Baumeister für Berlin: Paul Thoemer

Als das "Kollegienhaus" von 1735 zu klein für Berlins Rechtspflege wurde, plante man 1909 ein "Kammergericht" in der Elßholzstraße im früheren Botanischen Garten. Hauptelement an der 135 Meter langen Neobarock-Fassade mit figürlichem Schmuck aus schlesischem Sandstein ist der reich verzierte Mittelvorbau, wie er für barocke Schlossanlagen kennzeichnend war, ursprünglich noch bekrönt von einem mächtigen Turm. Für die Belichtung und Belüftung der 500 Innenräume und Flure des Monumentalbaus wurden sieben Höfe angelegt. Das Haus ist denkmalgeschützt - auch wegen seiner Historie: Während der NS-Zeit fällte der berüchtigte Volksgerichtshof 1944 unter Roland Freisler seine Todesurteile. Nach Kriegsende saß hier zuerst der Alliierte Kontrollrat für Deutschland, im Februar 1991 zog wieder das Kammergericht ein, bald auch der neue Verfassungsgerichtshof Berlin. Die Bauleitung 1909 hatte der "Wirkliche Geheime Oberbaurat" Paul Thoemer - ein 1851 geborener Architekt aus Pommern, der zuerst Dezernent für Eisenbahnhochbauten war, bis er ins "Preußische Ministerium für öffentliche Arbeiten" aufstieg. Gestern vor 85 Jahren starb er in Berlin.