Berliner helfen

Mobil mit neuem Rollstuhl

Spendenaktion für André brachte auch seine Krankenkasse in Bewegung

Aufrecht und stolz sitzt André Hobusch in seinem neuen Rollstuhl. Seine Körperhaltung sagt: Ich hab’s geschafft! Nach beharrlichem Kampf und dank der Spendenaktion von Berliner helfen hat die Siemens-Betriebskrankenkasse seinen Fall erneut überprüft. Und hat nach einer Begutachtung des alten Rollstuhls durch den Medizinischen Dienst einen neuen Rollstuhl bewilligt. „Ich bin so froh, ich hab das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen“, erzählt der 21-jährige. Seit einem Unfall vor drei Jahren auf dem S-Bahnhof Köpenick ist der fast zwei Meter große junge Mann auf einen Rollstuhl angewiesen. Er hatte schwere Knochenbrüche und eine Hirnblutung erlitten, seine Motorik ist rechtsseitig gestört, im rechten Bein hat er kein Gefühl. Laufen kann er nur ein paar Schritte. Die drei Treppen in die Wohnung seiner Mutter im dritten Stock zieht er sich am Treppengeländer hoch. Der Rollstuhl bleibt unten im Flur angeschlossen.

Andrés große Leidenschaft ist Rollstuhl-Basketball in der Sporthalle vom Pfefferwerk e.V., zu dem ihn sein ehemaliger Sportlehrer im August vergangenen Jahres gebracht hat. André spielt mit seiner Mannschaft in der Landesliga: „Es ist ein gemischtes Team, Rollis und Fußgänger, da funktioniert die Inklusion richtig gut“, sagt er und zeigt stolz auf sein Team-Sweatshirt „Pfeffersport“. Bewegung tut ihm gut. Von den für ihn gesammelten Spenden kann er nun ein Handbike kaufen, eine Art Fahrrad, das vor den Rollstuhl gespannt und mit den Armen bewegt wird. „Davon träume ich schon lange“, sagt er.

Der neue Rollstuhl wurde speziell für seine Körpergröße und sein Gewicht angefertigt. „Das Ding wiegt nur knapp neun Kilo, der alte Rollstuhl war fast 20 Kilo schwer“, erläutert André Hobusch. Das machte es oft unmöglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. „Man kann doch keinen bitten, ein so schweres Ding die Treppen hoch zu schleppen, wenn es keinen Aufzug gibt“, meint er. Dank des neuen leichtgängigeren Rollstuhls, ist er mobiler geworden, kann sich selbstständiger bewegen. André Hobusch lernt Orthopädie-Schuhmacher in Hellersdorf. Den Ausbildungsplatz hat er sich selbst besorgt, das Jobcenter wollte ihn in eine Einrichtung für Behinderte vermitteln. „Das waren Arbeitsplätze für geistig Behinderte, aber ich bin doch total fit im Kopf“, sagt André. Bei seinem Meister lernt er, orthopädische Schuhe zu bauen. Die Arbeit macht ihm Spaß, besonders die Reha-Schuhsprechstunde für die Berufsgenossenschaft. Ein Fahrdienst bringt ihn zu Eprotec nach Hellersdorf und wieder nach Hause nach Schöneberg. „Wir sind sehr froh, dass er diese Ausbildung machen kann“, sagt seine Mutter Annette Hobusch, die ihren Sohn unterstützt, wo sie nur kann, genau wie sein ein Jahr älterer Bruder Patrick, der mit seiner Freundin im gleichen Haus wohnt.

Fahrten zur Berufsschule

Ein Problem ist der mit der Ausbildung verbundene Besuch der Berufsschule. Die Landesberufsschule für Orthopädie-Schuhtechnik, zu der auch die Berliner Azubis geschickt werden werden, liegt in Priwall in Schleswig-Holstein. Nach zwei Monaten praktischer Ausbildung im Betrieb werden die Auszubildenden einen Monat dort untergebracht und unterrichtet. „Wir haben uns die Finger wund telefoniert, aber weder das Jobcenter noch der Behindertenbeauftragte des Landes übernehmen die Transporte“, erzählt Andrés Mutter. Also hat sein Vater extra Urlaub genommen und seinen Sohn zur Berufsschule gefahren und ihm geholfen, sich vor Ort einzurichten. „Das kann er doch aber nicht die nächsten zwei Jahre machen“, meint André.

Er ist der erste Rollstuhlfahrer, der die Berufsschule mit angeschlossenem Internat besucht. „Die sind nicht wirklich dafür eingerichtet, aber das geht schon irgendwie“, meint der 21-jährige. Er will nicht abgeschoben werden und er wird weiter kämpfen um seinen Platz im Leben. Familie, Nachbarn, Freunde und viele Spender unterstützen ihn dabei. „Dafür sind wir wirklich sehr dankbar“, sagt seine Mutter.