Mamas & Papas

Ganz Berlin ist ein großer Hundehaufen

Sandra Garbers über ihren enttäuschenden Umzug in den Berliner Süden

Wenn man Kinder hat, will man es ihnen möglichst schön machen. Die Welt soll heil sein, die Gärten groß, die Schulen klein. Am liebsten würde man nach Schweden aufs Land ziehen, ganz in die Nähe von Bullerbü mit etwas besserer Infrastruktur. Mit ungefähr diesen Gedanken sind wir von Prenzlauer Berg nach Zehlendorf gezogen. Kopfsteinpflaster statt Straßenbahn, grün statt grau „Und wisst Ihr, was das Tollste ist?“, hatte ich den Kindern vor dem Umzug gesagt: „Keine Hundehaufen mehr, wenn man aus der Haustür tritt. Weil, Kinder, wir ziehen in die gutbürgerliche Zivilisation.“

Jetzt wohnen wir seit einem Monat im Südwesten Berlins und was soll ich sagen? Es wirkt schon. Ganz ehrlich, ich wollte niemals über Hinterlassenschaften von Hunden schreiben. Ich mache einen großen Bogen drum. Um das Thema und um die Haufen. Zu eklig. Ich mag Hunde, Hunde haben nun einmal Bedürfnisse, und als Hundebesitzer habe ich dann eben eine Tüte dabei. So einfach ist das.

So einfach ist das nicht. Unser Gebiet ist in irgendeinem Hundeführer „Gassi in Berlin“ oder so ähnlich offenbar als öffentliche Hundeklo-Gebiet ausgewiesen. In den Seitenstraßen haben Anwohner in ihrer Verzweiflung Tütchen an die Bäume gehängt und Schilder an ihre Zäune. „Hier ist kein Hundeklo“. Trotzdem ist die ganze Gegend ein stilles Örtchen. Der Grünstreifen zwischen Gehweg und Straße? No-go-Area. Aber wie unfallfrei ins Auto einsteigen? Tagsüber kriegt man es als Erwachsener mit Riesenschritten ganz gut hin, als Kind gar nicht, im Dunkeln wird es dann für alle zum reinen Glücksspiel, dass man die paar Quadratzentimeter ohne Kot erwischt.

Während ich also fast täglich das stinkende Zeug aus den dicken Winter-Profilen der Kinderschuhe kratze, bekomme ich, ich gebe es zu, Folterfantasien. Dabei ist das noch nicht einmal das Schlimmste. Viel unschöner ist es, wenn man gar nicht gemerkt hat, was da unter den Schuhen klebt und dann drinnen in der warmen Heizungsluft sich plötzlich dieser Duft entfaltet. Oder wenn der Anderthalbjährige versucht, den Klumpen am Schuh mit den Fingern abzupulen. Darüber schon mal Gedanken gemacht, bekloppter Hundebesitzer ohne Tüte? Kommen wir zurück zu den Folterfantasien. Nicht Hunde-Folterfantasien. Hundebesitzer-Folterfantasien. Tausend Fragen schießen durch den Kopf. Was kostet so eine Überwachungskamera? Gelten leichte Stromschläge schon als Körperverletzung? Gibt es eigentlich auch Hundebesitzerfernhaltesprays? Und was geht eigentlich in den Köpfen der Leute vor?

Leute, habt so viele Hunde wie Ihr wollt. Holt Euch Jagdhunde für Eure Zwei-Zimmerwohnungen, wenn Ihr einen Züchter findet, der so etwas mitmacht. Holt Euch Hunde im Taschenformat, die Ihr mit auf Partys schleppt. Schwimmt mit Euren Hunden meinetwegen im See. Macht, was Ihr wollt. Aber macht hinterher sauber.

Kommende Woche schreibt an dieser Stelle wieder Hajo Schumacher.