Geldtipp

Schlichtungsstelle Energie hilft geprellten Verbrauchern

So können Familien sparen

Stromkunden sind treu. Nach Daten der Bundesnetzagentur haben rund 80 Prozent der Haushalte ihren Anbieter noch nie gewechselt. Sie bleiben bei ihrem Grundversorger, obwohl das Angebot groß ist: So gibt es bundesweit 1100 Stromanbieter und 900 Gasversorger, erklärt Thomas Kunde, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle Energie in Berlin. Ein Grund dürfte Bequemlichkeit sein. Der harte Wettbewerb und die damit verbundenen Probleme spielen aber möglicherweise auch eine Rolle. Dass einige Billigstromanbieter Pleite gingen, dürfte abschreckend gewirkt haben.

„Es gibt Anbieter, die mit unseriösen Methoden arbeiten“, sagt Andrea Grimm von der Verbraucherzentrale Hamburg. Häufig berichteten Kunden von kräftigen Preiserhöhungen. „Oft wurde den Kunden das aber nur versteckt mitgeteilt.“ Zum Beispiel, indem die E-Mails mit der Ankündigung so gestaltet wurden, dass sie möglichst im Spam-Ordner der Kunden landen. Oder die Ankündigung wird als Flyer gestaltet, den Kunden entsorgen, weil sie ihn für Werbung halten.

Solche Fälle landen auch immer wieder vor der Schlichtungsstelle Energie, die sich seit 2011 um Streitigkeiten zwischen Versorgern und Kunden kümmert. Allein im vergangenen Jahr landeten 9300 Anträge auf dem Schreibtisch des Ombudsmanns Jürgen Kipp, der früher Präsident des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg war. Fast die Hälfte der Eingaben (48 Prozent) bezog sich auf die Abrechnung, also zum Beispiel die Höhe von Nachforderungen, Zählerstände, geleistete Vorauszahlungen oder die Abschlagshöhe. Fast ebenso viele (44 Prozent) entfielen auf den Vertrag. „Hier ging es etwa um die Auszahlung von Boni, die Wirksamkeit von Kündigungen oder die Vertragslaufzeit“, erklärt Kunde. Die gute Nachricht: In 85 Prozent aller Fälle konnte die Schlichtungsstelle laut Kunde eine Einigung herbeiführen.

Solchem Ärger können Verbraucher aber auch vorbeugen. „Viele Kunden schauen beim Wechsel vor allem auf den Preis“, sagt Verbraucherschützerin Grimm. Dabei sei ein Blick auf die Vertragskonditionen weit wichtiger. Kurzen Vertragslaufzeiten und vor allem kurzen Kündigungsfristen sollten Verbraucher viel mehr Bedeutung zumessen als einer möglichen jährlichen Ersparnis von ein paar hundert Euro. Ein weiteres häufiges Problem ist, dass Energiekunden ihren Abrechnungen nicht genug Aufmerksamkeit schenken. „Häufig schauen sie nur, ob sie eine Erstattung bekommen oder etwas nachzahlen müssen“, hat Grimm beobachtet. Kunden müssten aber auch prüfen, welche Verbrauchswerte zugrunde gelegt wurden. „Energieversorger dürfen den Verbrauch eine Zeit lang schätzen“, erläutert Grimm. Wird dann später der Zähler abgelesen, kann eine kräftige Nachzahlung folgen.

Ein Antrag bei der Schlichtungsstelle Energie ist für Verbraucher kostenfrei. Wollen sich Kunden an den Ombudsmann wenden, müssen sie ihr Anliegen im Antrag beschreiben und alle erforderlichen Unterlagen beifügen. Der Schlichter holt dann vom Unternehmen eine Stellungnahme ein und macht einen Einigungsvorschlag.