Bausparkassen

Zehn Antworten zur Eigenheimrente

Für die im November auf den Markt gekommenen "Wohn-Riester"-Produkte gibt es eine große Nachfrage. Viele potenzielle Häuslebauer haben beispielsweise bei der LBS West schon vorher Vorverträge unterzeichnet, und rund 12 000 Kunden hätten ihr Interesse an den staatlich geprüften und geförderten Altersvorsorge-Produkten bekundet. Sie haben viele Fragen, die noch vor Ende Dezember beantwortet sein wollen - schließlich lockt bei Vertragsabschluss vor 31.12. noch die Riester-Förderung fürs ganze Jahr 2008.

Mit dem am 1. September in Kraft getretenen "Eigenheim-Rentengesetz" kann aber auch eine bereits bestehende Riester-Förderung für die Finanzierung eigener vier Wände genutzt werden. Zugleich können alte Verträge umgewidmet werden. Das wollen bei der LBS West laut Vorstandschef Christian Badde etwa die Hälfte der Anfragenden - sie wollen bestehende Bausparverträge um die neue Eigenheim-Förderung ergänzen.

Diese Landesbausparkasse rechnet 2009 "dank der neuen Impulse" bundesweit mit rund 30 000 zusätzlichen Bausparverträgen - neben den jährlich rund 350 000 ohnehin erwarteten Neuverträgen. Auffällig bei den "Wohn-Riester"-Interessenten sei die hohe Zahl junger Leute, ein Drittel der 12 000 Anfragenden sei jünger als 25 Jahre alt.

Was muss man nun bei den zertifizierten Wohn-Riester-Verträgen beachten, wie funktioniert "Wohn-Riester" und wer kann dieses Modell nutzen? Jochen Maier (Bausparkasse Schwäbisch Hall) beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist Wohn-Riester genau?

Bisher gab es die staatlichen Riester-Zulagen nur für zertifizierte Rentenversicherungen, Fonds- und Banksparpläne. Mit dem neuen Eigenheimrentengesetz steht jetzt das selbstgenutzte Wohneigentum gleichberechtigt neben den anderen Formen der privaten Altersvorsorge und wird in gleicher Weise gefördert. Damit werden auch Einzahlungen, also Spar- und Tilgungsleistungen auf zertifizierte Riester-Bausparverträge förderfähig.

Wer ist förderberechtigt?

Es gelten dieselben Voraussetzungen wie bei den bisherigen Riester-Verträgen: Anspruch auf die Förderung haben nur Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung, pflichtversicherte Selbstständige, Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sowie deren Ehepartner, wenn sie einen eigenen Vertrag haben. Einkommensgrenzen gibt es keine.

Wie hoch ist die Förderung?

Wer vier Prozent aus dem Bruttoeinkommen des Vorjahres auf einem Altersvorsorgevertrag anlegt - maximal 2100 Euro inklusive Zulagen - erhält den vollen Riester-Bonus. Das sind 154 Euro Grundzulage bzw. 308 Euro bei Verheirateten mit zwei Verträgen. Pro Kind gibt es weitere 185 Euro, für jedes ab 2008 geborene Kind sogar 300 Euro Zuschuss. Attraktiv für junge Menschen unter 25 Jahren: Sie erhalten sowohl für neu abgeschlossene wie auch für bestehende Riester-Verträge einen einmaligen Berufsanfängerbonus von 200 Euro.

Wofür dient die Eigenheimrente?

Wer einen Riester-Vertrag bespart, kann drei Viertel oder das gesamte angesparte Kapital für den Bau oder Kauf einer selbstgenutzten Immobilie "entnehmen". Wichtig dabei: Haus oder Eigentumswohnung müssen in Deutschland liegen, nach 2007 gekauft oder fertig gestellt sein. Das Geld kann aber auch für den Erwerb von Wohnungsgenossenschaftsanteilen oder von Dauerwohnrechten, etwa in einem Seniorenheim, verwendet werden.

Kann man so das Baudarlehen tilgen?

Ja. Die staatlichen Zulagen dürfen auch eingesetzt werden, um Restschulden zu tilgen. Dazu wird das bestehende Darlehen in einen Riester-Vertrag umgeschuldet. Voraussetzung ist allerdings, dass die eigenen vier Wände erst nach 31. Dezember 2007 fertig gestellt bzw. gekauft wurden und dass man selbst darin wohnt. Die vollständige Entschuldung eines bestehenden Immobilienkredits mit dem Riester-Ersparten ist erst ab Renteneintritt möglich.

Riester-Guthaben für Wohnungskauf?

Das Guthaben aus einem schon vor Wohn-Riester-Start abgeschlossenen Vertrag darf entnommen und vollständig für die Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie verwendet werden. Für vor Juli 2008 abgeschlossene Riesterverträge gilt allerdings, dass in den Jahren 2008 oder 2009 für eine Immobilienfinanzierung mindestens 10 000 Euro entnommen werden müssen - was wohl die wenigsten Verträge erreichen dürften.

Gilt Riester-Vermögen als Eigenkapital?

Ja. Banken und Bausparkassen erkennen angespartes Riester-Vermögen voll zum Eigenkapital.

Kann ich mit Riester modernisieren?

Nein, das geht leider nicht. Modernisierungs- oder Energiesparmaßnahmen oder auch Umbauten an bestehenden Eigenheimen fallen nicht unter die Riester-Förderung.

Wohn-Riester und Hausverkauf

Wer Riester als Baustein seiner Immobilienfinanzierung verwendet und das Haus später aber verkauft oder vermietet, muss die staatlichen Zulagen zurückzahlen - es sei denn, die Fördersumme wird innerhalb eines Jahres wieder in einem neuen Riester-Vertrag angelegt oder innerhalb von vier Jahren wieder in selbst bewohntes Eigentum investiert.

Wer sein Eigenheim wegen eines beruflich bedingten Umzugs zeitweise vermietet, muss die Förderung nicht zurückerstatten, wenn er die Selbstnutzung spätestens bis zum 67. Lebensjahr wieder aufnimmt.

Muss ich Wohn-Riester versteuern?

Wie alle Riester-Verträge unterliegt auch Wohn-Riester der nachgelagerten Besteuerung. Das heißt: Die eingezahlten Beiträge und Fördergelder sind in der Sparphase steuerfrei, die Auszahlungen im Rentenalter aber steuerpflichtig. Da das mietfreie Wohnen in einer schuldenfreien Immobilie im Alter zwar einer zweiten Rente gleichkommt, aber keine tatsächlichen Zahlungen fließen, hat der Gesetzgeber ein sogenanntes "Wohnförderkonto" eingerichtet.

Dieses Wohnförderkonto bedeutet: Darauf werden das entnommene Kapital und die geförderten Tilgungsleistungen samt Zulagen verbucht und mit jährlich zwei Prozent verzinst. Mit dem Renteneintritt wird dieses fiktive Konto aufgelöst und die Summe einkommensteuerpflichtig. Dann hat man die Wahl: Entweder man zahlt die fällige Steuer jährlich (maximal bis zum 85. Lebensjahr), oder man tilgt zu Rentenbeginn seine gesamte Steuerschuld auf einen Schlag - dann mit einem 30-prozentigen Abschlag.