Berliner Wiener

Was ist Schauspielen? Was Underground-Kunst? Leben? Fragen, denen Lothar Lambert in seiner Dokumentation "Küss die Kamera!

Was ist Schauspielen? Was Underground-Kunst? Leben? Fragen, denen Lothar Lambert in seiner Dokumentation "Küss die Kamera!" nachgeht. Dokumentation heißt in diesem Fall: Lambert streunt mit der Kamera um den Regie-Kollegen Carl Andersen und den Schauspieler Erwin Leder herum, horcht sie aus, beobachtet das Mit- und Gegeneinander der zwei in Berlin lebenden Wiener. Das ist nicht nur reizvoll für Szenekenner. Denn Lambert versteht es durch manchmal fast böse Fragen, die er mit Naivität tarnt, die Masken von den Kunstfiguren zu reißen. Da werden dann zwei Besessene sichtbar, denen die Liebe zum Kino, zum Spiel vor und mit der Kamera reines Lebenselixier ist.

Wie immer bei Lambert ist auch dies ein Berlin-Film. Wenn er etwa Premierenzombies zeigt, die vor allem ins Kino gehen, um gesehen zu werden, wird dabei auch das Verkrampfte jener Kulturschickeria sichtbar, die sich so gern das Etikett des Anders-Seins anhaftet, aber genauso eintönig ist. Ganz egal, ob man Andersens und Leders Arbeiten schätzt oder nicht, Lamberts Schlaglichter darauf erhellen vor allem die Ernsthaftigkeit der beiden. Da geht einem das Herz auf. Denn hier sind Menschen zu entdecken, die sich nicht darum scheren, ob ankommt, was sie tun, sondern die tun, was sie nicht lassen können. Damit gewinnen sie nicht allein den Respekt des Publikums, sondern sogar dessen Zuneigung. Was sich auf Lambert überträgt. Es ist einfach schön, wie er sich nicht in den Vordergrund spielt, wie er bei aller Neugier nie die Grenze zum Voyeurismus überschreitet. Ganz klar: Er ist genauso ein Besessener wie die von ihm Beobachteten.