erlaubt das Nachbarrecht?

Probleme mit einer grünen Wand hatte einer der vielen Anrufer beim jüngsten "Immobilien-Telefon" unserer Zeitung: Die Riesenhecke des Nachbarn raubte seinen Pflanzen den letzten Sonnenstrahl. Doch die nachbarrechtlichen Möglichkeiten scheinen in diesem Fall sehr begrenzt, wie Peter Ohm erläutert. Der Experte ist Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN, Sitz Berlin):

Mein Nachbar hat eine Thuja-Hecke direkt am Zaun stehen, die inzwischen vier Meter hoch ist. Er beschneidet sie nicht, zumal er ja auch von meiner Seite da gar nicht herankommt. Das heißt: Ich muss das immer wieder machen; und der ganze Schnitt bleibt dann bei mir liegen. Er sagt immer nur: "Wenn Sie das stört, dann schneiden Sie es doch ab." Auch Efeu wuchert zu mir herüber.

Das Berliner Nachbarrechtsgesetz besagt, dass Hecken mit einer Höhe von mehr als zwei Metern einen Mindestabstand von einem Meter zum Nachbargrundstück haben müssen. Wenn die Pflanzung noch keine fünf Jahre zurückliegt, können Sie die Zurücksetzung verlangen.

Wenn die Hecke schon älter ist - wofür auch ihre Höhe spricht -, dann gibt es einen Bestandsschutz. Sie können dann nur noch verlangen, dass die Zweige der Hecke nicht über die Grundstücksgrenze herüber wachsen und vom Nachbarn zurückgeschnitten werden.

Wie mache ich das genau? Ich sagte ja, dass er mir das Schneiden einfach überlassen will.

Dazu müssten Sie ihn auffordern - so der richtige rechtliche Weg - und ihm für diesen Rückschnitt eine Frist setzen und eine "Ersatzvornahme" androhen.

Wenn er sich dann nicht daran hält, können Sie die Ersatzvornahme realisieren, wie Sie es ja mit dem eigenhändigen Heckenschnitt auch schon getan haben.

Sie könnten dazu aber auch einen Gartenbaubetrieb kommen lassen und dem Nachbarn deren geleistete Arbeit in Rechnung stellen - aber das verschärft die Lage sicher ungemein. Zumal Sie ihn dann gegebenenfalls sogar verklagen müssten, um wieder zu Ihrem Geld zu kommen. Aber: Unser Verband rät nicht zu solch einem Vorgehen.

Und stattdessen?

Bleiben Sie in mündlichem Kontakt mit dem Nachbarn, erläutern Sie ihm die Rechtslage - und fragen Sie ihn, was er davon halten würde, wenn sein nächster Nachbar an der anderen Grundstücksseite ihn mit einem wuchernden Wald ebenso bedrängen würde.

Habe ich schon mehrfach getan. Er hat vor Jahren einmal seine Hecke beschnitten. Aber inzwischen ist ihm das wohl zu lästig, und er macht gar nichts mehr.

Vielleicht sollten Sie sich - um des nachbarlichen Friedens willen - mit der derzeitigen Situation zufrieden geben. Vielleicht ergibt sich ja mal eine Situation, in der es sich als positiv herausstellt, dass er in Ihrer Schuld steht - etwa wenn er Ihre Zustimmung zu einer Umbaumaßnahme braucht.

Gegen die Höhe der Hecke kann ich nichts unternehmen? Gibt es keinen Zwang, eine Hecke auf ortsübliche Höhe zu stutzen - wenn überall nur zwei Meter hohes Grün steht? Oder über das Thema Verschattung - meine Pflanzen neben der Hecke geraten echt mickrig...

Eine vorgeschriebene Höhe von zwei Metern gibt es in Berlin nur für bauliche Maßnahmen. Also etwa bei dem Holzzaun, mit dem der Nachbar einen Sichtschutz installieren will. Bei Pflanzen dagegen gibt es kein Limit - außer den biologischen Wuchsgrenzen der jeweiligen Pflanzenart.

Auch das Thema Ortsüblichkeit hilft Ihnen da nicht weiter - das gilt ebenfalls nur für bauliche Installationen: Wo es nur einen Meter hohe Maschendrahtzäune gibt, dürfen Sie keine drei Meter hohen Drahttrennungen aufbauen. Aber für Pflanzen gibt es da keine kritischen Regelungen.

Was hat es mit der sogenannten "Brandenburger Drittelhöhe/Drittelregelung" auf sich?

Mit Bäumen außerhalb des Waldes, Sträuchern und Hecken (Anpflanzungen), die regelmäßig auf mehr als zwei Meter Wuchshöhe kommen, ist ein Abstand zum Nachbargrundstück einzuhalten. Und zwar so, dass bei Obstbäumen ein Abstand von zwei Metern, bei sonstigen Bäumen ein Abstand von vier Metern und im Übrigen für jeden Teil der Anpflanzungen der Abstand mindestens ein Drittel seiner Höhe über dem Erdboden beträgt. Der Abstand wird waagerecht und rechtwinklig zur Grenze gemessen.

Der doppelte Abstand ist übrigens gegenüber Grundstücken einzuhalten, die landwirtschaftlich oder erwerbsgärtnerisch genutzt oder nur vorübergehend gerade nicht genutzt werden.

Mehr Tipps folgen am Mittwoch in der Berliner Morgenpost

"Eine vorgeschriebene Höhe von maximal zwei Metern gibt es im Land Berlin nur für bauliche Maßnahmen"

Peter Ohm (VDGN)