Berliner helfen

Mozart für den guten Zweck

Lions Club: Berlin-Wannsee organisiert seit 20 Jahren Benefizkonzerte, um Spenden für Kinder in Berlin zu sammeln

Die Sopranistin Hulkar Sabirova hat sofort ja gesagt: „Es ist doch fantastisch, wenn man Kindern helfen kann, die sich nicht selbst helfen können“. Sie wird beim Benefizkonzert des Lions Clubs Berlin-Wannsee am 27. April in der Deutschen Oper die Arie der „Königin der Nacht“ singen. Es ist die 20. Benefizgala, die der 1994 gegründete Lions Club mit seinen 24 Mitgliedern organisiert. In diesem Jahr steht Mozart auf dem Programm, das Orchester der Deutschen Oper und alle Künstler treten ohne Gage auf, Sponsoren ermöglichen den anschließenden Empfang und die Erlöse gehen in diesem Jahr an das Kinderhaus Bolle in Marzahn. „Also manchmal ist das schon schwer, wenn sich so eine kleine Truppe etwas so Großes vornimmt“, meint Paul Dillinger, der vor 20 Jahren zu den Wannseer Lions kam und die Idee zu dem Benefizkonzert hatte - durch einen Freund bei der Oper. „Wir fingen ganz klein an, mit fünf Blechbläsern im Konzerthaus am Gendarmenmarkt“, erinnert sich der 64jährige. Schon das erste Konzert wurde ein Erfolg, es folgten zehn weitere ausverkaufte Galas am Gendarmenmarkt, einmal konnte sogar Loriot als Moderator gewonnen werden.

„Ich war anfangs sehr skeptisch, was die Konzerte betraf“, gibt Christian Bolstorff zu. Der 72 Jahre alte Zahnarzt ist Gründungspräsident des Lions Clubs Wannsee, der damals wie heute großen Wert darauf legt, nicht einfach das Scheckbuch zu zücken, sondern durch die Konzerte und andere Aktivitäten wie Golfturniere und einen Weihnachtsmarkt „zu erarbeiten, was wir ausgeben“. Im Vordergrund steht dabei - wie auch bei den übrigen 33 Lions Clubs in Berlin - die Förderung des Gemeinwohls - in diesem Fall die Unterstützung benachteiligter Kinder in Berlin. Eine Million Euro Spendengelder haben die Wannseer Lions-Freunde, wie sich die Mitglieder nennen, seit Gründung des Clubs ausgeschüttet. „Wir versuchen, Projekte anzuschieben, die sich dann möglichst selbst tragen“, sagt Bolstorff, der als Mitinitiator und Vorsitzender des 2001 gegründeten Vereins „Berliner Hilfswerk Zahnmedizin e. V.“ Obdachlose und Suchtkranke ehrenamtlich zahnmedizinisch behandelt und dafür gerade mit der Ewald-Harndt-Medaille der Zahnärztekammer Berlin für herausragendes soziales Engagement ausgezeichnet wurde.

Die meist beruflich erfolgreichen Mitglieder von Lions Clubs - in Deutschland sind das mehr als 30.000 - nutzen ihr Fachwissen und Netzwerk, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Wo wir können, bringen wir uns selbst ein: der Rechtsanwalt berät Straßenkinder, die schwarz gefahren sind, der Arzt kümmert sich um die Versorgung von Menschen ohne Versicherung“, erzählt Paul Dillinger. Auch für die Organistion des Benefizkonzerts müssen alle Mitglieder mit anpacken, ihre Kontakte nutzen und Freunde mobilisieren, wenn es zum Beispiel um das Gewinnen von Sponsoren und Moderatoren - in diesem Jahr übernimmt das Moritz Freiherr Knigge, den Kartenversand und die Einlasskontrolle am Abend geht. Die Lions-Freunde hoffen auf ein volles Haus in der Deutschen Oper, der Konzerterlös geht an den Verein Straßenkinder e.V., der in Marzahn das Kinderhaus Bolle betreibt, eine „Bildungstankstelle“ für Kinder in dem von Hatz IV-Empfängern und zerrütteten Familienverhältnissen geprägten Umfeld.

„Wir sind ein Club der anpackt, kein elitärer Verein“, betont Gründungspräsident Christian Bolstorff. „Bei uns ist der Handwerker willkommen, es muss nicht der Innungsmeister sein.“ Die Aufnahme erfolgt auf Vorschlag eines anderen Mitgliedes. Es gibt ein halbes Jahr Probezeit, in der sich der Aufnahme-Ausschuss und der Anwärter ein Bild machen, ob man(n) zueinander passt, denn der Lions-Club Wannsee ist ein reiner Herrenclub. „Aber unsere Damen sind immer willkommen und sie helfen auch für das Konzert kräftig mit“, versichert Paul Dillinger. Ganz ohne weibliche Unterstützung geht es eben auch beim Old Boys Network nicht...