Show

Die Stars von Lankwitz

Sich ausprobieren, darstellen, entscheiden: Kindern mit Behinderung fällt das schwerer als anderen. Mit Musik können sie es lernen – und sogar richtig erfolgreich sein

Noch anderthalb Stunden bis zur Show. Jeder weiß, was er zu tun hat. Nur Jerry nicht, er ist mit einem Mal zappelig. Mit seinem bevorstehenden Auftritt hat das allerdings wenig zu tun. Jerry hat eine Frage: „Wann gibt es eigentlich Abendbrot? Und müssen wir das hier unten essen?“ Sein Blick wandert abschätzig durch den Aufenthaltsbereich neben der Bühne, acht Quadratmeter groß und ziemlich provisorisch eingerichtet. Die Nachricht, dass es später ein Büffet geben wird und im Innenhof des Pastor-Braune-Hauses schon Tische stehen, beruhigt ihn schlagartig. Jerry widmet sich wieder seiner Gitarre, mit der man ihn später auf der Bühne neben der Band sehen wird. Spielen kann er sie nicht. Aber was soll’s, für einen guten Showeffekt reicht es allemal.

Es gibt Events, die sind etwas anders als andere. So wie die Show an diesem Maitag im Pastor-Braune-Haus (PBH) in Lankwitz, einer Behindertenhilfe-Einrichtung des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF). 90 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen leben hier, darunter 58 Kinder und Jugendliche. Jerry gehört zu ihnen. Er ist nicht nur Bewohner, sondern auch das kleinste Mitglied der hauseigenen Band „PBH Allstars“. Und die hat heute wieder einen großen Moment.

Unter dem Motto „Mode, Musik und Show“ haben Bewohner und Mitarbeiter des Pastor-Braune-Hauses monatelang designt, geschneidert, gebastelt, komponiert, getextet und geprobt. Ihr Ziel: die Aufführung von „Phönix“, einer Modenschau der besonderen Art. So wie der Feuervogel aus der Asche glanzvoll aufersteht, haben die Kinder und Jugendlichen aus alten, vermeintlich wertlosen Gegenständen etwas Neues geschaffen – fantasievolle Recyclingmode, kreativ und individuell. So wie sie selbst. Den Sozialarbeitern ging es darum, dass sich die Kids ausprobieren, lernen, eigenständig zu entscheiden – und sich selbst darzustellen. Heute ist es soweit. Heute sollen die kostbaren Teile aus Plastiktüten, Glanzpapier und anderen verrückten Materialien und Gegenständen auf dem Laufsteg präsentiert werden, untermalt von den Songs der PBH Allstars.

Während das Designen und Modeln für die Kids eine neue Erfahrung darstellt, gehört die Musik schon lange zu ihrem Leben. Die PBH Allstars gingen aus dem gemeinsamen Projekt „Musik macht Schule“ mit der Freiburger Hip-Hop-Band „Otto Normal“ hervor. Zusammen schrieb man Songtexte, sang sie im Tonstudio ein und trat vor Publikum auf. 2014 spielten die PBH Allstars sogar am Brandenburger Tor, anlässlich der Jubiläumsfeier zum Mauerfall. Eines Tages vor tausenden Zuschauern dort singen zu dürfen, hätte sich anfangs niemand träumen lassen. Auch wenn einige der Jugendlichen jetzt erwachsen sind und nicht mehr im Pastor-Braune-Haus wohnen: Als Band musizieren sie noch immer gemeinsam. Gerade ist die CD mit den neuen Songs für das Projekt „Phönix“ fertig geworden. Wie schon beim ersten Mal entsprangen alle Texte den Köpfen der Bandmitglieder. Auch die Ottos, wie sie liebevoll genannt werden, sind wieder dabei.

14 Monate Arbeit stecken in dem Album. Zweimal musste der Termin für den Auftritt verschoben werden. Deadlines sind im Pastor-Braune-Haus ohnehin nur grobe Richtungsweiser. „Wir richten uns nach dem Lerntempo der Kinder. Der Weg ist das Ziel. Zeitdruck würde ihnen den Spaß nehmen“, sagt Projektleiter Roland Ehlers.

