Jung geblieben

Elisabeth Griewank, 65, ging als Granny Au Pair nach England. Jetzt zieht es sie nach Südamerika

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Sie ist ihr Leben lang mit leichtem Gepäck gereist. Australien, USA, England - beinahe zwanzig Jahre lang hat Elisabeth Griewank, 65, ihre Zelte immer dort aufgeschlagen, wo ihr Mann, ein renommierter Mathematik-Professor, eine Stelle fand.

Und ausgerechnet jetzt, da ihre eigenen vier Kinder aus dem Haus sind und sich das Paar ein Eigenheim im grünen Altglienicke gekauft hat, hat Elisabeth Griewank wieder das Fernweh gepackt.

Einmal mit 64 Jahren als Au Pair ins Ausland gehen. Abstand gewinnen, die Zeit nutzen, um sich darüber klar zu werden, wie es jetzt weitergehen soll, im letzten Drittel des Leben: Das waren Fragen, die sich die freiberufliche Englisch-Lehrerin gestellt hat.

Sie sitzt in einem roten Sessel, ein fein geschnittenes Gesicht hinter einer randlosen Brille, die ihr dekorativ auf die Nasenspitze rutscht, wenn sie in ihren Papieren blättert. Nach drei Monaten in der englischen Universitätsstadt Cambridge ist sie wieder zurück. Wie das denn gewesen sei, mit 65 Jahren in einem dienstboten-ähnlichen Angestellten-Verhältnis, ohne Bezahlung, nur gegen Kost und Logis? Sie winkt ab. Alles kein Problem, sagt die gebürtige Bremerin. Cambridge kannte sie schon. Sie hat dort mit ihrer Familie schon einmal gelebt. Viele Museen, viele Theater, Menschen, die aus allen Teilen der Welt kommen. An so einem Ort fühlt sie sich gleich wie zu Hause.

Die Mutter ihrer Gastfamilie, eine Unternehmensberaterin, war vorab zufällig mit den Kindern in Berlin, und man traf sich zum tea for two. Elisabeth Griewank sagt, das unterscheide die reifen Au Pairs vielleicht von den jungen, die nach dem Abi ins Ausland gingen. Sie suchten sich ihre Gastgeber sorgfältiger aus. Sie hatte ihre Familie über die Hamburger Organisation Granny Aupair gefunden, die seit dem Jahr 2010 über 1000 Frauen ab 50 Jahren in 40 Länder vermittelt hat.

Elisabeth Griewank hat Glück mit ihrer Familie gehabt. Sie sagt, der Job habe ihr sogar noch genug Luft gelassen, um neue Bekanntschaften zu schließen, eine Steppdecke für Enkelkind Nr. 5 zu quilten und die Route für die nächsten Jahre abzustecken: Elisabeth Griewank und ihren Mann zieht es jetzt nach Südamerika. Schon in Cambridge hat sie damit begonnen, sich Portugiesisch „reinzubimsen“.