Erwin Pelzig kommt ins Kino

"Mit dem Einkaufswagen hat das Elend dieser Welt angefangen. Denn seit es Einkaufswagen gibt, will der Mensch immer mehr haben, als er mit zwei Händen tragen kann.

"Mit dem Einkaufswagen hat das Elend dieser Welt angefangen. Denn seit es Einkaufswagen gibt, will der Mensch immer mehr haben, als er mit zwei Händen tragen kann." Erwin Pelzig, der Mann, aus dessen Mund diese Weisheit stammt, hat den Sündenfall des Kapitalismus durchschaut und doch keine Angst vor der Schlange. Wagemutig erklärt er sich bereit, seinen erkrankten Nachbarn (Peter Lohmeyer) zu vertreten - als Chauffeur des Seniorchefs der Bieger Einkaufswagenfabrik.

Stimmt, den Erwin Pelzig kennen wir schon: Seit etwa zehn Jahren ist die fränkische Unschuld mit der gesellschaftlichen Scharfsicht auf Kabarett-Bühnen, im Radio und im Fernsehen unterwegs. Nun hat Frank-Markus Barwasser, der hinter Pelzig steckt, mit Regisseur Thomas Heinemann beschlossen, auch in die Welt des schönes Kinoscheins einzudringen wie einst Loriot oder Gerhard Polt.

"Vorne ist verdammt weit weg" ist eine Globalisierungs- und Aktienkomödie, die, verpackt in eine desaströse Familienstory, den Zeitgeist vorführen will: Bieger Senior (Philipp Sonntag), ein Mann des guten alten Mittelstandes, droht sein Unternehmen zu entgleiten. Sein Töchterchen und ihr Liebhaber, der Berater Kienze, wollen es fit für den Weltmarkt machen, leiten während eines Krankenhausaufenthaltes von Big Daddy erst einmal eine große Kündigungswelle ein, planen Auslagerungen in die Mongolei und bestellen mysteriöse Chinesen ein. Der trottelige Sohnemann indes will seine Aktienanteile verhökern, um sich damit ein eigenes "Blumen-Leasing-Geschäft" für Trauergäste zu finanzieren.

Pelzig, dem als Depp vom Dienst keiner zuhört, möchte den alten Herrn und sein Unternehmen vor der maroden Sippe retten und plant mit Biegers Mätresse, der kontaktreichen Edelkurtisane "Chanddal" (Christiane Paul), eine Manipulation des Aktienkurses durch Einstreuen von Gerüchten.

Der Film braucht viel Zeit, um diese doch eher einfach gestrickte Handlung mit ihren zahlreichen Protagonisten aufzurollen, so viel, dass der Inhalt im Verhältnis zur Verpackung zu kurz kommt. Kaum jemandem dürfte die angeprangerte Heuschreckenmentalität heute noch fremd sein und an präziserer Satire oder bissigen Dialogen mangelt es leider. Was bleibt ist die so reizvolle wie realitätsferne Idee, die Aktienwelt mit ihren eigenen Mitteln ad absurdum zu führen und etwas stereotype Grundsatzkritik in Form einer behäbigen Familienkomödie.

Bewertung 1/5