Fabrikbauten

Das Fertighaus als moderne Villa

Wände mit fertig montierten Fenstern, Decken und Dachbalken verlädt ein Kran in der Fabrik des Fertighausherstellers Luxhaus im mittelfränkischen Georgensgmünd auf zwei Anhänger. Sattelschlepper werden die Einzelteile des Eigenheims zur Baustelle transportieren, und binnen zwei Tagen können Zimmerleute dort den Rohbau hochziehen.

Dem Haus wird man seine Herkunft kaum ansehen.

"In den vergangenen 20 Jahren haben wir Fertighaushersteller eine enorme Entwicklung bei der Individualität und bei der Materialauswahl zurückgelegt", sagt Geschäftsführer Alexander Lux. Die Vielfalt der Formen, Farben und Baustile bei den modernen Fertighäusern ist groß. Musterhäuser und Kataloge dienen Bauherren zur Orientierung - doch in den Fabriken können aber auch völlig abweichende Entwürfe vom Band laufen.

Nur für die unterste Preisklasse fräst eine Fertigungsanlage Standardbauteile aus dem Katalog zurecht. Die hochwertigen Eigenheime dagegen können die Architekten frei planen, und moderne Konstruktionssoftware ermöglicht die Umsetzung. Diese Daten gelangen dann elektronisch in die Fabrik, der Computer steuert die Bearbeitung der Hölzer. Vollautomatisch kommt das Material aus dem Lager. Für jedes Haus schneiden die Zimmerleute die Maße zurecht.

Nur 60 000 Euro kostet heute oft ein "Ausbauhaus" mit standardisierten Bauteilen. Wer sein individuelles Luxushaus bestellt, muss bis zu 400 000 oder mehr Euro einkalkulieren. Nach einer Statistik des Bundesverbandes deutscher Fertigbau werden inzwischen zwei Drittel aller Eigenheime aus der Fabrik ganz individuell für die jeweilige Baufamilie geplant. "Anders kann man am Markt nicht bestehen. Viele Bauherren wollen Grundstücke mit alten Häusern bebauen, die zuvor abgerissen werden müssen. Da müssen wir das neue Projekt maßschneidern", sagt Hans Volker Noller, Geschäftsführer der Fertigbau Weiss GmbH.

Zum Ausbauen oder ganz hochwertig

Der Markt ist zweigeteilt. "Einerseits sind günstige Ausbauhäuser gefragt. Andererseits steigt die Nachfrage nach höherwertigen Objekten", erklärt dazu auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Fertigbau, Dirk-Uwe Klaas. Im Durchschnitt gaben Bauherren im vergangenen Jahr 170 000 Euro für ihr Fertighaus aus. Einige Hersteller haben Modelle von Stararchitekten wie Frank O. Gehry oder Matteo Thun ins Programm genommen, um neue Käuferschichten anzusprechen.

Mit anspruchsvoller Architektur hat sich auch der Hersteller Baukunst Philipphaus aus Untermünkheim bei Schwäbisch Hall im oberen Marktsegment etabliert. Die Entwürfe des hauseigenen Architekturbüros orientieren sich mit ihrer Formensprache an der Bauhaus-Ästhetik. Die modernen Wohnhäuser kosten auch hier im Durchschnitt 450 000 bis 500 000 Euro.

Philipphaus kombiniert High Tech und Handarbeit. "Dort, wo es die Architektur beeinträchtigt, ist die Vorfertigung tabu. Dann fertigen wir manuell", erklärt Geschäftsführer Christopher Philipp. Bei Decken und Wandelementen aber erlaube die Vorfertigung eine große Präzision. Die meisten Bauten entstehen in Holzbauweise. "Holz ist statisch außerordentlich belastbar, schafft ein angenehmes Raumklima und besitzt hervorragende Dämmeigenschaften", erklärt Philipp. Noch schwören die meisten deutschen Bauherren allerdings auf das "Stein auf Stein"-Bauen. Im Jahr 2007 etwa bestellten ganze 14 Prozent der Häuslebauer ein Fertighaus. "Da gibt es noch Vorurteile, die von den Billigpappschachteln der 60er-Jahre herrühren. Dabei haben heutige Fertighäuser höhere Qualitätsstandards als die Massivhäuser", sagt Klaas. Seit 1980 hat sich der Marktanteil der Fabrikhäuser in Deutschland verdoppelt.

Vor allem ökologisch orientierte Bauherren wissen die Fertighäuser mit den innovativen Dämmmaterialien zu schätzen und kombinieren die sparsame Hülle mit erneuerbaren Energiequellen. Inzwischen integriert ein Viertel der Bauherren der Fertigbaufirma Weiss Erdwärmesonden, und bei Baukunst Philipphaus entschieden sich zwei Drittel für die Heizung aus der Tiefe.

Ökologische Ansprüche der Kunden erfüllen auch die Baumaterialien: Die Fertighäuser der gehobenen Preiskategorie kommen zumeist ohne Chemie aus. Dennoch versprechen die Erbauer lange Haltbarkeit.