Tierfreund

Was versteht man eigentlich unter „Katzenkaffee“?

Dr. Mario Ludwig über die Lieblingsnahrung von Fleckenmusangs und warum deren Ausscheidungen bei Feinschmeckern so begehrt sind

Beim Katzenkaffee handelt es sich nicht nur um den teuersten Kaffee der Welt, sondern auch um den einzigen, der von einer Katze produziert wird, genauer gesagt einer Schleichkatze, dem Fleckenmusang. Diese kleinen Raubtiere, die ein bisschen so aussehen, als hätte man eine Katze mit einem Wiesel gekreuzt, sind ausschließlich in Süd- und Südostasien zu Hause. Obwohl Fleckenmusangs eigentlich Raubtiere sind, handelt es sich bei ihrer Lieblingsnahrung um überreife, zuckersüße Kaffeekirschen. Die Fleckenmusangs können allerdings nur das rote Fruchtfleisch verdauen, die Kaffeebohne selbst scheiden sie wieder aus. Und offenbar veredelt genau dieser Gang durch den Verdauungstrakt der Schleichkatzen die Bohnen. Magensäfte und Enzyme sorgen nämlich in einer Art natürlicher Fermentation dafür, dass den Bohnen Bitterstoffe und Säuren entzogen werden und sie deshalb – so behaupten zumindest die Experten – nach dem Röstvorgang ein einzigartiges Aroma entfalten. Egal, wie unappetitlich dieser Vorgang ist, diese „katzenbehandelten“ Bohnen sind bei Feinschmeckern äußerst begehrt. Der Name Kopi Luwak stammt übrigens vom indonesischen Wort „Kopi“ für Kaffee und „Luwak“, das ist die indonesische Bezeichnung für die Schleichkatzen.

Bequemerweise verrichten Schleichkatzen ihr Geschäft stets an denselben Stellen, deshalb müssen die „darmveredelten Bohnen“ von den Kaffeebauern nur noch aufgesammelt, gereinigt und zu Kaffeeröstereien gebracht werden.

Preiswert ist Kopi Luwak allerdings nicht gerade. Das Kilo kostet zurzeit im Einzelhandel über 300 Dollar. Manchmal sogar bis zu 1000 Dollar. Und das ist kein Wunder. Jährlich kommen nämlich gerade mal 230 Kilogramm Kopi Luwak auf den Weltmarkt. Und wie schmeckt so ein Katzenkaffee? Der berühmte englische Schauspieler John Cleese (Monty Python) hat den Geschmack mal sehr schön beschrieben als „erdig, modrig, mild, sirupgleich, gehaltvoll und mit Untertönen von Dschungel und Schokolade“. Allerdings ist die Qualität nicht immer gleich. Hier spielen unterschiedliche Faktoren eine wichtige Rolle: die Art der gefressenen Kaffeebohne, die Verweildauer der ausgeschiedenen Kaffeebohne auf dem Waldboden und die Witterungsverhältnisse.

Der große Gewinn, der sich mit Kopi Luwak-Kaffee erzielen lässt, hat in den vergangenen Jahren vermehrt einige Bewohner Javas und Sumatras dazu veranlasst, Fleckenmusangs zu fangen, in Käfige zu sperren und dort mit Kaffeekirschen vollzustopfen, um so in einer Art „Heimproduktion“ größere Mengen des begehrten Kaffees herzustellen. Auf den Philippinen entstanden sogar legebatterieähnliche Haltungssysteme, in denen die Tiere sich kaum rühren konnten und an den Gitterdrähten die Haut aufrissen. Kein Wunder, dass die armen Tiere meist nach kurzer Zeit zu Grunde gingen.

Dabei kann man die Produktion schon seit geraumer Zeit deutlich eleganter und ohne Tierquälerei lösen: Bereits 1996 haben deutsche Wissenschaftler im Auftrag einer vietnamesischen Firma zunächst die sechs Enzyme isoliert, die die Kaffeebohnen im Verdauungstrakt der Fleckenmusangs „veredeln“. Dann hat man diese Verdauungsenzyme künstlich hergestellt und daraus eine Lösung produziert, mit der man Kaffeebohnen auch im Labor einen „Kopi-Luwak-Effekt“ verpassen konnte. Die künstliche Sorte wurde „Legendee“ genannt und zum Patent angemeldet. Der Erfolg auf dem Weltmarkt ist jedoch überschaubar. Die Menschen wollen lieber das Original.

Das ist wohl auch der Grund, warum jede Menge gefälschter Kopi Luwak auf dem Markt ist. Fälschungen sind für einen Laien schwer zu erkennen. Dazu braucht man ein sehr gut ausgerüstetes Labor. So kann man mit einem Rasterelektronenmikroskop auf der Oberfläche der Kopi-Luwak-Bohnen winzige „Krater“ entdecken, die von den Verdauungsenzymen der Fleckenmusangs stammen. Oder man muss mit Hilfe einer gaschromatischen Analyse ein Aromaprofil erstellen. Auch damit lässt sich die Echtheit überprüfen. Aber wer hat schon solche High-Tech-Geräte im heimischen Wohnzimmer?

Dr. Mario Ludwig ist Biologe und einer der bekanntesten Tierbuchautoren Deutschlands. Er schreibt an dieser Stelle über Phänomene in der Tierwelt.