Ein Rückblick zum Jahresanfang: Es ist ein kalter Januartag, doch im Pastor-Braune-Haus flirrt die Luft. Heute werden die fertigen Songs eingesungen. Während ein Teil der Gruppe mit Gesangslehrerin Hae-Kyung Chung noch einmal alle Titel probt, muss einer nach dem anderen in das Aufnahmestudio nebenan. Ein Mischpult, ein Mac mit Aufnahmesoftware und ein höhenverstellbares Mikrofon reichen, um aus dem simplen Aufenthaltsraum ein funktionierendes Studio zu machen. Einer der Ottos, Philip, leitet die Aufnahmen und hilft, das Beste aus jedem herauszuholen.

Toni ist dran. Er soll seinen Teil des Hochzeitssongs und den Refrain einsingen. Es geht um Liebe, den schönsten Tag im Leben vieler Menschen und das Herzschlagen, das mit jenem Ereignis einhergeht. Zukunftsträume, die die Kinder und Jugendlichen des Pastor-Braune-Hauses teilen. Miteinander, aber auch mit den Menschen, die ohne jede Beeinträchtigung und Behinderung leben.

Zielstrebig setzt Toni die Kopfhörer auf, neigt sich zum Mikrofon und blickt Philip erwartungsvoll an. Kein Durchatmen, es kann direkt losgehen. Schwer tut sich Toni mit etwas anderem. Das, was eigentlich romantisch getextet und mit Herz gesungen werden soll, klingt bei ihm teilnahmslos und hölzern: „Ohhhh, so schön ist uns’re Hochzeit, Zärtlichkeit, Vertrautheit, in Ewigkeit.“ Toni soll es noch einmal probieren. „Ich kann mir das einfach nicht vorstellen. Es ist ja nicht so“, versucht er sich zu erklären. „Denk an die wunderschöne Braut in ihrem Kleid“, schlägt Philip vor. Toni prustet los und bekommt rote Wangen: „Neeeee!“

Bloß nicht überfordern

Er ist in etwa in dem Alter, in dem Mädchen nicht mehr pauschal doof sind und Küsse eher aus Tradition heraus als aus echtem Ekel mit einem „Iiihh!“ kommentiert werden. Davon liegt das Heiraten doch recht weit entfernt. Dennoch nimmt er die Ratschläge von Philip an und schafft es, Gefühl in seine Worte zu bringen. Das Blatt mit den Zeilen liegt vor ihm. Brauchten tut er es kaum, er kennt seinen Text auswendig. Nun ist er in Fahrt. Seine Bewegungen werden hastig. Er lächelt, seine Zahnspange blitzt hervor. Als Philip mit allem zufrieden ist, möchte Toni am liebsten gleich den nächsten Song einsingen. Den Text könne er schon. Ihre eigenen Grenzen kennen die jungen Künstler häufig nicht. Philip lehnt dankend ab. Er will Toni nicht überfordern.

Den meisten Band-Mitgliedern der PBH Allstars fällt das Auswendiglernen erstaunlich leicht. Sie bekommen die Melodien auf CD und spätestens nach dem vierten Mal sitzt der Text. Aber es geht noch schneller. Dorian hört ein Lied und kann anschließend über die Hälfte nachsingen, erzählt Philip. Nur die Aussprache müsse dann noch ein wenig korrigiert werden.

Gerade übt Dorian mit den anderen Allstars den Hochzeitssong. Bei Emre hakt es. Er kommt immer wieder aus dem Takt. „Siehste, das kommt davon, weil du letztes Mal wieder nicht bei der Probe warst“, sagt Tahnee, 24. Sie wohnt seit einigen Jahren in einer betreuten WG. Zu den Proben kommt sie trotzdem.

