Jung geblieben

Manfred Krüger, 73, wechselte von seinem Leben als Justizvollzugsbeamter in die Filmbranche

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Neulich rief eine Agentur an. Ob er Zeit habe, einen Werbespot für einen Telefonanbieter zu drehen?

Es gäbe da aber ein Problem. Er müsse nämlich reiten. „Mit oder ohne Sattel?“ „Mit, aber der Gaul ist 1,80 Meter groß.“ „Okay, dann bringe ich eine Trittleiter mit.“

Typisch Manfred Krüger. Passt nicht, gibt es nicht in seiner Welt. So hat es Krüger, 73, schon gehandhabt, als er noch mit beiden Beinen im Berufsleben stand, erst als Fliesenleger und Ofensetzer, dann als Beamter der JVA Tegel, Europas größter Justizvollzugsanstalt. Und so hält er es auch, seit er mit sechzig Jahren in den Ruhestand ging. Wobei Ruhestand eigentlich nicht das richtige Wort sei, sagt Krüger. Er sitzt im Wohnzimmer seines Einfamilienhauses in Britz und legt eine dicke Mappe mit Fotos und Zeitungsausschnitten auf den Tisch. Sie zeigen, was Manfred Krüger alles gemacht hat, seit er vor dreizehn Jahren seine Uniform als JVA-Beamter auszog. Seither arbeitet er als Komparse für Werbe-, TV- und Kinofilme. Rund 30 Filme hat er gedreht. Die meisten Rollen sind ohne Text. Die Kamera streift nur kurz sein Gesicht. Er war einer der Nazi-Offiziere in „Inglorious Basterds“, die sich aus einem brennenden Kino retten mussten. Er saß eine Woche lang mit anderen eingepfercht in einer Boeing 737 und empfand nach, was die Passagiere der 1977 entführten „Landshut“ erlitten, bevor sie nach fünf Tagen befreit wurden. „Mogadischu“ hieß der ARD-Thriller.

Man findet Krüger über Starboxx und sieben andere Berliner Agenturen. Zur Filmerei sei er zufällig gekommen, sagt er. Ein Kumpel aus der Sauna habe ihm davon vorgeschwärmt. Davon, dass ihm jeder Film die Tür zu einer anderen Welt öffne. Dass er Erfahrungen mache, die er sonst nie gemacht hätte. Die Arbeit als Abenteuer.

Krüger sagt, er mache das, so lange seine Frau Gisela keine Probleme damit habe. Sie sind seit 43 Jahren verheiratet. Er grinst sie verschmitzt an: „Müsste ich mich eines Tages entscheiden: Ehe oder Filmerei, ich würde natürlich die Ehe nehmen.“