Baumeister für Berlin: Georg Thoféhrn

Überschaubarkeit und Ruhe herrschen in der Zehlendorfer Karolinenstraße, die von Einfamilienhäusern geprägt ist. Soll in solch einer Umgebung ein Mietshaus gebaut werden, braucht der Architekt Einfühlungsvermögen. Und das hatte Georg Thoféhrn, wie die Berliner Denkmalschützer meinen. Er schuf eine U-förmige Anlage, deren Mittelstück er etwas zurücksetzte, damit genügend «Grünraum» bleibt. An der Wohnanlage selbst gefiel den Bauhistorikern vor allem die Klinkerverzierung an den Giebelkanten und an den Türgewänden; sie erinnert an den Expressionismus der 20er Jahre. Gebaut wurde der Wohnblock 1935/36 - in der Nazi-Zeit also, aber trotz ausgeprägten Satteldachs und anderer Heimatschutz-Anklänge haben die Denkmalexperten doch den Eindruck einer modernen Architektur. Übrigens gilt speziell dieser Siedlungsblock als markantes Beispiel dafür, dass sich das Bauen bis etwa 1937 noch relativ frei an den Grundzügen des Neuen Bauens orientieren konnte. Der Baumeister: Obwohl Georg Thoféhrn von 1927 bis 1936 sieben interessante Gebäude hinterlassen hat und 1954 am Wiederaufbau einer Kreuzberger Kirche beteiligt war, ist in wichtigen Architekturführern über ihn nichts bekannt.