Jung geblieben

Axel Neukum, 71, liebt es, Neues auszuprobieren. Ihm fehlt nur eines: Enkelkinder

Es soll Menschen geben, die eine To-Do-Liste schreiben, bevor sie sich dazu durchringen können, etwas Neues anzufangen.

Axel Neukum gehört nicht dazu. Planen, das sei nicht so sein Ding, sagt der Finanzcontroller im Ruhestand. Warum auch. Das Leben, es sei ja so etwas wie eine Schachtel Pralinen. Und woher solle er heute schon wissen, worauf er morgen Appetit hat?

Das ist sein Credo. Damit ist Neukum bisher gut gefahren. Sonst würde er jetzt nicht durch die 2. Etage des Museums für Kommunikation federn, ein sportlicher Siebziger in Sneakern, dunklen Sweatshirt und Canvas-Jeans. Er gehört zu den 33 Senioren, die Besuchergruppe ab 1. April durch einen Parcours von Geräten lotsen werden, an denen man ausprobieren kann, wie sich das Älterwerden anfühl. Axel Neukum – ein lebendes Exponat, wenn auch eines, das nicht dem Klischee des Rentners entspricht. Darum hat ihn das Museum ja ausgewählt.

Axel Neukum joggt. Er hat kurz vor der Rente begonnen, Keyboard zu spielen in einer Band. „Tasten drücken“, sagt er, „habe ich mir selber beigebracht.“ Er leitet Computer-Kurse im Senioren-Club Charlottenburg-Wilmersdorf. Seinen 70. Geburtstag hat er mit seinen beiden Söhnen in Argentinien gefeiert, nach einem 14-Stunden-Flug. Er sagt: „Thomas, mein Ältester, hat mich auf die Idee gebracht. Buenos Aires war die letzte Station auf seiner Weltreise.“

All das wird Neukum den Besuchern erzählen, wenn sie ihn fragen. „Der Axel“, wie er sich selber vorstellt, macht das auf eine so selbstverständliche Art, dass man versteht, worum es den Machern dieser Ausstellung geht: nämlich zu zeigen, dass das zwischen dem biologischen und dem gefühlten Alter Welten liegen können.

Na ja, sagt Axel Neukum zum Abschied und angelt sich sein Iphone 6 aus der Hosentasche, er habe Glück im Leben gehabt, großes Glück. Eine intakte Familie, zwei gesunde Söhne, keine Krankheiten, genug Geld, um sich seine Wünsche zu erfüllen. Bloß einer ist immer noch offen. „Ich würde so gerne noch Opa werden.“