„Ich hatte zu tun“, antwortet Emre und zuckt mit den Schultern. Grundsätzliches muss geklärt werden. „Ich habe das schon einmal gesagt“, ergreift Sozialarbeiter Roland Ehlers das Wort, „wer nicht zu den Proben kommt, der kann auch nicht an den Auftritten teilnehmen.“ Die Gruppe bejaht und nickt. Ob so eine strikte Regelung überhaupt für alle nachvollziehbar ist? „Ich finde das total richtig so“, sagt Tahnee. „Die Proben sind wichtig, damit am Ende alle ihren Teil können. Wer darauf keinen Bock hat, kann halt nicht auftreten. Ist halt so.“ Wieder stimmen die Umsitzenden zu. Regeln geben dem Leben der Kinder und jungen Erwachsenen Struktur, einen roten Faden, an dem sie sich orientieren können.

Aus den regelmäßigen Auftritten der Allstars ist inzwischen mehr als ein Hobby geworden. Sie bekommen für ihre Engagements Geld, jeder zwischen 20 und 50 Euro pro Auftritt, sagt die Gesangslehrerin. Davon lässt sich kein Lebensunterhalt bestreiten, aber darum geht es auch nicht. Es gibt ihnen ein Gefühl von Wertschätzung. Jene Anerkennung, die ihnen unter anderen Umständen ein Beruf hätten bringen können.

Vier Monate später ist es so weit.

Zwei Aufführungen an zwei Tagen stehen an. Heute sind Sponsoren, Eltern und die Presse eingeladen. Gestern war die Generalprobe. Es ging chaotisch zu. Manchmal funktionierte der Ton nicht, ein Film, der eigentlich auf eine Leinwand auf der Bühne projiziert werden sollte, wollte nicht anspringen, und dann gab es auch noch Zank hinter der Bühne. Wo doch eigentlich alle mucksmäuschenstill sein sollten.

Die Aufführung findet in der Mehrzweckhalle des Pastor-Braune-Hauses statt, einem großen Saal. Im hinteren Bereich steht die Bühne. Sie ist mit schwarzem Stoff und Vorhängen ausgekleidet. Für den Auftritt wurde extra ein Laufsteg angebaut. An dessen Ende stehen der Tisch mit der Technik und die Scheinwerfer. Tageslicht fällt durch die große Fensterfront auf der linken Seite mit Blick auf den Garten. Neben der Bühne schaffen Vorhänge zwei Aufenthaltsbereiche für die Sänger und die Models. Hier werden sie zwischen den Auftritten warten. Stuhlreihen säumen den Laufsteg und füllen den restlichen Saal aus.

Vor der Aufführung wird noch einmal geprobt. Aber vorerst heißt es warten. „Otto Normal stecken im Stau auf der Autobahn fest“, berichtet Roland Ehlers. Auch von den PBH Allstars sind zwei Stunden vor dem Auftritt noch nicht alle eingetroffen. Sie trudeln nach und nach ein, einige der Jungs im Hemd, einer dunklen Sonnenbrille und reichlich Parfüm. Jeder Neuankömmling löst freudiges Gejohle beim Rest der Gruppe aus.

Emre trägt heute eine normale Brille. Jerry, der kleinste der Band, eilt auf ihn zu: „Hallo, Herr Doktor“. Aufgeregt schnattert der Rest durcheinander. Lampenfieber will aber keiner von ihnen haben. Man diskutiert hitzig über die Zugabe. Die Mehrheit ist für den „Pizza-Song“. Einige strecken den Zeigefinger in die Höhe, machen eine Drehbewegung und rufen dabei: „Pizza, Pizza!“

Endlich sind die Ottos da. Wieder lautes Gejohle, die Kinder springen auf, rennen überfallartig auf die Bandmitglieder zu. „Welchen Zugabe-Song spielen wir nachher?“ Und ob nun endlich die Probe anfinge. Roland Ehlers bittet darum, die Band doch erst einmal ankommen zu lassen. „Wie wäre es, wenn ihr schon mal in euren Bereich hinter der Bühne geht?“, schlägt Peter, der Rapper der Band, vor. Die Kids rennen los. Das ist der Trick, um alle bei Laune zu halten. Wie an Lianen gilt es, stets von einer Aufgabe zur nächsten zu schwingen. Stillstand bedeutet Unruhe.

