Baumeister für Berlin: Carl von Gontard

Eine der bedeutendsten Berliner Leistungen aus der Übergangszeit vom Rokoko zum Klassizismus ist zwar erhalten, doch der Baumeister würde sie heute vergeblich suchen. Denn errichtet hat Carl Philipp Christian von Gontard die "Königskolonnaden" 1770 bis 1780 nicht an der Potsdamer Straße (Schöneberg), sondern an der ehemaligen Königsbrücke am Alexanderplatz. 1910/11 aber wurde der alte Botanische Garten von dort nach Dahlem verlegt, und Gontards Bau musste dem Ausbau der Stadtbahn weichen. Die geschützten Kolonnaden sind eine "stark rhythmisierte, symmetrische Anlage", an den Außenseiten mit Rundbogenöffnungen. Mitten und Ecken sind pavillonartig ausgebildet und mit Skulpturen auf den Dächern bekrönt. Die in Seehausener Sandstein ausgeführte Anlage wurde in den 1950er Jahren restauriert, wobei manche Plastiken durch Kopien ersetzt werden mussten. Von Gontard leitete einst den Bauhof Friedrichs II., er galt als bedeutendster Architekt der spätfriderizianischen Zeit und entwarf die Kuppeltürme des Deutschen Doms. Seit 1746 - als 15-Jähriger - widmete er sich der Baukunst, war Freund des französischen Klassizismus und wurde in Bayreuth und Berlin ein Lehrer der Perspektiv- und Baukunst. Heute vor 212 Jahren starb er.