Kunst und Kultur machen Wohnen zum Erlebnis

Ein umgebauter Schweinestall, die Praxis eines Gynäkologen, Gästezimmer eines Weingutes in Franken und das Büro einer Zeitarbeitsfirma in Oldenburg scheinen auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten zu haben.

Ein umgebauter Schweinestall, die Praxis eines Gynäkologen, Gästezimmer eines Weingutes in Franken und das Büro einer Zeitarbeitsfirma in Oldenburg scheinen auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten zu haben. Nicht nur die Nutzungen sind unterschiedlich, auch die Formgebung und Farbwahl der verschiedenen Räumlichkeiten könnten verschiedener nicht sein. Diese Beispiele haben dennoch eine Gemeinsamkeit: Sie gelangten als besonders gelungene Beispiele deutscher Innenarchitektur in das neue Handbuch Deutscher Innenarchitekten 2007/2008. Zum zweiten Mal publizierte der Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) die besten neuen Projekte beim Callwey-Verlag.

Eine Jury bewertete die Qualität der gestalterischen und funktionellen Lösung unter Beachtung von sozialen, psychologischen, künstlerischen und technischen Aspekten. "Besonders gewertet wird der kreative Einsatz von Farbe, Licht und Materialien, der sensible Umgang mit vorhandenem Gebäudebestand, die ästhetische Aussage und der Wert des Gesamtentwurfs für den künftigen Nutzer", erläutert Jutta Kehr, Vizepräsidentin des BDIA, die Auswahl der Projekte.

Die Wirkung der Innenräume auf die menschliche Psyche zieht sich als roter Faden durch das Buch. Wie eine Reise durch Raum und Zeit wirkt ein Rundgang durch die neuen Gästezimmer des fränkischen Weinguts Augustin. Die Karlsruher Innenarchitekten Rudi Kassel und Achim Herzog haben in jedem Zimmer mit einer zeitgemäßen Formensprache eine eigene kleine Themenwelt geschaffen.

Das Zimmer Tropen dekorierten sie zum Beispiel mit modernen Möbeln aus Bambus und künstlerisch gestaltetem Blattwerk. Ganz in Weiß mit futuristischen Möbeln vermittelt der Raum "Space" hingegen echte Weltraumatmosphäre. Mit knallroten Teppichen und Möbeln sowie farbenfroher Tapete versetzt das Zimmer "Pop-Art" in die Siebziger Jahre zurück.

Nur dezente gestalterische Eingriffe hat dagegen die Düsseldorfer Architektin Birgit Schwarzkopf bei ihrem Auftrag vorgenommen. Sie baute die evangelische Kreuzkirche in Düsseldorf-Derendorf um. In den heiligen Hallen waren in den Siebziger Jahren die Decken abgehängt worden. Die Innenarchitektin legte die Gewölbe wieder frei und kreierte ein neues Lichtkonzept. Eine Synthese aus Altem und Neuem ist der Hamburger Innenarchitektin Linn Evert in einem ausgebauten Schweinestall gelungen. Sie kombiniert freigelegte alte Balken mit Glas und Eiche. Die meisten niedrigen Schweineausgänge sind als Fenster oder Türen erhalten. Aus dem alten Stall sind moderne, helle Wohnräume entstanden. Den bewussten Kontrast zwischen Alt und Neu suchten hingegen die beiden Innenarchitekten Gudrun und Johannes Berschneider in ihrem eigenen Haus. Sie haben ihr historisches Fachwerkhaus um einen modernen Anbau ergänzt.

Dessen strenge geometrische Form führen sie innen fort. Im Boden aller Räume und für die Möbel verwenden sie gekalkte Eiche. Der Holzboden verläuft übergangslos in die Terrassenfläche und zur hölzernen Umfassung des Schwimmbades. Neben Dachgeschosswohnungen und Wohnhäusern haben die Juroren aber auch Arztpraxen, einen Musik-Club oder eine Hotelbar als besonders gelungen bewertet.

Handbuch Innenarchitektur 2007/2008, 200 Seiten, Callwey-Verlag, 29,95 Euro