50 000 Euro Strafe für illegale Baum-Fällung

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Wenn eine alte Buche die Terrasse verschattet oder eine dicke Kastanie dort steht, wo man gern ein Gartenhäuschen hätte, greifen manche Hausbesitzer vorschnell zur Motorsäge.

Wenn eine alte Buche die Terrasse verschattet oder eine dicke Kastanie dort steht, wo man gern ein Gartenhäuschen hätte, greifen manche Hausbesitzer vorschnell zur Motorsäge. "Ein Eigentümer darf nicht einfach selbst entscheiden, ob ein Baum gefällt wird", warnt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbandes Deutschland (IVD). Der Eigentümer muss die örtliche Baumschutzverordnung beachten: Viele Bäume stehen unter besonderem Schutz.

Die einzelnen Schutzvorschriften weichen regional stark voneinander ab. Zur Sicherheit sollte man sich immer bei Kommune oder Unterer Naturschutzbehörde erkundigen. Denn :Wer gegen die Baumschutzverordnung verstößt, dem drohen hohe Geldbußen bis zu 50 000 Euro.

Während für ganz Berlin die Berliner Baumschutzverordnung gilt, haben in Brandenburg viele Gemeinden eigene Baumschutzsatzungen erlassen. Eine solche Satzung hat dann immer Vorrang vor der Brandenburgischen Baumschutzverordnung. Teilweise verschärfen örtliche Satzungen die Landesverordnungs-Regeln, manchmal haben sie auch abweichende Inhalte.

Eine Fällgenehmigung hängt davon ab, welche Baumsorte betroffen ist, wie groß oder alt der Baum ist und wann er gefällt werden soll. Während in Brandenburg alle Baumarten von der Schutzverordnung erfasst werden, sind es in Berlin vorrangig Laubbäume. Aber erst ab 60 cm Stammumfang unterliegen Bäume in Brandenburg der Baumschutzverordnung, in Berlin gelten 80 cm.

Innerhalb der Vegetationszeit hat der Schutz von Tieren und Pflanzen Vorrang. Gefällt werden darf in Berlin zwischen 1. Oktober und 28. Februar und in Brandenburg vom 16. September bis 14. März.

Darüber hinaus gibt es in Brandenburg noch eine Besonderheit: Für Bäume auf Grundstücken mit Ein- oder Zweifamilienhäusern gilt die landesweite Baumschutzverordnung gar nicht. Aber: Ausgenommen sind Eichen, Ulmen, Platanen, Linden und Rotbuchen ab 190 cm Stammumfang.

Wer einen geschützten Baum fällen will, muss einen Antrag an die Untere Naturschutzbehörde (Gemeinde) stellen. "Er sollte sein Vorhaben gut begründen", rät Anwältin Simone Engel. Genehmigt wird die Fällung nur, wenn das Grundstück sonst nicht oder nur unter unzumutbaren Beschränkungen genutzt werden kann. Typisches Beispiel ist eine Fällung wegen Baumaßnahmen. "Soll aber nur ein Gartenhäuschen errichtet werden, wird der Eigentümer in der Regel keine Genehmigung erhalten." Eine Genehmigung gibt's meist auch, wenn der Baum zu unzumutbaren Nachteilen führt.

Sofort aktiv werden dürfen - und müssen - Eigentümer, wenn von den Bäumen auf ihrem Grundstück eine Gefahr ausgeht. Droht ein Baum umzustürzen, darf er gefällt werden. Allerdings muss der Besitzer alle Maßnahmen nachträglich bei der Behörde melden und begründen.

In Brandenburg müssen Eigentümer den gefällten Baum oder entfernte Teile nach der Mitteilung mindestens zehn Tage zur Kontrolle bereithalten.

Unabhängig von Baumschutzverordnungen gilt übrigens für Mieter anderes als für Eigentümer: "Mieter, die sich durch einen Baum gestört fühlen, müssen immer den Vermieter bitten, aktiv zu werden. Sie selbst dürfen überhaupt nichts unternehmen", sagt Michael Schick. tr