Wer im Glashaus sitzt... hat ein besseres Klima

Draußen ist es bitterkalt. Dennoch spielen die Kinder ohne dicke Jacke auf der Terrasse, während sich die Eltern im blühenden Garten auf dem Liegestuhl räkeln.

Draußen ist es bitterkalt. Dennoch spielen die Kinder ohne dicke Jacke auf der Terrasse, während sich die Eltern im blühenden Garten auf dem Liegestuhl räkeln. Was derart unmöglich erscheint, ist im "Bio-Solar-Haus" völlig normal.

Dieses Haus ist ein Haus im Haus. Genauer: ein Holzhaus in einem Glashaus. Das Glas umhüllt den Innenbau wie ein transparentes Zelt. Das wirkt luftig, ist aber vor allem eins: behaglich durch das gute Klima. Der gleichnamige Hersteller hat bisher etwa 200 solcher Häuser verkauft.

Aber auf dem Markt der gläsernen Häuser tummeln sich auch andere Wettbewerber: Da gibt es die bekannten Fertigbaufirmen Huf-Haus oder DaVinci, die neben Holzträger viel Glas zeigen, aber auch bei einzelnen Architekten kann man Häuser aus Glas bestellen, wie die Suche im Internet zeigt.

Eigentlich hatten Claudia und Ralf Steinbrügge aus Nümbrecht-Oberbierenbach (Nordrhein-Westfalen) immer von einem Holzhaus geträumt. Doch dann weckte eine Anzeige ihr Interesse für ein Glashaus, das ein Maschinenbau-Ingenieur namens Klaus Becher in der Pfalz erfunden hatte. Sein Ziel: ein Gebäude mit gesundem Raumklima und niedrigen Heizkosten. Aber mit Glas?

Aus Häusern mit einer guten Wärmedämmung, aus denen also möglichst wenig Heizenergie verloren geht, kann Wasserdampf schlecht entweichen. Der aber entsteht in jedem Gebäude durch Kochen und Duschen. "Da fühlt man sich dann wie in einem Joghurt-Becher", sagt Volker Thiele, der die Bio-Glashäuser vermarktet: "Wärmegedämmte Gebäude haben eine kalte Außenhülle." Und genau in dieser kalten Außenhülle liege eine Gefahr: "Der Wasserdampf kondensiert in den Wänden. Sie können nass werden - und kaputt gehen."

Becher löste dieses Dilemma so: Trotz der guten Wärmedämmung dank Zellulose, dem Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden, bleibt die Wand des Innenhauses warm: Dafür sorgt die Sonne, die durch eine Glaskuppel auf den Innenbau scheint und auch - wie in einem Treibhaus - die Luftschicht zwischen Innenbau und Glasglocke erwärmt.

Der Wasserdampf gelangt in diese Luftschicht, ohne zu kondensieren. Von dort kann er dann durch Öffnungen im Dachfirst abziehen. Das Ergebnis: Eine Raumluftfeuchte von weniger als 50 Prozent, ein Klima ohne Hausstaubmilben und Schimmel, reizarm genug für Allergiker.

Wird es im Sommer nicht zu heiß? "Nein. Das verhindert die Zellulose-Dämmung", sagt Thiele. Und sollte es doch einmal wärmer werden als erwünscht, gibt es ja noch den Sonnenschutz und die Lüftungsklappen im Dachboden.

Das System hat seinem Erfinder Becher inzwischen bereits fünf Umweltpreise eingebracht, vom Umweltpreis des Landes Rheinland-Pfalz im Jahre 1995 bis zum Deutschen Solarpreis von Eurosolar, einer gemeinnützigen Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien, im Jahr 2003.

Becher ließ einen Wohnpark in St. Alban bauen - dort kann man die gläsernen Musterhäuser erleben: Eine Schnupper-Übernachtung kostet zwei Personen 58 Euro - ein Angebot, das Claudia und Ralf Steinbrügge in Anspruch genommen haben. "Wir blieben drei Tage und fühlten uns total wohl: mit der warmen Luft, dem warmen Boden und der Sonne, die die Räume durchflutet", berichtet Claudia Steinbrügge.

Nach diesem Wochenende war für die Steinbrügges die Entscheidung klar: Sie wollten für immer in einem eigenen Glashaus leben, unabhängig von Gas und Öl. Und weil sie es auch zu einem großen Teil selber bauen wollten, besuchten sie ein eintägiges Selbstbauseminar. "Die Bauherren können einen großen Teil der Arbeit selbst erledigen, auch ohne besondere handwerkliche Kenntnisse", meint Thiele. Der Hausanbieter übernimmt dann die Planung, Tragekonstruktion, Wärmeisolierung, Baubetreuung und Qualitätskontrolle.

"Wer selbst baut, zahlt etwa 900 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche", sagt Thiele. "Schlüsselfertig muss man mit etwa 1400 Euro/qm einschließlich Wintergarten und Solaranlage rechnen."

Als für die Steinbrügges die Zeit des ersten Spatenstichs gekommen war, ahnten sie nicht, wie lange sich die Bauarbeiten hinziehen würden. "Drei Jahre brauchten wir", erinnert sich Claudia Steinbrügge: "Aber das lag wohl an unserem hohem Anspruch. Es sollte alles sehr ordentlich werden, und wir machten zu zweit fast alles selber."

Claudia Steinbrügge freut sich heute über jede Stunde, die sie hier verbringt, sagte sie: "Der Wintergarten, die Fenster und die Oberlichter machen unser Haus sehr hell." Am meisten genieße sie die Behaglichkeit. Selbst im Winter werde es allein durch die Sonne im Wohnzimmer bis zu 23 Grad warm.