Baumeister für Berlin: Richard Ermisch schuf China in Spandau

Um diesen ungewöhnlichen Baustil zu beschreiben, musste ein neuer Name her: «Exstasischer Expressionismus» ist das, was Berliner «China in Spandau» nennen. Im Innern ist die Wohnsiedlung Zeppelinstraße ganz normal im Kleinwohnungsstandard der 20er Jahre gehalten. Außen aber stelle die «einzige größere Siedlung des Expressionismus» eine markante Gegenposition zum Neuen Bauen dar, sie zeige einen Kontrast mehrerer Strömungen im damaligen Bauen, meinen die Historiker. Der Baumeister, dem so viel Ehre zuteil wird, ist Richard Ermisch, im Juni 1885 in Halle geboren und im Februar 1960 in Berlin gestorben. Ein Mann, der an vielen Projekten beteiligt war und der vielen Herren in vielen Stilen diente: 1907 bis 1922 war er Architekt des städtischen Bauvereins Charlottenburg, dann folgte die Spandauer Expressionismus-Siedlung (1926/27), drei Jahre später das Strandbad Wannsee im Stil der «Neuen Sachlichkeit», 1935 im Nazi-Stil die Hallen unterm Funkturm. Nach Kriegsende war er Leiter des «Amtes für Stadtraumplanung» und baute 1950 noch ein Bürohaus am Tauentzien.