Hilfsangebote

Für eine Nacht nicht auf der Straße

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Petra Götze

Kontakt- und Beratungsstelle KuB bietet obdachlosen Jugendlichen Hilfe und einen Schlafplatz. Ein Theaterprojekt eröffnet neue Perspektiven

Vor der Tür parkt ein ziemlich in die Jahre gekommener Kleinbus mit gegenüberliegenden Sitzbänken. „Konnten wir mit einer Spende gebraucht vom Zoll kaufen. Damit fahren wir in den Görlitzer Park oder an den Alex“, erklärt Robert Hall. Im Kofferraum: Zahnbürsten, verpackte Hygieneartikel, Schwangerschaftstests und belegte Brote. „War früher nicht nötig, aber der Hunger nimmt zu, weil beim Schnorren nichts mehr zu holen ist“, hat Hall, langjähriger Leiter der Kontakt- und Beratungsstelle KuB in Charlottenburg beobachtet. Viele Jugendliche seien regelrecht mangelernährt. „Die meisten haben aber auch schon vorher in ihren Familien nie eine richtige Mahlzeit kennengelernt“, meint der Sozialarbeiter. Deshalb wird bei KuB immer Donnerstags von Ehrenamtlichen gekocht und gemeinsam im gemütlichen Aufenthaltsraum gegessen. „Die Jugendlichen sollen sich bei uns wohlfühlen, sonst kommen sie nicht wieder und wir können ihnen nicht helfen“, sagt Dietrich Fenner, Vorsitzender des Berliner Jugendclubs, der als Träger der freien Jugendhilfe die Kontakt- und Beratungsstelle betreut betreut und sich um die Finanzierung kümmert. Der schlichte Containerbau am Ende der Fasanenstraße Ecke Einsteinufer ist eine Art Außenstelle des Jugendamtes. „Aber das sollen die Jugendlichen nicht merken“, meint Robert Hall. 14 pädagogische Fachkräfte kümmern sich um die jungen Menschen zwischen 13 und 20 Jahren, die meist schon „das ganze Alphabet der Jugendhilfe durch haben“, wie er sagt. Sie sind aus Heimen, Pflegefamilien oder von Zuhause weggelaufen, weil sie misshandelt wurden oder Eltern haben, die unfähig sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. „Da muss schon viel passieren, bevor jemand am Bahnhof Zoo landet“, sagt Hall. Der Mythos „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wirke immer noch. Die Hälfte der jugendlichen Herumtreiber käme aus Berlin, die andere aus dem gesamten Bundesgebiet, der Schweiz und Österreich. 1.200 Jugendliche, im Sommer mehr als im Winter, werden im Jahr von KuB versorgt.

Wer in der Notübernachtung nebenan einen der 16 Schlafplätze für die Nacht erhält, bekommt ein Abendessen und am nächsten morgen ein Frühstück, eine Dusche und Wechselwäsche. Die Schlafräume mit maximal drei Betten sind in freundlichen, hellen Farben gestrichen - nichts ist beschmiert oder bekritzelt. Die jungen Obdachlosen dürfen ihre Haustiere mitbringen, müssen sich aber an die Regeln halten: Keine Gewalt, keine Waffen, keine Drogen im Haus. Donnerstags gibt es kostenlose Rechtsberatung, Ärzte kümmern sich ehrenamtlich um die medizinische Versorgung. Vorrang vor allem hat die Sozialarbeit: „Wir wollen sie von der Straße bekommen“, betont Hall. Dazu trägt das Theaterprojekt bei: drei Monate lang wird geprobt, dreimal die Woche mit Essen und Übernachtung. Dann wird das Stück öffentlich vor Zuschauern aufgeführt und es gibt Applaus für die jugendlichen Darsteller - für viele das erste Erfolgserlebnis in ihrem Leben.