Berliner helfen

Platz für Engagement im Kiez

Koepjohann’sche Stiftung bietet Räume für Nachbarschaftsinitiativen

Der ungebrochene Zuzug nach Berlin macht aus früher eher wenig attraktiven Stadtteilen Trendviertel, Wohnungen werden verkauft und modernisiert, die Mieten steigen. Cafés und Läden schließen, andere öffnen, neue Nachbarn verändern das Straßenbild. Und mit den sanierten Häusern wird nicht nur das Gesicht eines Viertels umgestaltet, sondern auch die Struktur der Mieter und Ladeninhaber wechselt. „So ist es auch bei uns in der Spandauer Vorstadt. Nicht nur Mieter und Geschäfte, auch gemeinnützige Organisationen ziehen weg. Die sozialen Netze und die Umgebung verändern sich ständig. Wir wollen hier in einer Zeit des Umbruchs einen verlässlichen Treffpunkt schaffen, der nicht gleich wieder weg ist sondern bleibt“, sagt Christian Höpfner, Leiter des Kieztreffs der Koepjohann‘schen Stiftung. Die Koepjohann‘sche Stiftung will in Zeiten des Umbruchs für Konstanz in der Spandauer Vorstadt im Bezirk Mitte sorgen. Ihr Kieztreff bietet sozialen Initiativen und ehrenamtlichen Angeboten Räume in begehrten Lagen an.

Viele kleine Initiativen nutzen in regel- oder unregelmäßigen Abständen die behindertenfreundlichen Räume in der Großen Hamburger Straße 29 in unmittelbarer Nähe zur Sophienkirche: Es gibt einen Trauertreff für verwaiste Eltern. Die anonymen Alkoholiker kommen regelmäßig zusammen genauso wie Eltern mit Krabbelkindern und die Angehörigen Demenzerkrankter sowie Gruppen, deren Mitglieder selbst unter Demenz leiden. Jeden Montag trifft sich die Gruppe „Offenes Zeichen“ angeleitet von einer Ehrenamtlichen. Der kleine Raum bietet Platz für 15, der größere für 20 Personen. Beide Räume stellt die Stiftung interessierten Nutzern zur Verfügung. „Für soziale Veranstaltungen, die dem Stiftungszweck entsprechen, gerne auch gratis“, erklärt Christian Höpfner.

Das Begegnungszentrum in der Spandauer Vorstadt ist nur ein Bruchteil dessen, was die Koepjohann‘sche Stiftung in dem Kiez anbietet: Ehrenamtliche Helfer besuchen alleinstehende, pflegebedürftige ältere Berliner oder unterstützen beim Projekt Känguru Mütter, die nach der Geburt ihrer Kinder mit der neuen Situation überfordert sind. Der Frauentreffpunkt Sophie in der Nähe des Bahnhof Friedrichstraße bietet Frauen Schutz und Ruhe für Frauen in Notlagen. Hier finden sie Hilfe bei der Suche nach einer Unterkunft, werden in rechtlichen Fragen beraten, können sich waschen und bekommen saubere Kleidung.

Hilfe für Frauen und Kinder

Denen helfen, die in Not sind, ist schon seit 222 Jahren das Motto der Koepjohann‘schen Stiftung. Sie wurde 1792 durch das Testament des kinderlosen Schiffbaumeisters Johann Friedrich Koepjohann gegründet, um arme Witwen und Waisen aus der Spandauer Vorstadt zu unterstützen. Das ehemalige Armen-Institut hat sich dank vieler unermüdlicher Helfer in über zwei Jahrhunderten zu einer modernen karitativen Einrichtung entwickelt. Insgesamt fünf Gebäude auf dem ehemaligen Werftgelände am Schiffbauerdamm bilden dabei den Grundstock für das Vermögen der Koepjohann‘schen Stiftung. Im Eckgebäude direkt an der Spree ist die bekannte Kneipe „Ständige Vertretung“ für Rheinländer im Berliner Exil.

Die Immobilien beherbergen Restaurants, Büros, Praxen und Wohnungen, durch die Mieteinnahmen finanziert sich die Stiftung. Von dem Geld werden nicht nur die eigenen Vorhaben finanziert – sondern außerdem noch weitere Projekte anderer gemeinnütziger Organisationen unterstützt wie Patenschaften für Kinder von Suchtkranken, Obdachlosenarbeit für Jugendliche oder ein weiteres Frauenzentrum. „Wir würden uns freuen, wenn wir bald in unseren Räumen neue Gäste begrüßen dürfen, die den Kieztreff noch mehr mit Leben füllen“, sagt Christian Höpfner. Die Räume des Kieztreffs werden bei der sozialen immowelt.de-Initiative „verändere Deine Stadt“ angeboten.

„Natürlich stellen wir die Räume in den freien Zeiten auch für private Feierlichkeiten oder für kommerzielle Nutzungen zur Verfügung“, erklärt Christian Höpfner. Wer in dem Gebäude an der Großen Hamburger Straße zwischen jüdischem Friedhof und Gymnasium, katholischem Krankenhaus und evangelischer Kirche seinen Geburtstag, Kinderfeste oder die Taufe feiern will, ist herzlich willkommen, muss allerdings einen geringen Anteil für die anfallenden Betriebskosten und die Nutzung der Räume zahlen.