Da ist es vielleicht sogar ein Vorteil, dass es für zehn Sänger nur drei Mikrofone gibt. Gesangslehrerin Hae-Kyung Chung geht mit jedem Bandmitglied ein letztes Mal durch, wann das Mikrofon weiterzureichen ist und an wen. Im Hintergrund läuft der Soundcheck. Ein neuer Impuls, dahin ist die Konzentration. Bässe übertönen die zarte Stimme der Gesangslehrerin. Was eben noch klar war, ist bei manchen jetzt schon wieder vergessen. Hae-Kyung Chung bleibt gelassen, bittet um Aufmerksamkeit. Noch einmal von vorn.

Wie ein Sack Flöhe

Es ist wie einen Sack Flöhe zu hüten, werden es später einige Betreuer und Eltern beschreiben. Aber die Flöhe meinen es nicht böse und so nimmt es ihnen keiner übel.

Die letzte Probe vor der Show beginnt. Im Wechsel treten die PBH Allstars und die Models auf. Philip von Otto Normal begleitet die Sänger, rappt und singt mit, achtet darauf, dass keiner seinen Einsatz verpasst. Er hilft auch aus, wenn der Text mal nicht parat ist. Der studierte Sozialarbeiter agiert heute als eine Art Dirigent. Einmal steigt er an der falschen Stelle ein: „Scheiße, ich war falsch. Noch mal ab ‚Es ist verrückt‘.“

Die Kids lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Als wäre nichts geschehen, singen sie auf Peters Zeichen weiter. Die Models stecken noch nicht in ihren Kostümen, üben aber noch einmal den Gang über den Laufsteg und die Pose am Ende. Tahnee kratzt nach dem zweiten Lied der Hals. Egal ob Probe oder Auftritt, sie gibt immer alles. Auf der Bühne achtet sie darauf, dass keiner aus der Reihe tanzt und dass das Mikrofon rechtzeitig weitergereicht wird. „Sie kümmert sich immer sehr um ihre Mitmenschen. Ein bisschen wie eine Mutter“, sagt ihr Vater, der heute zum Auftritt gekommen ist, „so war sie schon immer“. Omye Abbass ist alleinerziehend. Tahnees Mutter hat ein neues Leben in Italien begonnen. Umso wichtiger ist es Tahnee, den Vater bei jedem Auftritt dabeizuhaben. Diesen Gefallen tut er ihr gern. Omye Abbass musiziert selbst, spielt in verschiedenen Bands. Als Tahnee noch klein war, versuchte er, sie mit Instrumenten an die Musik heranzuführen. Doch ihre Behinderung machte es ihr unmöglich, ein Instrument zu lernen. Erst die PBH Allstars boten den richtigen Weg für sie. Endlich könne sich Tahnee für Musik begeistern. Auch Omye Abbass ist begeistert: „Es macht mich stolz, wenn die Kinder selbstbewusst und mit Energie von der Bühne gehen.“

Kraft tanken

Der letzte Durchlauf vor der Show ist vorbei. Roland Ehlers wirkt erleichtert. „Das war so viel besser als gestern bei der Generalprobe“, lobt er, klopft auf Schultern und lächelt zum ersten Mal an diesem Tag. Nicht ganz eine Stunde noch, bis es losgeht. Pause, Kraft tanken. Die Protagonisten verstreuen sich in alle Richtungen. Die Models müssen zum Umziehen und in die Maske, andere gehen raus, schnappen frische Luft. Einer der älteren Sänger hantiert mit einer Schachtel Zigaretten. Nebenbei bereitet das Küchenpersonal den Sektempfang vor.

Die ersten Gäste kommen. Es wird Zeit, sich hinter der Bühne bereit zu machen. Ein letztes Mal stellen sich alle in einen Kreis und legen die Arme auf die Schultern der Nachbarn. Peter stimmt an: „PBH!“ Die Gruppe antwortet: „Allstars!“. Die Stimmung gleicht der vor Anpfiff eines WM-Fußballspiels. Nun sei sie doch etwas aufgeregt, gibt Tahnee zu. Voll ist der Saal nicht, aber das macht nichts, die Stimmung ist gut. Die Helfer und Spender des Projekts, der Förderverein des Pastor-Braune-Hauses, die „Kinder in Not“-Stiftung und eine Investmentbank, eröffnen die Veranstaltung mit zwei Reden. Ohne ihre finanzielle Unterstützung wäre „Phönix“ ein Wunschtraum geblieben.

