Balzgeschichten

6. Das Geschäft lockt das Weibchen an

Die wohl mit Sicherheit unappetitlichste Anbaggermethode im Tierreich finden wir beim amerikanischen Rotrückensalamander.

In der Balzzeit setzt das Salamandermännchen zunächst mal ganz gezielt ein Kothäufchen vor seine Wohnhöhle. Das macht der Herr des Hauses nicht etwa, wie zu vermuten wäre, aus hygienischen Gründen, sondern um seine Visitenkarte in Liebesdingen anzugeben. Eine zugegebenermaßen nicht gerade appetitliche Visitenkarte. Aber sehr erfolgreich! Kommt nämlich jetzt ein Weibchen an der Wohnhöhle des Bräutigams in spe vorbei und unterzieht dieses Kothäufchen einer genaueren Inspektion, kann es ja mit Leichtigkeit feststellen, was der Wohnungsinhaber in letzter Zeit gefressen hat. Diese Information ist bei Rotrückensalamandern für die Partnerfindung von entscheidender Bedeutung. Bei der Wahl ihrer Nahrung haben Rotrückensalamander nämlich klare Präferenzen: Die kleinen Amphibien verzehren bevorzugt Termiten. Einfach deshalb, weil diese Insekten nur über eine dünne Chitinpanzerung verfügen und obendrein besonders proteinreich sind. Ameisen, die wegen ihrer harten, unverdaulichen Schale dagegen eine bescheidene Kost darstellen, werden dagegen nur dann gefressen, wenn keine hochwertigere Nahrung erbeutet werden konnte. Stößt also ein in den Exkrementen möglicher Kandidaten schnüffelndes Weibchen im Kot auf viele harte Schalen, weiß es, dass der Bewohner der Höhle kein sonderlich guter Jäger ist – dank offensichtlich schlechter Gene. Er kommt also weder als Liebhaber noch als zukünftiger Vater in Frage. Will heißen, bei Rotrückensalamandern entscheidet die Qualität eines Kothäufchens darüber, wer mit wem ins Bett geht. Oder um es mit Altkanzler Helmut Kohl zu sagen: Entscheidend ist, was hinten rauskommt!