Balzgeschichten

3. Sexy Töne für gesunden Nachwuchs

Die Beatles, Robbie Williams oder Justin Biber haben es bewiesen: Männlicher Gesang kann Frauen durchaus in Ekstase versetzen.

Aber sich neben dem Herz auch noch die Eierstöcke der Damen gefügig zu machen, das hat nicht einmal Elvis geschafft – und dem King wurde ja bekanntermaßen nachgesagt, er habe puren Sex in der Stimme gehabt. Nun hat ein deutsches Forscherteam unlängst herausgefunden, dass männliche Kanarienvögel dieses Kunststück beherrschen. Die gelb gefiederten Piepmätze können nämlich ihre Weibchen allein durch die Qualität ihres Gesanges dazu bringen, größere Eier zu legen. Oder, um es anders zu formulieren: Je schöner das Männchen singt, desto größer fallen später die Eier der umworbenen Dame aus. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen haben nämlich vor einiger Zeit herausgefunden, dass Kanarienvogelweibchen, wenn sie den Gesang von Männchen vernehmen, in dem viele sogenannte „sexy syllables“ (sexy Silben) enthalten sind, deutlich größere Eier legen, als bei Männchen, in deren Gesang nur wenige solcherlei erotisierende Töne vorkommen. Bei den „sexy Silben“ handelt es sich nach Ansicht der Wissenschaftler um äußerst komplexe Klangfolgen, die deshalb für die Männchen ziemlich schwierig und auch sehr anstrengend zu singen sind. Ein bisschen ist das durchaus mit einem „hohen C“ bei uns Menschen zu vergleichen. Diesen Spitzenton kann ja selbst ein Weltklassetenor nicht am laufenden Band singen. Das Kalkül der Vogeldamen in Sachen Eiergröße ist dabei recht einfach: Je mehr sexy Silben ein möglicher Partner in seinem Gesang vorzuweisen hat, desto kräftiger und gesünder ist er – und desto wahrscheinlicher ist es, dass er dank guter genetischer Ausstattung auch einen ebensolchen Nachwuchs zeugen kann. Und bei der Aussicht auf derart prächtige Kinder lohnt es sich, als zukünftige Mutter durchaus tief in die eigene Körperressourcenkiste zu greifen und in die Eigröße zu investieren: Größere Eier enthalten nämlich auch deutlich mehr Nährstoffe, die dann dafür sorgen, dass das so geförderte Küken bereits im Ei kräftiger wird. Und damit nach dem Schlüpfen bessere Überlebenschancen hat.