Auf warme Worte folgen Bässe, der „Ballermann-Song“. Das Publikum lässt sich nicht lang bitten und klatscht mit. Es geht um Party, Status und die vermeintliche Coolness schmuckbehangener Rapper: „Goldring bling bling – Brilli Brilli Brilli, wir baden in Martini und sind schicki-schicki-micki.“ Dazu gibt es die passenden Hip-Hop-Bewegungen, gesehen im Fernsehen und mit Choreografin Jana einstudiert.

Alles im Takt

Die lange Vorbereitungszeit zahlt sich aus, alles ist im Takt der Musik. Und wer doch einmal den Anschluss verliert, muss nur auf Peter gucken. Der steht im dunkelblauen Anzug mit breitem Nadelstreifenmuster neben der Bühne, in der rechten Hand dicht am Mund das Mikrofon, während der linke Arm als übergroßer Taktstock fungiert. Er folgt einer ganz eigenen Choreografie. Einer, die ihm als Musiker und Coach alles abverlangt. Am Ende werden ihm Schweißperlen auf der Stirn stehen.

Nun sind die Models an der Reihe. Jungen und Mädchen führen die selbst gestalteten Kleidungsstücke vor. Der erste Schritt durch den Vorhang auf die Bühne kostet Überwindung. Ein kurzes Innehalten, der Blick schweift durch das Publikum. Es folgt, was jedem Bühnendarsteller zu wünschen ist: Der Moment des Genusses stellt sich ein. Angespornt vom Klatschen und der Musik geht es den Laufsteg hinunter. Die Hobby-Models stolzieren, flanieren und tanzen, jeder in seinem Tempo. Gemusterte Plastikanzüge folgen auf bunte Kleider mit bauschigen Röcken. Hocherhobenen Hauptes tragen sie, was mit den ursprünglichen Plastiktüten, Kronkorken und Silberfolienschnipseln nichts mehr gemein hat.

„Schuhe von Versace, da haut’s dich aus den Latschen raus“, heißt es im Song „Baby, mach dich schick“. Da ist er wieder, der Wunsch nach käuflichem Status und Anerkennung, auf die Spitze getrieben in den Zeilen: „Die anderen Gäste sind von unserem Swag fasziniert. Ich zahl die zehn Gänge mit der American Express.“ Fast harmlos wirken dagegen die Gedankenspiele im Song „Zeitmaschine“, der sich mit der Zukunft beschäftigt. Von Schnitzel zum Trinken und einer Welt ohne Krieg ist die Rede.

Tahnee ist mit ihrem Solo dran. Nach wenigen Worten bricht die 24-Jährige ab, sie weiß nicht weiter: „Scheiße!“ Hat sie sich zu viel Druck gemacht? Ihr Gesicht läuft rot an und sie schlägt die Hände vor die Stirn. Doch Peter ist sofort zur Stelle. „Nicht schlimm, wir fangen noch mal an“, sagt er zu ihr und beginnt halb singend zu zählen. Diesmal klappt alles. Tahnee strahlt wieder. Ihr Vater hat währenddessen keine Miene verzogen. Er findet: „Texthänger passieren sogar Profis. Da ist nichts Schlimmes dran.“

Der Auftritt findet seinen Höhepunkt im „Hochzeits-Song“. Träume von der großen Liebe, vielleicht mal Kinder kriegen und der Hochzeitsfeier verwandeln sich in Musik. Das Publikum schunkelt und summt mit. Ergin, der gerade noch über die ultimative Coolness gerappt und als einziger einen kleinen Breakdance hingelegt hat, wischt sich Tränen aus den Augen. Tahnee legt den Arm um ihn. Gemeinsam singen sie noch einmal so laut sie können. Dann ist der Auftritt vorbei. Models, Band und die Ottos drehen noch ein einige Runden auf dem Laufsteg und genießen den Applaus.

Jerry springt energiegeladen von der Bühne. Er strahlt über das ganze Gesicht. Es scheint, als sei er ein bisschen gewachsen.